Handball
Interview: Ex-Bundestrainer Prokop denkt gerne an Heim-WM
Herr Prokop, keine kühne These: Ich glaube mal, dass ich mit einem sehr zufriedenen Trainer spreche. Richtig?
Der Start in die Saison ist uns tatsächlich gut gelungen. Bis auf die Niederlagen gegen die Top-Teams aus Kiel und Flensburg konnten wir eine 100-Prozent-Ausbeute verbuchen. Das ist für den Moment sicherlich sehr zufriedenstellend.
Diesen Auftakt konnte man so nicht unbedingt erwarten, oder?
Nein, in der Situation nicht. Wir hatten einen mittelgroßen Umbruch innerhalb des Teams. Es war nicht davon auszugehen, dass wir nach dem achten Spieltag relativ schadlos dastehen. Wir haben aber noch Aufgaben, vor allem sprachlicher Natur zu bewältigen, um wirklich ein blindes Verständnis in Stresssituationen zu bekommen.
Was sind die Erfolgsfaktoren, warum ist es bislang so gut gelaufen?
Wir bekamen durch die Neuverpflichtungen Qualität hinzu. Des Weiteren habe ich einen breiteren Kader zur Verfügung, sodass wir während der 60 Minuten Spielzeit keinen größeren Leistungsabfall haben. In den letzten Spielen hatten wir zudem viel Hilfe auf der Torhüterposition, Domenico Ebner ist gerade in guter Form.
Die Abgänge waren gravierend. Fabian Böhm, Ivan Martinovic, Johan Hansen verließen den Verein. Es war nicht selbstverständlich, dass sie so schnell und gut ersetzt werden, oder?
Das waren sehr gute und verdiente Spieler, die uns verlassen haben. Unsere rechte Seite mussten wir komplett neu aufstellen. Durch einen guten Teamspirit, Spieldisziplin und wachsendes Selbstvertrauen durch Erfolgserlebnisse ist es uns zügig gelungen, Spiele zu gewinnen. Zugleich wissen wir, dass wir noch nicht bei 100 Prozent sind. Wir wollen und müssen unser Potential maximal ausschöpfen.
Wie groß ist Ihr Anteil?
Das ist jetzt mein zweites Jahr in Hannover. Ich konnte mit Sven-Sören Christophersen meine Wunschmannschaft zusammenstellen. Das ist ein wichtiger Punkt für einen Trainer, um verbessert arbeiten zu können. Wir haben ein gutes Gesamtgefüge aus Hunger, Emotionen und Qualität, dazu einen Vereinsunterbau, der angreifen möchte. Wir stellen fünf Akteure aus der Recken-Nachwuchsabteilung. Das ist nicht Standard in der Liga.
Wo kann das hinführen?
Wir wollen ein kontinuierliches, vor allem aber stabiles Wachstum erreichen. Unser Ziel ist die obere Tabellenhälfte.
Wenn wir schon bei Überraschungsteam sind, da muss man auch die Rhein-Neckar Löwen erwähnen ...
Ich fand, dass bereits unter Ljubomir Vranjes schon sehr gut für die Zukunft gearbeitet wurde. Hier entstand ein gutes Fundament für Sebastian Hinze. Dazu haben die Rhein-Neckar Löwen es geschafft, eine ganz starke Transferpolitik für diese Spielzeit zu machen. Die Neuzugänge haben glänzend eingeschlagen, vor allem Olle Forsell Schefvert. Albin Lagergren hat wieder zu seiner richtigen Stärke gefunden.
Wenn wir noch einmal zurückblicken: Würden Sie sagen, die Vereinsarbeit liegt Ihnen mehr, ist mehr auf Sie zugeschnitten als die Tätigkeit als Bundestrainer?
Nein, das würde ich auf keinen Fall sagen. Beide Berufe machen und machten mir sehr viel Spaß. Ich war auch sehr gerne Bundestrainer und habe mich mit meiner Mannschaft und unserem Land voll identifiziert. Ich hatte Spaß mit den Jungs, und war der Meinung, dass unsere Leistungen und die damit verbundene Entwicklung in die richtige Richtung zeigten. Jetzt habe ich hier bei der TSV Hannover-Burgdorf eine Aufgabe, die im ersten Jahr sicherlich nicht vollends beglückend war, wir uns aber weiter und weiter verbessern werden.
Wie haben Sie die Bundestrainer-Zeit für sich abgehakt, in welcher Schublade steckt dieser Lebensabschnitt?
Eine Schublade, die jetzt sicherlich tiefer ist, die ich aber von der Erinnerung her jederzeit öffnen kann. Denn ich habe auch viele positive Erfahrungen mit der Nationalmannschaft sammeln dürfen. Natürlich war beispielsweise die emotionale Heim-WM von uns als Team und mit den Fans das, was in klarer und schöner Erinnerung bleibt. Ich freue mich am Sonntag auf das Wiedersehen mit Patrick Groetzki, Uwe Gensheimer und Jannik Kohlbacher.
Zur Sache
Am vergangenen Montag war die Stimmung im Training der Rhein-Neckar Löwen schlecht. Das berichtete Trainer Sebastian Hinze gestern. Die Spieler ärgerten sich noch über die verpasste Chance am Sonntag in Kiel, als die Rhein-Neckar Löwen nach einer starken Leistung 29:32 unterlagen. Der lange verletzte Lukas Nilsson ist diese Woche ins Training eingestiegen. Am Sonntag um 16.05 Uhr steht in der SAP-Arena das Spiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf an, für Studenten gibt es Tickets für fünf Euro. „Das Gesamtpaket auf die Platte bringen“, lautet die Losung von Hinze. öpf