Eishockey
Helene Fischer hin oder her: Adler Mannheim sind bereit für die Play-offs
Felix Brückmann umschifft die Frage ebenso geschickt, wie er mit seiner linken Fanghand ansonsten Pucks aus der Luft pflückt. Ob es denn mit nun 32 Jahren nicht mal an der Zeit für einen deutschen Meistertitel wäre? „Um diesen Moment“, sagt der Torwart der Adler Mannheim ohne zu zögern, „geht es seit meinem ersten Spiel der Deutschen Eishockey-Liga.“ Und dann fügt er noch hinzu: „Aber unter diesen Druck setze ich mich nicht, ich möchte ja noch so lange wie möglich im Tor stehen.“
Warum der Titel 2007 für Brückmann nicht zählt
Statistiken lügen nicht, sind aber auch mitunter mit Vorsicht zu genießen. Für die Adler-Meistersaison 2006/07 weist die internationale Datenbank drei Einsätze für den damals 17 Jahre jungen Brückmann aus. „Aber diese Meisterschaft hat mit mir nichts zu tun“, erklärt er sofort. Damals durfte ein junger Torwart als dritter Goalie, sozusagen für den Notfall, auf dem Spielbogen stehen. Weder war Brückmann damals in voller Montur, geschweige denn, dass er auf der Bank Platz nahm. „Ich war ja Jungadler, ich stand nicht im Kader“, stellt er klar. Also: Dieser Titelgewinn zählt nicht, Brückmann sehnt sich nach seiner ersten richtigen Meisterschaft.
Vor einem Jahr war auch für ihn im Halbfinale gegen den späteren Meister Eisbären Berlin Endstation. Auch, weil das entscheidende letzte Play-off-Spiel auswärts bestritten werden musste. So gesehen ist die Ausgangslage diesmal klar besser, als Hauptrundendritter hätten die am Dienstag (19.30 Uhr) zu Hause beginnenden Adler zumindest mal ein eventuelles siebtes Spiel in der Viertelfinalserie gegen die Kölner Haie in der SAP-Arena. Wobei Routinier David Wolf diese Überlegungen launig kommentiert – auch vor dem Hintergrund, dass ein sechstes Spiel am 23. März wegen eines Auftritts von Helene Fischer in der Kölner Arena im Ausweichquartier Krefeld stattfinden würde: „In den Play-offs kann ich auch die Inliner anziehen, und dann machen wir das Ding auf dem Parkplatz aus.“
Keine Vergangenheitsbewältigung
Personell entspannt sich die Lage bei den Adlern eher schleppend. Im Montagstraining fehlte Lean Bergmann, neben Markus Eisenschmid ein Gesicht des Umschwungs nach zuvor deprimierenden Wochen: Mit einem fulminanten 6:3 gegen Ingolstadt – beide trafen je dreimal – erklärten die Adler die Krise, stimmungs- und ergebnistechnisch, für beendet. „Schau nicht in den Rückspiel, sonst baust du einen Unfall“, macht Trainer Bill Stewart deutlich, dass es für ihn keine Vergangenheitsbewältigung mehr gibt, sondern nur noch Play-off-Zukunft. „Wir haben Sicherheit und Selbstvertrauen zurückgewonnen“, beteuert Arno Tiefensee, der junge Torwart, der den nun wieder fitten Brückmann sehr gut vertrat. Nationalverteidiger Korbinian Holzer trainierte am Montag noch mit aller Vorsicht, auch Jordan Szwarz und Nigel Dawes sind wohl fürs Auftaktspiel noch keine Option.
Stewarts letzte Play-offs?
Aber übers Personal deckt Bill Stewart ab jetzt eh den Mantel des Schweigens: Dem Gegner wird nichts verraten. Der 65-jährige Coach ist eben mit allen Wassern gewaschen, denn: „Die Play-offs sind mein Leben.“ Vielleicht sind es die letzten seiner Trainerkarriere, denn eigentlich befand er sich ja schon in der kanadischen Heimat im Ruhestand, als die Adler ihn vor über einem Jahr aus der Not heraus reaktivierten. Sicher ist: In der kommenden Saison wird ein neuer Trainer in Mannheim hinter der Bande stehen.
