Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Historisches Treiben mit Gruppe „Von Sponheim“ auf Burg Lichtenberg [mit weiteren Bildern]

Fand interessierte Zuschauer: Auch die Kunst des Spinnens wurde demonstriert. Foto: m. hoffmann
Fand interessierte Zuschauer: Auch die Kunst des Spinnens wurde demonstriert.

Um mal eben einen realistischen Abstecher ins Mittelalter zu machen, braucht es nicht zwingend einen Flux-Kompensator aus Hollywood. Am Wochenende genügte hierfür eine Stippvisite auf Burg Lichtenberg – beim Gastspiel der Darstellungsgruppe „Von Sponheim“.

Tollkühne Ritter hoch zu Ross und holde Burgfrauen, die vorm Fenster sitzend verzückt der Minne lauschen: Klischees, die ein stark romantisiertes Treiben auf mittelalterlichen Burgen zum Inhalt haben, gibt es mindestens so viele wie unterschiedliche Rüstungen. Dass die damalige Realität ganz anders aussah, dokumentierte das historische Treiben der Damen und Herren, die sich Samstag und Sonntag auf dem Areal der Unterburg trafen, um die Zeit um das Jahr 1320 authentisch wiederaufleben zu lassen. Rund ein Dutzend Darsteller schlüpften hierfür in historisch verbriefte Personen und ihre zeitgenössischen Gewänder.

Länderübergreifender Verbund

Die Gruppe „Von Sponheim“ ist Teil einer europaweit agierenden Darstellerriege. Der Leipziger René Jungnickel, der den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg verkörpert, spricht dabei von einem einzigartigen länderübergreifenden Verbund an Menschen mit dem Interesse, das frühe 14. Jahrhundert so exakt wie möglich wiederzugeben. „Die Authentizität ist das Wichtigste am ganzen Projekt“, unterstreicht auch Manuel Tiegel, der die Hobbydarsteller als Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt ergänzt. Hierfür, so Tiegel, sei ein intensives Befassen mit historischen Quellen notwendig. Gelegentlich komme es bei der Umsetzung auch zu Diskussionen. „Nicht immer sprechen alle Quellen die gleiche Sprache“, weiß der Mittelalter-Fachmann. „Wir grenzen uns von gängigen Mittelaltermärkten deutlich ab“, ergänzt Jungnickel. Authentizität statt Kommerz sei die Losung, der sich alle Teilnehmer verpflichtet fühlen. Auch Christine und Steven Klein gehören der Darstellungsgruppe schon seit einigen Jahren an. Sie verkörpern Gräfin und Graf von Sponheim. Noch keine zwölf Monate dabei sind hingegen Barbara und Jürgen Zeng, die das historische Treiben als Hofdame Irmgard von Schmidtburg und Pastor Werner bereichern.

Spaß an Historie

Sie alle haben Spaß an der Historie und ihrer detailgetreuen Wiedergabe, für die sie auf Burg Lichtenberg die ideale Kulisse zur Verfügung haben. Etwa ein halbes Dutzend Schauzelte geben Auskunft über das Inventar der Zeit um 1320. Hierzu gehören Scherenstühle, Truhen und schlichte Säcke mit Stroh. Neben den Zelten sind eine mittelalterliche Kochstelle und ein Baldachin installiert, unter dem sich damals wie heute die hohen Herrschaften zu Speis und Trank versammeln. Drumherum ist geselliges mittelalterliches Treiben. Christine Klein alias Gräfin von Sponheim demonstriert ihr Geschick am Spinnrad, während Selina Konrad als ein mit Messern jonglierender Harlekin einen weiteren Blickfang fürs Publikum darstellt. Dass die Gauklerin dabei auch als Feuerspuckerin auftritt, ist historisch nicht ganz unstrittig. Dennoch erlaubt sich die Gruppe diese möglicherweise kleine Abkehr von der uneingeschränkten Detailtreue.

500 Kilometer Anreise

Authentizität gilt auch für Jörg Willi alias Reichsritter von Ehrendingen, der in einem Winkel der Unterburg einen Schüler in die hohe Kunst der Verteidigung mit dem Schwert einweist. Der Mittelalter-Freund ist Schweizer und mal eben 500 Kilometer gefahren, um einen sehenswerten Beitrag zur Mittelalter-Darstellung auf Burg Lichtenberg zu leisten. Graf von Sponheim-Darsteller Steven Klein ist vom Ambiente auf Burg Lichtenberg angetan und kann sich hier künftig auch ein größeres Wirken des Ensembles vorstellen. Sein Ziel ist es, mehr Menschen aus der Region Pfalz-Hunsrück für dieses Hobby zu gewinnen. Auch René Jungnickel hält ein zahlenmäßig größeres Erscheinen der Gruppe bei künftigen Auftritten im Kuseler Land für wünschenswert: „So um die 150 Leute hier oben auf der Burg – das wäre schon was!“ 

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