Handball
Warum die Löwen den Sieg in Coburg nicht feiern können
Manchmal genügt ein Blick auf das Spielfeld in der Halbzeitpause, um viel über eine Partie zu erfahren. Gestern vergnügten sich in der schicken Arena in Coburg Andy Schmid und Jannik Kohlbacher, während die meisten Kollegen in der Kabine waren, um gemeinsam mit Trainer Martin Schwalb einen Plan für die zweiten 30 Minuten zu entwerfen. Der Spielmacher und der beste Kreisläufer der Badener waren nicht mit dabei, weil die Ersatzspieler in der Regel nicht in die Katakomben verschwinden. Zwei Tage vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der European League beim russischen Meister Medwedi Tschechow machte Schwalb, was er angesichts des Zustands seiner Topspieler tun muss – er schonte sie.
Appelgren schleppt Wasserkisten
Die vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen und dafür gesorgt, dass die Profis der Löwen körperlich am Ende sind. Die einzige Chance, Verletzungen zu verhindern, besteht darin, die Belastung so gut es geht, herunterzufahren. Das geht nur in Teilbereichen, denn mit Mikael Appelgren – der gestern in der Halbzeitpause die Wasserkiste für die Mannschaft schleppte –, Ilija Abutovic und Uwe Gensheimer fehlen drei Leistungsträger verletzt.
„Man merkt den Jungs an, dass sie viele Spiele in den Beinen haben“, sagte Appelgren. Der Schwede würde zu gerne einen Teil der Belastung tragen, aber nach einer Schulter- und einer Meniskus-OP kann der Keeper im besten Fall im Juni noch ein paar Spiele absolvieren. Bis dahin füllt er den Job des „Wasserträgers“ aus. „Wenn ich den Jungs auf diese Weise helfen kann, mache ich das gerne“, erklärte Appelgren.
Nielsen und Lagarde angeschlagen
Auf dem Feld waren in der zweiten Halbzeit Schmid und Kohlbacher gefragt, was viel über die ersten 30 Minuten verriet. „Kohli wollte ich eigentlich gar nicht bringen, Andy auch nicht unbedingt“, sagte Schwalb später. Kohlbacher musste aber trotz Rückenproblemen ran, Schmid seinen Wadenproblemen trotzen. Dafür gab es zwei Gründe: Die Badener lagen zur Pause nur 14:13 vorne und mit Jesper Nielsen (Oberschenkel) und Romain Lagarde (Hüfte) verletzten sich zwei Löwen und konnten keinen Dienst mehr tun. „Mal abwarten, ob beide auch für Dienstag ausfallen“, sagte Schwalb und fügte mit Galgenhumor an: „Bei uns spielt ab jetzt jeder, der laufen kann.“
Zwischenspurt reicht für zwei Punkte
In Coburg reichte es trotz der personellen Sorgen für zwei Punkte, weil sich die Löwen in der entscheidenden Phase steigerten. Nicht Kohlbacher und Schmid alleine sicherten den Sieg, sondern eine Kraftanstrengung aller sorgte dafür, dass die Badener sieben Minuten vor dem Ende 29:23 vorne lagen. Die Partie war zu diesem Zeitpunkt entschieden und die Schlussphase offenbarte, wie zermürbt die Löwen-Cracks mittlerweile sind. Im Gefühl des Erfolgs ließ die Konzentration sofort nach und der HSC kam mit vier Toren hintereinander auf 27:29 heran. „Das ist ganz normal, die Jungs sind müde“, sagte Appelgren.
So spielten sie
HSC Coburg: Kulhanek, Dreyer - Zetterman (3), Schröder (3), Varvne (6) - Billek (1), Grozdanic (6/2) - Zeman (3) - Norouzinezhad (3), Sproß, Nenadic, Mustafic, Knauer (3), Schikora, Kurch, Neuhold
Rhein-Neckar Löwen: Palicka, Katsigiannis, Späth - Lagergren (2), Lagarde, Nilsson (6) - Groetzki (5), Tollbring (8) - Gislason - Schmid (1), Veigel, Kirkelökke (3), Patrail (1), Nielsen, Ahouansou, Kohlbacher (5)
Spielfilm: 5:5 (10.), 8:12 (21.), 13:14 (Hz.), 17:16 (36.), 18:21 (42.), 23:29 (53.), 28:31(Ende) - Strafzeiten: 3/4 - Siebenmeter: 2/2 - 1/0 - Beste Spieler: Varvne, Schröder - Nilsson, Tollbring - Schiedsrichter: Fedtke/Wienrich (Berlin).