Fußball
Wie ein früherer FCK-Star jetzt als Feuerlöscher fungiert
Sogar in der Sportschau der ARD und im Aktuellen Sportstudio des ZDF war der SV Südwest Ludwigshafen zu sehen. Als der Traditionsverein am 2. Dezember 1978 den haushohen Favoriten 1. FC Kaiserslautern in der dritten Runde des DFB-Pokals mit 2:1 besiegte, flatterten anschließend die Einladungen für die Sportsendungen herein. Es war wohl der Höhepunkt in der Geschichte des bekanntesten Vereins aus der größten pfälzischen Stadt.
44 Jahre später schlittert der SV Südwest Ludwigshafen dem Tiefpunkt in der Klubhistorie schier unaufhaltsam entgegen. Es droht der Absturz in die A-Klasse. Nach 19 Spieltagen dümpelt der Klub mit nur acht Pünktchen abgeschlagen am Tabellenende der Fußball-Bezirksliga Vorderpfalz. 15 Punkte beträgt der Abstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz.
„Wenn es nicht so läuft, komme ich ins Spiel“
Der Verein ist Krisen mittlerweile gewohnt, doch so dramatisch war es noch nie. Damit der komplette Niedergang in die A-Klasse gestoppt wird, strukturiert der Klub sich um. Klaus Hafner, einst im Vorstand des damaligen Fußball-Regionalligisten SV Waldhof Mannheim, ist seit Mitte Dezember Südwest-Vorsitzender. Er will den Verein, für den er als Jugendlicher spielte, zu neuem Glanz verhelfen. Deshalb hat Hafner in Demir Hotic einen neuen Trainer und in Guiseppe Marino einen neuen Sportlichen Leiter verpflichtet. Das Duo soll das sportlich unmöglich Erscheinende möglich machen. „Wenn es nicht so läuft, dann komme ich ins Spiel“, betont Hotic. Beim SV Südwest läuft es überhaupt nicht. Seit Hafner, Hotic und Marino da sind, hat sich zumindest im Kader sehr viel verändert. Knapp 25 Spieler umfasst das Team von Südwest derzeit. 16 neue Akteure lotsten Marino und Hotic zum SV Südwest. „Nur drei Spieler von der alten Truppe sind geblieben. Viele gingen, ohne sich zu verabschieden. Sie lassen den Klub im Strich“, kritisiert Hotic den Stil der Abtrünnigen.
Hotic verspürt einen Reiz
Für Demir Hotic, Vater zweier Töchter und nun auch Großvater, sind solche Himmelfahrtskommandos nicht neu. Wormatia Worms, den VfL Neustadt, Eintracht Bad Kreuznach und Borussia Neunkirchen übernahm der heute 60 Jahre alte Bosnier in schwieriger Situation und führte einige von ihnen wieder in ruhigere Gewässer. „Mich reizt es, solche Traditionsvereine mit so einer Ausstrahlung wieder aufzubauen. Vor allem dann, wenn sonst keiner hinwill“, sagt Hotic. Den Reiz verspürte er nun auch beim SV Südwest. „Wenn keiner etwas macht, mache ich es eben“, sagt Hotic.
Von 1989 bis 1993 spielte der offensive Mittelfeldspieler für den FCK. Er wurde 1990 Pokalsieger und 1991 deutscher Meister mit den Roten Teufeln. Hotic war für seine Schlitzohrigkeit bekannt. In der Schweiz beendete er 1994 bei Yverdon Sport seine Karriere. 1997 stieg der Bosnier ins Trainergeschäft ein. Wormatia Worms war die erste Station. Es folgten weitere, unter anderem bei bosnischen Erstligisten. Den größten Erfolg feierte Hotic mit Turu Düsseldorf. Den Klub führte er von der Landes- bis in die Regionalliga. Sein bislang letztes Trainerengagement gab es 2014 beim Verbandsligisten VfL Neustadt. Der Klub stieg jedoch als Vorletzter ab. Lange Zeit war es danach ruhig um Hotic.
Neun Jahre arbeitete er nicht als Trainer. Er war für den bosnischen Fußballverband immer mal wieder aktiv. In Kaiserslautern, dort auf dem Bännjerrück, wohnt Hotic beinahe unerkannt seit vielen Jahren. Es ist still um ihn geworden. Doch in Hotic ist das Feuer nicht erloschen. Der Feuerwehrmann soll nun den Brand beim SV Südwest löschen, der eigentlich schon ein Großbrand ist.