Eiskunstlauf
Nathalie Weinzierl trotzt den Hindernissen
Vor der Kür nur der neunte Platz, das ärgert die Studentin allerdings: „Ich war wohl doch nervöser, als ich wahrhaben wollte.“ Ein Gefühl, das Weinzierl offenbar mit vielen Läuferinnen teilt: Fast alle 22 Starterinnen sind schlechter als sonst gelaufen: Schließlich ist dieser Wettkampf in Corona-Zeiten vor leeren Rängen und nach langer Zitterpartie, ob er überhaupt stattfinden kann, ein ganz besonderer. „Wir sind alle ziemlich froh, dass wir überhaupt einen Wettkampf bestreiten dürfen und nicht ins Leere trainieren“, merkt Nicole Schott an.
Die in Oberstdorf trainierende Essenerin ist vor der Kür fehlerfreie Zweite, was sie auf ihre innere Einstellung zurückführt. „Ich mach’ es nur noch aus Spaß, das ist alles Zugabe für mich“, sagt die 24-Jährige, nachdem sie ihre persönlichen Ziele erreicht hat, die Olympiateilnahme 2018, fünf deutsche Meistertitel, Top Ten bei den Europameisterschaften.
Frankenthalerin fiel gesamte Saison 2019 aus
Locker wollte auch Nathalie Weinzierl aufs Eis gehen. Schließlich lastet kein äußerer Druck auf ihr, nachdem sie eine ganze Saison ausgefallen war: Im August 2019 hatte sie sich an den Bändern im Fuß verletzt, war zwar im März wieder für Wettkämpfe bereit, doch dann kam Corona. Ihren Startplatz für die Nebelhorn-Trophy hat sie sich in einem internen Ausscheidungswettkampf vor zwei Wochen in Mannheim erkämpft, wo sie auch bei Anett Pötzsch trainiert.
Weinzierl wirkt äußerst fit, beim Einlaufen sitzt noch jeder Sprung. Doch in der Kurzkür zu „Lady Marmalade“ von Christina Aguilera springt sie den Axel nur einfach, den Ritterberger doppelt, nachdem der schwerere Dreifach-Lutz eingangs bestens geklappt hat. „Ich hatte versucht, von mir selbst nicht zu viel zu erwarten. Aber ich bin halt zu ehrgeizig und steh mir manchmal doch selbst im Weg“, meint Weinzierl selbstkritisch. Nachdem es in Mannheim beim Vorkampf gut lief, wollte sie es nun in Oberstdorf „noch besser machen“ – und zögerte im entscheidenden Moment. Da steckt die Erinnerung an die Fußverletzung noch im Kopf. „Ich hatte danach anfangs Angst vor dem Springen gehabt“, berichtet sie über den langen Weg zurück aufs Eis.
Wettkampfroutine aufbauen in Corona-Zeiten
Ans Aufhören aber habe sie nie gedacht, sagt die 26-Jährige, die ebenfalls schon eine Olympiateilnahme, zwei deutsche Meistertitel und drei EM-Platzierungen in den Top Ten erreicht hat. „Und die Sprünge werden auch immer besser, es geht voran“, ist sie motiviert und will nun wieder Wettkampfroutine aufbauen. Das bedeutet zunächst aber kleinere nationale Wettkämpfe in dieser Saison, von der niemand weiß, wie sie wohl verlaufen wird.
Etliche internationale Wettbewerbe wurden bereits abgesagt, und in Oberstdorf herrschen strenge Auflagen wie dauerhafte Maskenpflicht auf den Rängen, wo nur Teammitglieder und Presse zugelassen sind. Die Organisatoren sind äußerst vorsichtig, schließlich gilt der Wettbewerb als mögliche Blaupause für andere.