Karlsruhe
40 Jahre Videospiel Tetris in einer Ausstellung
Auf den Geräten kann man das Spiel der Spiele ausprobieren. Die bekannte russische Melodie dudelt vor sich hin, und auf dem kleinen Display fallen von oben die Steine herunter, die man unten zu geschlossenen Reihen sortieren muss. Schließt man mit dem langen Stein vier Reihen auf einmal, gibt es für diesen „Tetris“ extra viele Punkte.
Das kleine Display mutet heute, wo Flachbildschirme und Fernseher in XXL-Format in die Haushalte Einzug gehalten haben, freilich ein bisschen wie Mäusekino an. Deshalb ist der Gameboy in der Ausstellung an einen größeren Monitor angestöpselt. So lässt sich übersichtlicher daddeln, und andere können zuschauen.
Langeweile in Moskau
„Je nachdem, welchen Quellen man glaubt, ist Tetris das meistverkaufte Videospiel der Welt“, sagt Kay Weidenmann, Mitglied im Verein RetroGames, der im Gewerbegebiet Karlsruhe-Bulach in der Schauenburgstraße sein gleichnamiges Museum betreibt. Hier werden alte Konsolen und Gamingschränke repariert, instandgesetzt und ausgestellt. Und es wird historisch rund ums Videospiel geforscht, in der Regel zu einem Schwerpunktthema, das der Verein dann in einer jährlichen Sonderausstellung präsentiert.
Diesmal also Tetris, das 1984 für einen Elektronika-60-Rechner in der damaligen Sowjetunion von einem Programmierteam entwickelt wurde. Der bekannteste von ihnen war Alexei Paschitnow. Jenes Team arbeitete damals am Rechenzentrum der Akademie der Wissenschaften in Moskau, und vermutlich nutzte es den Leerlauf von überschüssigen und ansonsten womöglich langweiligen Arbeitsstunden für die Spielprogrammierung.
„Für die war das eine Fingerübung“, sagt Weidenmann über die Tetris-Geburtsstunde. Erst verbreitete sich Tetris in der Sowjetunion, dann im ganzen Ostblock. Ausgehend von Ungarn entfachte sich schließlich ein regelrechter Wirtschaftskrimi um die Lizenzrechte des Spiels, was auch in dem vergangenes Jahr herausgebrachten britischen Kinofilm spannend thematisiert wird. In der Sonderausstellung kann man an einer Station in den Film reinschauen.
Die Tetris-Story wird auch übersichtlich auf Erklärtafeln geschildert, was unterhaltsam und informativ zugleich ist: Der Niederländer Henk Rogers, der ehemals in Japan lebte, erwarb als Unterhändler die Rechte für Nintendo. Das Unternehmen verkaufte dann ab 1989 sein Erfolgsprodukt „Gameboy“, wobei – nahezu – jedem neuen Gerät auch Tetris als Spiel beigelegt wurde. Ungefähr 70 Millionen Mal verkaufte sich der Gameboy. Entsprechend erfolgreich lief Tetris.
Henk Rogers und Alexei Paschitnow befreundeten sich, und sie gründeten in den 1990ern, als nach Perestroika und Glasnost die Sowjetunion untergegangen war, eine Firma, die sich später die Tetris-Rechte sichern konnte und bis heute besitzt. Nicht ohne Stolz zeigt die liebevoll ausgestattete Sonderausstellung in einer Vitrine ein Paschitnow-Autogramm. Präsentiert werden auch neuere Tetris-Varianten, denn bis heute wird das Spiel weiter entwickelt.
„Tetris Effekt“ etwa wird mit VR-Brille gespielt. Zudem gibt es im Internet weltweit eine sehr lebendige Szene. Dazu gehört Chris Haupt aus Bietigheim bei Rastatt. Der amtierende Tetris-Vize-Weltmeister auf dem Gameboy war bei der Vernissage zu Besuch und hat Kostproben seines Könnens gegeben. Er ist genauso alt wie Tetris, bekam als Sechsjähriger einen Gameboy geschenkt und bemerkte schon als Kind, dass er Tetris besser und schneller kann als alle anderen. Nach der Kindheit lag der Gameboy eine Ewigkeit unbeachtet auf dem Dachboden, bis Haupt ihn in der Corona-Zeit rauskramte. Aus Jux meldete er sich bei Online-Wettbewerben an und nahm bei dem von Nintendo ausgerichteten Classic Tetris World Cup teil. Hier wurde er zweiter. Haupt ist gelernter Maurer, tritt im Netz als „eurochriska“ auf.
Die Ausstellung
„40 Jahre Tetris – Das Spiel, das aus der Kälte kam“ im Karlsruher Museum RetroGames, Schauenburgstraße 5; geöffnet samstags 15 bis 22 Uhr.