Radsport
Henric Hackmanns Karriere nimmt Fahrt auf
Henric Hackmann gab mit 10,6 Sekunden über 200 Meter, die als Qualifikation gefahren wurden, seine Visitenkarte ab, war damit der schnellste Sprinter im Turnier. Er schlug dann im Viertelfinale den Niederländer Loris Leneman und in zwei Halbfinalläufen den Australier Maxwell Liebeknecht. Die 250 Zuschauer, die trotz miesen Wetters gekommen waren, hatten urplötzlich ihren Publikumsliebling, klatschten sich an ihm warm, hätten gerne das Finale zwischen dem langaufgeschossenen Hackmann und dem kleinen Kraftpaket Inder Esow Esow gesehen. Der Regen aber ließ es nicht zu. Vielleicht kommt es ja am Pfingstmontag zum Abschluss der Bahnentournee in Dudenhofen zu diesem Duell.
Seine vier Auftritte am Mittwoch zeigten „Hacki“ aber erneut, dass er auf dem richtigen Weg in die Saison ist. „Der anstrengende Tag lief ziemlich gut. Ich merke, dass die Form kommt und dass ich Druck habe“, sagte der 21-Jährige. „Natürlich war das ein komischer Tag. Eine komische Vorbereitung, der Regen, das Warten. Ich bin jetzt echt müde“, sagte er um 22 Uhr. Schon um 6.15 Uhr hatte ihn und die Familie daheim in Kirchheim ein Beauftragter von der Nationalen Anti-Doping-Agentur aus dem Tiefschlaf geklingelt und bat ihn zur Urinprobe. Bereits zum zweiten Mal. Letztlich ist auch das ein gutes Zeichen für ihn, in seiner Karriere schon ziemlich weit oben angekommen zu sein.
Das Signal des Bundestrainers
Im April hatte Hackmann sein internationales Debüt in der Eliteklasse gefeiert – beim Nations Cup in Milton/Kanada. Nüchtern betrachtet, war er für einen nur 18 Sekunden dauernden Einsatz nach Toronto geflogen, denn die deutsche Mannschaft hatte als Neunte in der Qualifikation nur ein Rennen zu absolvieren. Aber für den Pfälzer lohnte sich der Trip immens. Er empfing das Signal vom Bundestrainer Jan van Eijden (Kaiserslautern) dazuzugehören. Diese Perspektive gibt dem Pfälzer, der in Kienbaum in der Ausbildung zum Bundespolizisten steht, mächtig Auftritt. „Mein ursprüngliches Ziel war tatsächlich die Olympia-Teilnahme in Paris. Klar, das war hochgesteckt, das weiß ich, aber mich hat das gepusht. Ich bin nicht traurig, dass es nicht klappt. Nun heißt das große Ziel Los Angeles 2028“, zeigt er seinen großen Ehrgeiz.
Aber zunächst geht Hackmanns Blick Richtung Cottbus. Bei der letzten internen Überprüfung stürzte er dort zwar, zog sich aber nichts zu außer Schürfwunden, in zwei Wochen wird der Grand Prix in Cottbus der letzte Nominierungswettkampf für die U23-Europameisterschaften im Juli auf der dortigen überdachten Radrennbahn sein. Im Teamsprint ist Hackmann gesetzt, er hofft auf einen Start über 1000 Meter. Vor einem Jahr brachte er die EM-Bronzemedaille aus Anadia mit nach Hause.
Nicht ganz so glücklich verließ seine Teamkollegin vom Bahnradteam Rheinland-Pfalz, Anne Slosharek, die Friesenheimer Piste. Die 19-jährige Lokalmatadorin, die sehr guten Karten besitzt, ebenfalls im Juli im Cottbus international zu starten, fuhr sich zweimal auf der Rolle warm, ihre Keirinläufe aber wurden nicht ausgetragen. Sie hatte 2023 EM-Silber im Teamsprint gewonnen.