Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Handball-EM: Weber weist deutschem Team den Weg

Hat aus seinen Fehlern gelernt: Philipp Weber.
Hat aus seinen Fehlern gelernt: Philipp Weber. Foto: dpa

Im zweiten Spiel der EM-Hauptrunde trifft Deutschland am Samstag um 20.30 Uhr in Wien auf Kroatien. Die Ausgangslage ist klar. Verlieren verboten.

Fabian Wiede. Martin Strobel. Steffen Weinhold. Tim Suton. Fabian Ernst. Niclas Pieczkowski. Alles potenzielle Mittelmänner für die deutsche Auswahl. Aber alle sind verletzt, nicht fit.

Paul Drux ist noch da, als Spielmacher. Und bis vor Kurzem war auch Marian Michalczik ein Kandidat, er musste vor dem Spiel gegen Weißrussland für Johannes Golla weichen. In den vergangenen Partien gab ein bisschen überraschend vor allem Philipp Weber den Takt vor. Der Leipziger galt vor der EM als Wackelkandidat, durfte jedoch mitfahren, weil sich Bundestrainer Christian Prokop für „mehr Variabilität im Rückraum“ entschied. „Ich denke, es hat mir sicherlich in die Karten gespielt, zum Leidwesen von anderen, dass sich einige Spieler verletzt haben und ich im Endeffekt auf den Zug zur EM aufgesprungen bin. Aber ich glaube auch, dass ich in der letzten Phase jetzt der Saison gut gespielt habe“, sagte Weber der RHEINPFALZ nach dem 31:23 gegen Weißrussland im ersten Spiel der Hauptrunde. Der 27-Jährige übernahm den Taktstock von Paul Drux, spielte bis auf eine kurze Phase durch.

Der andere Weber

Der Rückraumakteur hat einen Schritt gemacht. Weber stand noch vor zwei Jahren sinnbildlich für das Scheitern bei der trostlosen EM in Kroatien. Bei der WM in Deutschland und Dänemark fehlte er. Nach einer Auszeit damals in Kroatien hielt er sich nicht an den vorgegebenen Spielzug, leistete sich in der Partie gegen Mazedonien einen völlig verunglückten Pass auf Patrick Groetzki. Nun sagt er: „Es ist mein zweites Turnier, ich habe viel Erfahrung mitnehmen können. Ich habe meine Fehler aufgearbeitet und weiß, wie ich mit bestimmten Situationen besser umgehen muss. Ja, von daher sehen wir einen anderen Philipp Weber als vor zwei Jahren.“

Weber ist nicht der spektakuläre Regisseur, der die Kreisläufer mit verwegenen Anspielen einsetzt, aber bei dieser EM zeigte der Leipziger, dass er in der Lage ist, ein Spiel zu strukturieren, zu ordnen. Das Zusammenspiel mit Julius Kühn klappt. Dass Weber mutig auftritt, verdeutlicht eine Szene kurz vor Schluss, als er Tobias Reichmann mit einer tollen Vorlage einsetzte, via Kempa-Trick erzielte der Außen das 30:23. „Das war in einer Phase, in der vieles funktioniert hat. Von daher hatten wir Selbstvertrauen, das zu spielen. Und wenn Tobi erst einmal steigt, kommt kaum noch einer ran“, erklärte Wegweiser Weber. Und nun Kroatien heute, alles oder nichts. „Wir wollen den Kroaten einen geilen Fight liefern“, betonte er. Wegen der Niederlage gegen Spanien in Trondheim darf sich das Team keinen Ausrutscher mehr erlauben.

Leiden auf der Tribüne

Froh über die Steigerung war auch Quereinsteiger Johannes Golla, der Hendrik Pekeler im Innenblock entlastete. Die ersten Spiele auf der Tribüne waren nicht einfach für ihn. „Man leidet mit“, sagte er und meinte: „ich bin froh, dass es gleich so gut gelaufen ist. Gegen Kroatien müssen wir aber noch einen obendrauf setzen.“ Für den DHB-Vize Bob Hanning war wichtig, dass die Mannschaft begriffen hat, dass sie „mehr tun muss“. Bundestrainer Christian Prokop sprach am Freitag im Teamhotel der deutschen Mannschaft davon, dass das Spiel gegen Weißrussland das Spiel war, in dem das Team in allen Mannschaftsteilen überzeugt hat. Die letzten drei Vergleiche gegen Kroatien wurden allesamt gewonnen, darunter der so wichtige bei der WM in Köln. Dass alle Spiele lediglich mit einem Tor Unterschied ausgingen, belegt, wie eng die Partien waren.

Kroatien will genießen

Kroatiens Spielmacher Domagoj Duvnjak schob dem heutigen Kontrahenten die Favoritenrolle zu. „Deutschland hat eine Weltklassemannschaft. Wir haben eine junge Mannschaft, wir wollen es genießen“, betonte der Kieler. Bei Trainer Lino Cervar lautete die Einstimmung auf das Match so: „Deutschland hat eine Supermannschaft.“ Bei einem lockeren Interview wurde Philipp Weber gefragt: Einzelzimmer oder Doppelzimmer, kurze Hose oder lange Hose et cetera. Und er wurde gefragt: Halblinks oder Spielmacher? „Spielmacher“, erklärte er. Warum? „Weil man da mehr gestalten kann.“

Na dann mal los!

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