Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Die Adler haben ihr Finale vorm Finale

Das Rekord-Tor: Matthias Plachta bejubelt sein 1:0.
Das Rekord-Tor: Matthias Plachta bejubelt sein 1:0.

Mit einem 4:3 über die Eisbären Berlin erzwangen die Adler Mannheim die entscheidende fünfte Partie im Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. Zwei Spieler erlebten besondere Momente.

Glaubt man Trainer Bill Stewart, der am Donnerstag seit genau 51 Tagen bei den Adlern Mannheim im Amt ist, dann steht der Sieger von Spiel fünf bereits fest: Es sind alle Eishockey-Fans in Deutschland. „Zwei so gute Mannschaften sind auch gut für die Liga“, bilanzierte er nach dem vierten Spiel der völlig ausgeglichenen Halbfinalserie: „Beide Mannschaften haben die nötigen Fähigkeiten aber auch den unbedingten Siegeswillen.“ Er selbst freut sich das ultimative letzte Duell – am Donnerstag, 19.30 Uhr, in Berlin. Wer gewinnt, fliegt in die Endspielserie gegen München. Wer verliert, kann sein Eis abtauen. Siegen die Adler, spielen sie am Samstag (16.30 Uhr) zuerst in München und am Sonntag (17 Uhr) in Mannheim.

Rekordmann Plachta

Adler-Stürmer Matthias Plachta konnte sich ein Grinsen nach dem Schlusspfiff nicht verkneifen. „Genau solche Spiele machen Spaß“, sagte der 31-Jährige, der seit Dienstag alleiniger ewiger Topscorer der Mannheimer ist. Sein Treffer zum 1:0 (6.) war der 336. Punkt (Tore und Vorlagen), den er seit seiner Premiere im Jahr 2010 im Trikot der Blau-Weiß-Roten gesammelt hat – einer mehr, als der bisherige Rekordmann Christoph Ullmann geschafft hat. Doch nicht deshalb fiel der Torjubel ein wenig exzessiver aus als sonst. „Das war eine Mischung aus Freude, weil es der Führungstreffer in einem wichtigen Spiel war, und Erleichterung, weil es bei mir bislang in den Play-offs noch nicht so gut gelaufen ist“, erklärte Plachta den Jubelausbruch. Der Rekord beschäftigte ihn hingegen nicht. Wichtig sei nur das entscheidende Spiel am Donnerstag.

Eisenschmids besonderer Dank

Darauf freut sich auch Markus Eisenschmid ganz besonders. Der Stürmer hatte zuletzt bei Spiel drei in Berlin zuschauen müssen, war vor eigenem Publikum zurückgekehrt und bedankte sich für dieses Vertrauen sieben Minuten vor dem Ende mit dem entscheidenden Treffer zum 4:3. „Das war eine Mischung aus Instinkt und Hand-Augen-Koordination“, beschrieb er den Weg zum Tor. Der Instinkt habe ihn in die richtige Position gebracht als er sah, dass an der blauen Linie Verteidiger Mark Katic an der Scheibe war und Maß nahm. Und mit der Koordination gab Eisenschmid dem Puck die entscheidende Richtungsänderung mit auf den Weg. „Aber insgesamt hatten wir heute einfach den größeren Willen“, machte er den wichtigsten Faktor im Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften aus.

Die Kleinigkeiten entscheiden

„In einem so engen Spiel entscheiden Kleinigkeiten“, hatte Eisbären-Trainer Serge Aubin zuvor erklärt. Kleinigkeiten, die zunächst für seine Mannschaft sprachen. So machten Zack Boychuk (19.) und Kevin Clarke (35.) aus dem 0:1-Rückstand eine Führung, nutzten dabei zunächst eine Unachtsamkeit in der Deckung und für Treffer zwei eine Überzahlsituation. Doch Mannheim schlug im Stil eines Champions zurück. Zunächst verwertete Borna Rendulic einen an Tim Wohlgemuth verursachten Penalty mit all der Ruhe und Abgezocktheit, die den Torjäger auszeichnet (37.). Und weitere zwei Minuten später schlugen die Adler in Person von Nigel Dawes aus spitzem Winkel erneut zu. Da war eine Strafzeit der Gäste gerade abgelaufen, und Dawes spielte über Bande – der Puck sprang von Verteidiger Kai Wissmann ins Netz (39.). Genau 56 Sekunden später traf Wissmann ins richtige Netz, von Wohlgemuth nicht entscheidend gestört. Ein Wechselbad der Gefühle für alle Zuschauer – und Wegbereiter für das packende Schlussdrittel.

Hier blieb es zwar intensiv, aber beiden war auch die Sorge vor dem vielleicht entscheidenden Fehler anzumerken. Und so war es auch keine eigentliche Torchance, aus der der entscheidende Treffer entsprang. Es war halt eine Kleinigkeit.

Klasse Kulisse, klasse Atmosphäre in der SAP-Arena.
Klasse Kulisse, klasse Atmosphäre in der SAP-Arena.
Emotional: Borna Rendulic nach seinem Penalty-Treffer.
Emotional: Borna Rendulic nach seinem Penalty-Treffer.
x