FCK
Erst effizient, danach souverän: Rote Teufel bezwingen Viktoria Köln
Es gibt diesen komischen Satz: „Fußball ist ein Ergebnissport.“ Er ist deshalb komisch, weil die Sportart beliebig ersetzbar ist, weil der Satz für den Sport universell Gültigkeit hat. Die 90 Minuten auf dem Betzenberg zeigten am Samstag, dass er selbstverständlich auch in der Dritten Liga Anwendung finden kann. Beide Mannschaften lieferten Anschauungsunterricht dafür, dass nicht Ballbesitz, Kabinettstückchen oder die Anzahl der Torabschlüsse entscheidend sind, sondern Effizienz bei der Torerzielung.
Als sich die Spieler des 1. FC Kaiserslautern um kurz vor 16 Uhr geschlossen in Richtung der eigenen Fankurve aufmachten, hatten sie im übertragenen Sinn einen 4:0 (2:0)-Erfolg gegen Viktoria Köln im Gepäck. Der war allerdings nicht einem rauschenden Fest entsprungen, sondern einer gnadenlosen Effektivität der Lauterer. In der ersten Halbzeit gab es lediglich zwei gefährliche Szenen im Strafraum der Kölner, die beide mit einem lauten Jubelschrei aus der Mehrheit der 10.000 Zuschauer-Kehlen endete. Szene eins: Nach einem zunächst abgewehrten Eckball landete ein abgefälschter Schussversuch von Marlon Ritter vor den Füßen von Daniel Hanslik – 1:0 (5.). Szene zwei: Nach einer Ecke und Kopfballverlängerung von Kevin Kraus schoss Philipp Hercher unbedrängt aus kurzer Distanz ein – 2:0 (20.).
Viererkette statt Dreierreihe
Nach 45 Minuten führten die Roten Teufel 2:0, hatten dabei aber keineswegs überzeugend gespielt. Trainer Marco Antwerpen hatte seine Startformation nicht nur gezwungenermaßen auf vier Positionen umgebaut, sondern zudem auch die taktische Grundausrichtung geändert. Die zuletzt sattelfeste Dreier-Abwehrkette wurde durch eine Viererreihe ersetzt, vor der eine Mittelfeld-Raute sowie zwei Spitzen zum Einsatz kamen. Stabilität brachte die Umformierung nicht. Im Gegenteil: In einigen Momenten wirkte die FCK-Abwehr – statistisch deutlich die beste der gesamten Liga – wenig souverän. „Wir hatten den Gegner analysiert, das machen wir meistens“, begründete Antwerpen die Umstellung. Hercher sagte: „Wir wussten, Viktoria Köln will offensiv pressen mit drei Spielern vorne. Da wollten wir dann eine flache Vier spielen.“ Nach dem 2:0 war das Viererketten-Experiment schnell vorbei, Hikmet Ciftci rutschte fortan weiter nach hinten und bildete mit Kraus und Maximilian Hippe eine Dreierreihe.
Zimmers emotionaler Moment
Den Sieg verdienten sich die Lauterer nach dem Seitenwechsel, ohne plötzlich auf einen Hurra-Stil umzusteigen. Nach dem schnellen dritten Tor durch Hanslik (48.) stand der FCK defensiv deutlich besser und hatte im Gegensatz zur ersten Hälfte immer wieder gute Kontergelegenheiten. Jetzt wirkte der Auftritt der Roten Teufel souverän, weil es den Kölnern trotz optischer Gelegenheit kaum gelang, im Strafraum des FCK gefährlich zu werden.
Kurz vor dem Ende gab es im letzten Heimspiel des Jahres 2021 noch einen emotionalen Moment. Wenige Minuten nach seiner Einwechslung schoss Jean Zimmer nach einem feinen Pass von Kenny Redondo das 4:0. Für den Kapitän war es der erste Treffer seit seiner Rückkehr zum FCK im Januar dieses Jahres. Drei Minuten vor dem Ende der Partie jubelte Zimmer mit ausgebreiteten Armen vor der Fankurve „seines“ Klubs – ein schönes Bild. Womöglich dachte er in diesem Augenblick auch an den am Freitag verstorbenen Horst Eckel, zu dessen Andenken der FCK ganz in Schwarz spielte.
