Fussball Hoeneß beschimpft erneut Katar-Kritiker des FC Bayern

Teilte mal wieder aus: Bayern-Ehrenpräsident Uli Honeeß (links).
Teilte mal wieder aus: Bayern-Ehrenpräsident Uli Honeeß (links).

Das Thema Katar lässt Bayern München nicht los. Konkreten Fragen weichen die Verantwortlichen aus, Uli Hoeneß beschimpft einen der Kritiker.

Uli Hoeneß konnte sich auch diesmal nicht beherrschen. Erst vor zwei Wochen war der Ehrenpräsident des FC Bayern im Sport1-Doppelpass beim Thema Katar ausfällig geworden. Und dass er die anhaltende Kritik am Sponsor der Münchner nicht duldet, verdeutlichte er dann auch am Samstag beim „Parteitag“ im Audi Dome, der lange nach dem offiziellen Ende noch wegen einer vagen Bombendrohung geräumt werden musste.

Hoeneß maßregelt Katar-Kritiker harsch

Hoeneß, offenbar von den üblichen „Ullliii“-Huldigungen beflügelt, trat erneut auf wie ein Lobbyist von Katar. „Ihr Auftritt war peinlich! Das ist der Fußballklub Bayern München und nicht die Generalversammlung von Amnesty International!“, maßregelte er das Vereinsmitglied Michael Ott. Der junge Rechtsanwalt, prominentester Kritiker des umstrittenen Vertrags mit Qatar Airways, trug den Angriff mit Fassung: „So ist er halt, der Hoeneß.“

Mit seiner Kritik an der Verbindung zwischen dem FC Bayern und Katar hatte Ott bei der Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr Tumulte ausgelöst - die Bosse gaben dabei ein schlechtes Bild ab. Diesmal lief es weitgehend gesittet ab. Präsident Herbert Hainer erhielt dennoch einen Denkzettel. Bei 85 Enthaltungen stimmten lediglich1092 der 1395 berechtigten Mitglieder für eine zweite dreijährige Amtszeit - eine Zustimmung von 83 Prozent.

Hainer bleibt im Ungefähren

Zuvor und auch danach umschiffte vor allem Hainer das Thema Katar, indem er im Ungefähren blieb. Auch dann, als Ott fragte, warum sich die Bayern nicht gewehrt haben, als der katarische Botschafter in Deutschland mit der Zurückhaltung des Klubs quasi Werbung gemacht habe. „Unser Verein wird instrumentalisiert“, klagte Ott, „wir müssen damit leben, dass Katar mit dem unkritischen Verhalten des FC Bayern hausieren geht. Das ist inakzeptabel.“

Hainer verwies bei seiner Antwort auf die Aussage von Vorstandschef Oliver Kahn, der in seiner Rede versprochen hatte: „Wir werden das Thema nach der WM mit Qatar Airways weiter intensiv besprechen, wir werden alles abwägen, und dann werden wir für den FC Bayern eine Lösung finden.“ Konkreter wurde es nicht.

„Schon Kopfzerbrechen“

Der Vertrag mit dem Sponsor endet im kommenden Jahr. Hainer räumte immerhin ein, dass ihm das Thema „schon Kopfzerbrechen“ bereite. Die Bosse legten aber schon den Grundstein für eine Verlängerung der Zusammenarbeit. „Niemand hat gesagt, dass Katar ein Land sei, in dem alle europäischen Standards erfüllt werden“, sagte der Klubchef. Hainer erläuterte mehrfach, zunächst müsse die Frage gestellt werden, welche Projekte gemeinsam verwirklicht werden könnten. Und ob der FC Bayern „gesellschaftspolitisch dem Land helfen kann, sich weiterzuentwickeln“.

Auf jeden Fall will der Rekordmeister den Dialog mit seinen Anhängern fortsetzen. Hainer rang sich sogar die Aussage ab, er „denke schon“, dass der Verein beim Thema Katar die „Meinung der Mitglieder mit einbeziehen“ werde. Was das für den Sponsoring-Vertrag konkret bedeutet? „Ich weiß nicht, wie wichtig wir für die Katarer sind“, sagte Hainer, aber „Fakt ist, dass wir einen gewissen finanziellen Spielraum und Sponsoren brauchen.“

Diesen Spielraum hat der FC Bayern nach wie vor. Der scheidende Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen gab einen Gewinn von 12,7 Millionen Euro bekannt und prognostizierte für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als 770 Millionen - das wäre Rekord. Dreesen war der Star des Abends, er wurde zweimal mit Standing Ovations gefeiert. Und eine Bombe wurde nicht gefunden.

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