Handball
Niederlage der Rhein-Neckar trotz des famosen David Späth
Und noch eine Kostprobe, eine allerletzte. Das Spiel war im Grunde schon zu Ende, da trat der Kieler Niclas Ekberg zu einem Siebenmeter an. Und ein letztes Mal zeigte der junge Torhüter David Späth sein Können, parierte auch diesen Wurf von der Siebenmeterlinie. Am Ende zeigte er 19 Paraden, er hatte eine Quote von über 38 Prozent gehaltener Bälle.
Aber es nützte ja nichts. „Ich bin enttäuscht. Wir hatten gute Phasen, ohne das Spiel drehen zu können. Ich habe daran geglaubt, jeder hat daran geglaubt. Am Ende müssen wir schauen, was wir besser machen können“, kommentierte der 21-Jährige am Sonntag die erste Heimniederlage der Saison.
Im Angriff zu viele Fehler
Sie kam zustande, weil die Löwen im Angriff eine ganz schwache Leistung zeigten. Mitte der zweiten Halbzeit waren sie noch einmal dran, lagen nur zwei Tore zurück. Dann leisteten sich die Gastgeber wieder Fehler, und die Kieler konnten mit einem 4:0-Lauf die Partie endgültig in ihre Richtung drehen. Aus einem 17:19 wurde ein 17:23, danach gingen bei den Löwen die Köpfe ein wenig nach unten. Das war die Vorentscheidung.
25 Tore verdeutlichen, wo es am Sonntag hakte. Die Löwen produzierten 17 technische Fehler. Das ist natürlich viel zu viel. Und sie ließen etliche Chancen aus. Juri Knorr, am vergangenen Donnerstag in Gala-Form beim Sieg gegen den SC DHfK Leipzig, wirkte ein bisschen müde, er wirkte überspielte und war erst wieder richtig im Spiel, als das Match bereits entschieden war. Sieben Tore standen für ihn zu Buche. Kapitän Patrick Groetzki war wegen einer Fußsohlenentzündung nicht dabei. Jon Lindenchrone probierte, ihn zu ersetzen.
Moré unglücklich
Wie schon bei der Niederlage im Supercup gegen den THW Kiel Ende August scheiterte Linksaußen David Moré mehrmals am Kieler Keeper Tomas Mvrka. Trainer Sebastian Hinze nahm ihn vom Feld, brachte Lion Zacharias, der es wesentlich besser machte und bei sechs Würfen fünf Treffer markierte. Kreisläufer Jannik Kohlbacher legte einen großartigen Auftritt vor der Pause hin, traf fünf Mal. Im zweiten Abschnitt hatte ihn die THW-Abwehr im Griff.
War der maue Auftritt womöglich der Nervosität vor der großen Kulisse geschuldet? „Nein“, erwiderte Halil Jaganjac, „wir sind Profis, spielen jeden zweiten Tag. Gegen Kiel, gegen andere. Egal.“
17 Fehler, das war auch Sebastian Hinze zu viel. „Wir haben jeden Fehler gemacht, den man im Handball machen kann. Abwehr, Rückzugsverhalten, Mentalität, da waren wir bei 100 Prozent, auch wenn es bitteres Ergebnis ist“, resümierte er. Er bedauerte, dass sein Team aus der famosen Leistung David Späths am Anfang nicht mehr Kapital erwirtschaftete.
Ausgangslage schien günstig
Dabei schien die Ausgangslage so günstig wie lange nicht mehr. Der THW Kiel hatte vor der Partie schon zehn Verlustpunkte, reiste mit einer Niederlage bei der TSV Hannover-Burgdorf an. „Hat Spaß gemacht heute“, sagte der Halbrechte Harald Reinkind schmunzelnd. Nach der Niederlage am Donnerstag hatte es erneut eine Aussprache in der Mannschaft gegeben. „Wenn wir in jedem Spiel auf so ein Level kommen, sieht es wieder besser aus“, bilanzierte Kreisläufer Hendrik Pekeler. „Das ist jetzt ein Prozess. Durch Siege bekommt man Selbstvertrauen. Wir haben Spiele verloren, die wir im letzten Jahr noch gewonnen haben.“ Ist der THW wieder da? „Das weiß ich nicht. Wir haben lange miteinander gesprochen. Das tut gut. Man kann seine Gedanken loswerden. Die Abwehr hat uns Sicherheit gegeben“, sagte der starke Rückraumspieler Nikola Bilyk.
Sein Trainer Filip Jicha war fast ein bisschen sprachlos. „Ich bin sehr überrascht von meiner Mannschaft. Für uns ist das ein Wechselbad der Gefühle. Wir sind stolz, bei den Rhein-Neckar Löwen so eine Leistung zeigen zu dürfen“, sagte er.
Weiter in Lissabon
Die Löwen können nicht allzu lange hadern. Bereits am Dienstag spielen sie in der European League bei Benfica Lissabon. Patrick Groetzki ist dann noch kein Thema. Vielleicht erhält Arnor Oskarsson eine Chance.