Fussball-EM RHEINPFALZ Plus Artikel Leon Goretzka ist bereit für die Startelf

Leon Goretzka verfolgt den Portugiesen Renato Sanches.
Leon Goretzka verfolgt den Portugiesen Renato Sanches.

Leon Goretzka meldete sich mit einem Kurzeinsatz beim 4:2 gegen Portugal zurück. Womöglich spielt er am Mittwoch (21 Uhr) im letzten Gruppenspiel gegen Ungarn von Beginn an, denn Thomas Müller ist verletzt. Es gibt etwas, das Goretzka besonders freut.

Leon Goretzka verletzte sich am 8. Mai in der zweiten Halbzeit im Bundesliga-Spiel des FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach. Die bittere Diagnose lautete gut vier Wochen vor der EM: Muskelfaserriss. Nach der MRT-Untersuchung schaute er dem Radiologen ins Gesicht. „Da wusste ich schon, dass es eng wird“, erzählte Goretzka am Montag in Herzogenaurach.

Es wurde eng, aber es reichte. Goretzka hat viel Arbeit, viel Zeit investiert. Auf das Auftaktspiel gegen Frankreich verzichtete Goretzka noch, um kein Risiko einzugehen, am Samstag beim fulminanten 4:2 gegen Portugal wurde er 17 Minuten vor Schluss eingewechselt und machte dann gleich wieder auf sich aufmerksam. In der 83. Minute touchierte sein Schuss nach einem Konter und in Überzahlsituation die Latte. „ Aber klar, hätte ich das Tor gerne gemacht. Ich muss das Ding einfach unten links reinschieben. Schade, dass das nicht geklappt hat“, meinte der 26-Jährige.

Müller verletzt

Leon Goretzka könnte für das Spiel gegen Ungarn von Beginn an eine Option sein, denn Thomas Müller hat sich am Samstag gegen Ende des Spiels eine Kapselverletzung im Knie zugezogen. DFB-Pressesprecher Jens Grittner wollte aber noch nicht bestätigen, dass der Routinier definitiv für die Partie gegen Ungarn ausfällt. „Ich fühle mich sehr gut. Ich bin bereit, voll anzugreifen. Für mich kann das Turnier jetzt richtig losgehen“, sagte Goretzka, der sich beim FC Bayern glänzend entwickelt hat, mit seiner zielstrebigen Art einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler in der Bundesliga ist. „Thomas' Position ähnelt meinem Spielstil, das habe ich auch in der Vergangenheit schon gespielt. Ich hoffe für uns alle aber, dass Thomas fit ist und spielen kann. Ich traue mir die Position aber durchaus zu.“

Wie wichtig der Auftritt gegen Portugal war, daran ließ Goretzka keinen Zweifel. „Der Sieg gegen Portugal war der erste Schritt in die richtige Richtung. Es war schön zu sehen, dass wir eine Euphorie entfacht haben. Aber wir wissen, in welcher Situation wir uns befinden“, erläuterte Goretzka.

Goretzka stolz über die neue Euphorie im Land

Also. Die Situation ist die: Die deutsche Mannschaft will nicht groß rechnen, sondern mit einem Sieg gegen Ungarn alles klar machen mit Blick auf das Achtelfinale. Ein Unentschieden würde für die Weiterreise in die Runde der letzten 16 Mannschaften bereits reichen. Die mittlerweile veränderte Stimmung im Land hat der Mittelfeld-Akteur registriert. „Gefühlt war die Arena in München ausverkauft. Die Stimmung war außergewöhnlich. Dass es eine neue Euphorie gibt, macht uns total stolz, das freut uns. Es ist schön, dass es nach schwierigen eineinhalb Jahren nun wieder 82 Millionen Bundestrainer gibt und nicht 82 Millionen Virologen“, sagte Goretzka.

Ein feiner Satz, der auf die sehr düsteren Monate durch die Corona-Pandemie anspielt.

Und nun Ungarn. Die Balance zwischen Offensive und Defensive war erneut ein Thema. „Wenn man mit einer Fünferkette spielt, müssen die Außenverteidiger auf der richtigen Höhe stehen, generell sollten wir aber eine gute Konterabsicherung haben. Das ist weniger eine Frage der taktischen Ausrichtung sondern eher der Mentalität“, unterstrich der Mittelfeldmann. „Wir haben mit Abstand die schwierigste Gruppe. Da zählt Ungarn natürlich auch dazu. Den Abwehrriegel muss man erstmal knacken. Wir sind hochmotiviert und werden Lösungen finden.“

Die Sache mit den politischen Äußerungen

Das Europameisterschaft als Bühne für politische Äußerungen, Leon Goretzka als heller Kopf wurde dazu am Montag auch befragt. Warum die deutsche Mannschaft nicht in die Knie ginge, um vor dem Anpfiff gegen Rassismus zu protestieren? „Ich glaube, insgesamt als Fußball-Welt kann man aktuell sehr gut erkennen, dass wir Rassismus und Homophobie mit Vielfalt entgegentreten wollen. Es ist ein schönes Zeichen, dass da mit vielfältigen Ideen aufmerksam gemacht wird“, sagte der Nationalspieler.

Für eine Bestrafung seines Kapitäns Manuel Neuer wegen der Regenbogen-Kapitänsbinde hätte Leon Goretzka kein Verständnis gehabt. „Es gibt ja diese Regeln der Verbände, dass Sport nicht für politische Zwecke instrumentalisiert wird. Das ist auch gut so. In diesem Fall wäre das aber völliger Schwachsinn, weil jeder weiß, worum es uns geht.“

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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