Wochenend-Kolumne
Von starken Frauen und Friedhelm Funkels Menschenkenntnis
… dass FCK-Trainer Friedhelm Funkel recht hat
Friedhelm Funkel und Thomas Hengen verstehen sich gut. Es ist nicht bekannt, dass der Trainer des 1. FC Kaiserslautern und der FCK-Geschäftsführer sich mit Zwistigkeiten aufhalten und belasten. Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn dem so wäre. Denn Hengen begründete Anfang Dezember die Entlassung von Dirk Schuster unter anderem damit, dass die Mannschaft zu wenig laufe und zu wenig intensive Läufe in der Statistik stehen. Funkel widersprach seinem Vorgesetzten danach immer wieder mal energisch. Er hält nämlich nichts von solchen Werten. Was sagen uns diese Zahlen? Wenn ein Mittelfeldspieler 15 Kilometer pro Spiel läuft und sein Gegenspieler auch, sieht das auf den ersten Blick schick aus. Aber diese Marke verschleiert, dass der Spieler dem anderen oder seinen Fehlpässen nur hinterherlief. Oder nehmen wir die intensiven Läufe. Was bringt es, wenn ein Spieler 30 Mal die Linie rauf und runter sprintet, aber kaum eine oder keine Flanke ankommt? Ein anderer Akteur flitzt zweimal an der Linie entlang und schlägt zwei Flanken in den Strafraum, die zu Toren führen. Effektivität trägt eben Zinsen. Oder erinnern Sie sich noch an Packing? Ist schon lange her. Bei der Fußball-EM 2016 wurde diese Methode als das Wundermittel gepriesen. Ein Hype entstand. Heute spricht kaum noch jemand darüber – zumindest öffentlich. Am Ende ist das Ergebnis entscheidend. Und der gesunde Menschenverstand. Darauf verlässt sich Friedhelm Funkel. Er weiß, dass nur eine intakte Mannschaft, in der ALLE an den Ligaverbleib glauben, und mit Leidenschaft und Überzeugung dafür arbeiten, den drohenden Abstieg verhindern kann. Spieler, die sich jetzt schon mehr Gedanken machen, wo sie kommende Saison spielen, sind da fehl am Platz. Aber sie gibt es – leider.
… dass Danielle Collins eine starke Frau ist
Ruhm und Reichtum sind relativ. Im Tennis gibt es wenige Spieler, die noch Jahrzehnte danach im Bewusstsein sind. Außerdem gibt es auch Tennisstars, die ihr Vermögen verprasst haben. Was aber keineswegs relativ ist, ist die Gesundheit. Sie ist das höchste Gut, das ein Mensch hat. Danielle Collins ist eine US-amerikanische Tennisspielerin. Sie hatte vor wenigen Wochen zwei Turniere auf der Profi-Tour hintereinander gewonnen. Bislang stehen vier WTA-Turniersiege im Lebenslauf der 30-Jährigen. Collins erlebt gerade ein Hoch in ihrer Profikarriere. Sie schlug jüngst Stars wie Ons Jabeur oder Jelena Rybakina. Über acht Millionen US-Dollar Preisgeld hat die Nummer 15 der Weltrangliste bisher eingespielt. Aber Collins hört zum Jahresende auf. Sie muss vielmehr. Gesundheitliche Probleme zwingen sie dazu. Zwei Diagnosen erschütterten ihr Leben. 2018 wurde bei Collins zunächst rheumatoide Arthritis festgestellt, eine entzündliche Autoimmunerkrankung. Bei dieser Erkrankung sind in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft entzündet. Mit einer Diät und unterschiedlichen Medikamenten versuchte sie, die Qualen zu kontrollieren. Ein Jahr später folgte die nächste niederschmetternde Diagnose: Als Collins vor Schmerzen auf dem Tennisplatz zusammenbrach, stellten die Mediziner eine Endometriose bei ihr fest. Die betroffenen Frauen haben überdurchschnittlich intensive und lange Schmerzen während der Monatsblutung. Statistisch betrachtet ist jede zehnte Frau davon betroffen. Im Profisport werden solche Themen fast immer tabuisiert. Collins ging 2021 mit ihrer Leidensgeschichte an die Öffentlichkeit. Eine Gebärmutterzyste, so groß wie ein Tennisball, wurde entfernt. Danach konnte sie wieder dauerhaft trainieren. Collins aber will den Preis für ihre Privilegien als Tennisprofi nicht mehr bezahlen. Sie will eine Familie gründen. Das aber wird aufgrund ihrer Erkrankungen schwierig, sagen Mediziner. „Ich hatte eine ziemlich gute Karriere. Aber jetzt möchte ich mich auf andere Lebensziele konzentrieren“, sagt Collins. Es ist ihr zu wünschen, dass ihr Lebenswunsch in Erfüllung geht. Gesundheit ist das höchste Gut. Ohne Wenn und Aber.
