Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel BASF bricht der Gewinn weg

Im BASF-Stammwerk, hier ein Blick auf eine Großanlage, sind derzeit weniger als 100 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen.
Im BASF-Stammwerk, hier ein Blick auf eine Großanlage, sind derzeit weniger als 100 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen.

BASF-Chef Martin Brudermüller hat zwar schon Ende Februar vor gravierenden wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus gewarnt. Doch dieses Ausmaß hat er dann doch nicht erwartet. Seine damals noch durchaus positiven Geschäftsaussichten hat der BASF-Chef jetzt drastisch zurückgenommen.

Derzeit sei jeder Ausblick auf die Entwicklung der Weltwirtschaft in hohem Maße unsicher, wenn nicht unmöglich, sagte Brudermüller zur Vorlage der Bilanzzahlen für das erste Quartal 2020. Wegen der heftigen Auswirkungen der Pandemie habe die BASF ihre Wachstumserwartungen nun drastisch reduziert. Noch Ende Februar hatte der BASF-Chef für 2020 ein leichtes Umsatzwachstum angekündigt und hielt auch eine leichte Steigerung des Betriebsergebnisses vor Sondereinflüssen für möglich. Diese Prognose zog er nun zurück und wollte keine quantitative Vorhersage mehr machen. Bei der um 10 Cent erhöhten Dividende von 3,30 Euro pro Aktie für 2019 soll es aber bleiben.

Rote Zahlen nicht ausgeschlossen

Das zweite Quartal 2020 werde deutlicher und stärker von einem Rückgang betroffen sein als das erste Quartal 2020. Zu Jahresanfang hat der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal zwar um gute 7 Prozent zulegen können auf 16,8 Milliarden Euro. Aber das Betriebsergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen ging um 6 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro in die Knie. Für das zweiten Quartal erwartet Brudermüller „bestenfalls“ ein Ebit vor Sondereinflüssen in einem niedrigen dreistelligen Millionen Euro-Bereich. Im zweiten Quartal 2019 standen hier noch 1,1 Milliarden Euro zu Buche. Er könne auch nicht ausschließen, dass das Ebit vor Sondereinflüssen im zweiten Quartal auf Null oder sogar darunter sinke, sagte der BASF-Chef.

Brudermüller: Kurs gehalten trotz starken Gegenwinds

Ein wesentlicher Grund für die trüben Aussichten sei die Autoindustrie. Die Autoproduktion weltweit sei im ersten Quartal um über 24 Prozent eingebrochen. Dieser Nachfragerückgang in ihrer wichtigsten Kundenindustrie setze der BASF aktuell am stärksten zu, sagte Brudermüller. Doch zeigten sich andere Kundenbranchen widerstandsfähig oder erlebten sogar zusätzliche Nachfrage wie etwa Pharma, Reinigungsmittel oder Ernährung. Hier biete das breit angelegte Geschäft der BASF gerade in schwierigen Zeiten Vorteile. So führt der Chemiekonzern den gestiegenen Quartalsumsatz vor allem auf einen höheren Absatz in verbrauchernahen Geschäftsbereichen zurück. Hier zeige sich eindrucksvoll, wie gut die BASF trotz starkem Gegenwind Kurs gehalten habe, so Brudermüller. Der guten Entwicklung des Gewinns in diesen Geschäften stand allerdings ein Ergebniseinbruch bei Chemikalien (Chemicals) und Grundprodukten (Materials) gegenüber, der zum Rückgang des Ebit führte.

Personalabbau beschleunigt

Die BASF hat ihren Personalabbau im Ludwigshafener Stammwerk beschleunigt. Der Chemiekonzern beschäftigte dort Ende März dieses Jahres 34.606 Mitarbeiter, das waren 798 weniger als zwölf Monate zuvor. Allein in den ersten drei Monaten 2020 sank die Anzahl der Mitarbeiter um 290. Im gesamten vergangenen Jahr hatte der Chemiekonzern die Belegschaft im Stammwerk um 420 Mitarbeiter reduziert. Am BASF-Standort Ludwigshafen, dem weitere Gruppengesellschaften zugeordnet werden, waren es bis Ende März mit 39.247 Beschäftigten genau 800 Mitarbeiter weniger als ein Jahr zuvor. Brudermüller sagte, dass die Anzahl der Mitarbeiter im Stammwerk Ende dieses Jahres „deutlich niedriger“ ausfallen werde als Ende 2019, machte aber deutlich, dass diese Entwicklung nichts mit der Pandemie zu tun hat, sondern mit der länger geplanten Straffung der Organisation.

Derzeit gibt es im Stammwerk in Ludwigshafen für weniger als 100 Mitarbeiter Kurzarbeit. In Deutschland sind davon allerdings 3700 von 54.000 BASF-Beschäftigten betroffen. Es könnten in den kommenden Wochen weitere 250 Mitarbeiter im Stammwerk und weitere 1300 in Deutschland hinzukommen.

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