Rheinpfalz Generationen alljährlich einmal vereint

Otterbach. 86 Jahre und das Meer trennen Hugo Hammerschmidt und Draford Obryan Potts. Normalerweise. Einmal im Jahr aber ist Treffen der Generationen: Dann sitzen der 90-jährige „Stammvater Hugo“ und sein vierjähriger Ururenkel aus Amerika zusammen in Otterbach bei Marianne Rohe. Sie ist die Tochter von Hugo und Antonie Hammerschmidt und Drafords Uroma.

Vorgestern stiegen Draford und seine Mutter Denise Jackson (26) wieder in den Flieger. Von Frankfurt aus geht es heim nach Charlotte, North-Carolina, USA. Vier Wochen waren die vierte und fünfte Generation zu Besuch in Otterbach bei der Uroma Marianne Rohe (65). Die dritte Generation, Rohes Tochter Christine Davis (47), Mutter von Denise, ist bereits nach Charlotte zurückgeflogen. Sie arbeitet bei der Bank of America. Der Urlaub war schneller vorbei als es der Großfamilie lieb war. Mit fünf Jahren ist Denise mit ihrer Mutter in die USA gezogen. Im Gepäck eine breite pfälzische Sprache und die Vorliebe für „Grumbeere und Eiersoße“. Beides gab es reichlich in den großen Sommerferien, die sie nur zu gerne bei den Großeltern in Otterbach verbrachte. „Ich bin gelernte Konditormeisterin“, erzählt Denise, um gleich anzufügen, dass sie diese Vorliebe wohl von „Oma Liebchen“ geerbt hat. Oma Liebchen ist eigentlich ihre Uroma, Antonie Hammerschmidt. Vom Uropa hat sie dafür das „Ehrenamtsgen“, muss sie lachen. „Den größten Teil meines langen Lebens habe ich im Ehrenamt und in Chören und Singkreisen verbracht“, bestätigt Hugo Hammerschmidt lächelnd, der zusammen mit seiner Frau auf der Lampertsmühle, wo er bis heute wohnt, sechs Kinder groß gezogen hat und die erste Generation der Familie darstellt. Marianne Rohe (die zweite Generation) über ihre Eltern: „Sie haben wirklich die ganze Bandbreite des Lebens, mit allem was dazu gehört, erlebt und sie waren immer offen für alle.“ In die USA hat es der Stammvater nie geschafft. Nicht so schlimm, der Besuch kommt ja regelmäßig. Natürlich auch, um den Opa, den Uropa und den Ururopa singen zu hören. „Opa hat immer ein Lied“, blickt Denise ihren Uropa liebevoll an. Ihren Konditoren-Beruf hat sie mittlerweile an den Nagel gehängt. „In Amerika wird Qualität und Handarbeit nicht bezahlt“, erklärt sie auch warum. Sie studiert jetzt Soziologie und Deutsch, will im nächsten Jahr den Bachelor in der Tasche haben. Mit ein Grund, warum sie diesmal den Besuch in Otterbach mit einem vierwöchigen Sprachkurs am Goethe-Institut in Mannheim verbunden hat. „Ich kann doch nur Pfälzisch“, muss sie herzhaft lachen. Ja doch, sie kann sich gut vorstellen hier in Deutschland, in der Nähe der Großeltern zu leben und den USA den Rücken zu kehren. Ihre Mutter Christine zaudert bei dem Gedanken noch. „Wenn sie die Möglichkeit hätte ein halbes Jahr hier und ein halbes Jahr in den USA zu verbringen, das würde ihr gefallen“, erzählt Marianne Rohe über ihre Tochter. „Ich habe meine Kinder nie gedrängt irgendwo hin zu gehen oder etwas Bestimmtes zu tun. Es ist doch das höchste Gut des Menschen selbst über sein Leben bestimmen zu können“, so Rohe. Auch sie hat das Ehrenamtsgen von ihrem Vater Hugo mitbekommen. „Kirche, Frauen, Kinder“, umschreibt sie ihren Einsatzbereich. Wo gibt es so etwas noch? Fünf Generationen aus einer Familie vereint am Gartentisch und alle verstehen sich prächtig. Jedenfalls mit dem Herzen. Der vierjährige Draford ist der deutschen Sprache noch nicht ganz so mächtig. Die wichtigsten Begriffe, die hat er allerdings bereits fest in seinem Wortschatz verankert: Radlader, Kran, Schaufelbagger…. Auch einen ganzen Satz – „Nanni, hast du gut geschlafen?“ – beherrscht er perfekt. Seine Nanni, Uroma Marianne, ist im sonstigen Sprachgebrauch nur die „Tic-Tac-Oma“, führt seine Mutter Denise an. Das klingt ja irgendwie auch netter als Uroma. Am Donnerstag am Flughafen, da gab es sicher Tränen, aber wer die Freuden einer solchen Familie hat, der kommt damit klar. Sagt jedenfalls Marianne Rohe, die „Tic-Tac-Oma“. (thea)

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