Landau
Im Strieffler-Haus setzen sich zeitgenössische Künstler mit Max Slevogt auseinander
Max Slevogt kennt so ziemlich jeder. Auch, wer mit den schönen Künsten wenig am Hut hat, weiß, dass der gesellige Maler hoch über Leinsweiler sein Sommerdomizil hatte, dass er seine geliebte Pfalz samt Wingert und Wolken, Wald und Wein in rauschenden Farben und dynamischen Pinselschwüngen auf die Leinwand bannte und wegen seines flirrenden Lichts und impressionistischen Duktus auch in Berlin gefeiert wurde. Wer aber ist bHK? -Hinter der Abkürzung, die den Charme eines Behördennamens versprüht, stehen der Architekt und Hochschullehrer Christian Heuchel und der Maler und Grafiker Gunter Klag, der seit 2010 die Kunstschule Villa Wieser in Herxheim leitet.
Die beiden haben sich 1991 zu einer Künstlergruppe zusammengefunden, in Bellheim ihr „bureau Heuchel Klag“ (bHK) eingerichtet und nehmen für ihre innovativen Projekte gerne auch andere Künstler, besonders oft den in Germersheim geborenen, in Karlsruhe agierenden Maler und Musiker Mike Überall mit ins Boot. Der ist auch der dritte Mann beim Slevogt-Projekt, in dem es darum ging, den 100 Jahre älteren Kollegen in seinem ganzen Wesen, seinem Pfälzer Umfeld und seiner impressionistischen Malweise näher kennenzulernen, besser zu verstehen und ihn ins Hier und Heute zu holen.
Die drei Herren verstehen sich mit ihrer ineinandergreifenden, auf Slevogt bezogenen Kunst als eine Art Medium, das den alten Meister in die Gegenwart beamt. „Die ganze Landschaft, das damalige Umfeld, gibt es ja heute noch, wenn auch mit veränderten Einflüssen“ stellen sie in einer Mischung aus Begeisterung und Erstaunen fest und nehmen diese Tatsache zum Anlass, ihre eigenen Interpretationen mit Slevogts charismatischen Blick, seinem genussvollen Esprit und impulsiven Duktus zu vermischen.
Nach gemeinsamen Ortsbegehungen des Slevogthofs in Leinsweiler und der Slevogt-Galerie in der Villa Ludwigshöhe, die filmisch dokumentiert wurden, hat jeder erst mal seine eigenen Gedanken in Skizzen festgehalten, den Plein-Air-Eindruck eingefangen, bestimmte Motive zitiert und Verknüpfungen zu eigenen Sichtweisen angeführt, bevor es im Atelier an die neun großen Leinwände ging, die zum Nukleus der Gesamtprojekts wurden. Jede einzelne Leinwand wurde von allen drei Künstlers gemeinsam bespielt und ein jedes einzelne Bild hat sich von selbst heraus entwickelt“, beschreibt Klag den monatelangen, nicht immer einfachen Prozess.
Nicht in Öl auf Leinwand, wie bei Slevogt selbst, sondern mit Acrylfarben, wurden dabei die Impressionen des Altmeisters revitalisiert. Die „Topografie der Heimat“ führt den typischen Hanglagen-Blick über eine Ebene, deren flirrendes Himmelslicht nun von Windrädern durchgewirbelt wird, während ein Ackergaul wie eh und je am Rande der Betrachtung steht. Die „Waldlichtung mit Kauz“ erinnert an das Gelände rund um den Slevogthof und an die Liebe seines einstigen Besitzers zu allerlei Getier, das auch in anderen Bildern auftaucht. Das „Waldstück unter Ludwigshöhe“ schichtet den Blick über die Rheinebene und füllt die Luft über dem Rebenmeer mit leuchtenden Lichtpunkten. Und so, wie sich Slevogt selbst gerne in Szene setzte, gönnt sich auch das Künstlertrio einen Auftritt unter den neugierig dreinschauenden Augen seines Helden.
Auf zwei Bildtafeln, die zu einer übergroßen Arbeit vereint werden können, sieht man Heuchel, Klag und Überall mit wichtigen Utensilien und recht schlumpfigen Masken bei der Umsetzung ihrer insgesamt zwei Jahre währenden „Spurensuche“ Am Rande warten die kleinen Keimlinge, die jeder Arbeit eingepflanzt werden, auf ihre Verwendung. „Wir sind ja keine Impressionisten“, gibt Mike Überall zu verstehen, „darum war es mit der Annäherung gar nicht so leicht. Und darum hat auch manches Gemälde eher einen Van-Gogh-Strich.“ Diese Eigenarten seien freilich erlaubt und erwünscht. Wichtig sei es aber gewesen, das „Schimärenhafte der Landschaften“ zu begreifen, Spontaneität und Sinnlichkeit auszudrücken, eine gute Auffassungsgabe zu beweisen. „Dabei haben wir noch mehr schätzen gelernt, was der Slevogt drauf hatte.“
Die Ausstellung
„bHK trifft Slevogt - Eine Reise durch den Pfälzer Impressionismus“ bis 24. März im Landauer Strieffler-Haus der Künste: Fr, Sa, So 14-17 Uhr. Eröffnung am Sonntag, 11. Februar, 14 Uhr, im Beisein der Künstler und mit einer Einführung von Kulturwissenschaftler Thomas Krämer. Anschließend ist die vom 5. bis 21. Juli in der Neustadter Villa Böhm, Neustadt und vom 25. August bis 22. September in der Kreisgalerie Dahn zu sehen. Zum Projekt ist ein Begleitband mit allen Positionen im Landauer Knecht-Verlag erschienen.