Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Der FC Bayern ist nach der Niederlage gegen Leipzig im Hintertreffen

Ernüchtert: die Bosse Hasan Salihamidzic (links) und Oliver Kahn, vorne Herbert Hainer, hinten Ehrengast Arjen Robben.
Ernüchtert: die Bosse Hasan Salihamidzic (links) und Oliver Kahn, vorne Herbert Hainer, hinten Ehrengast Arjen Robben.

Der FC Bayern hat es nach der 1:3-Niederlage gegen RB Leipzig nicht mehr in der eigenen Hand, erneut deutscher Meister zu werden. Es gibt ein wenig Zweckoptimismus. Trainer Thomas Tuchel ist ratlos.

Am 17. Mai 2001 war Oliver Kahn außer Rand und Band. Er rannte ein paar Minuten vor 17.30 Uhr Richtung Eckfahne, riss die Fahne aus der Verankerung, warf sich auf den Boden und jubelte, jubelte, jubelte. Mit dem späten Tor von Patrik Andersson schaffte der FC Bayern noch das 1:1 beim Hamburger SV, die Münchner waren am Ziel, die Schalker nur Meister der Herzen.

Kahns Glaube

Vermutlich hat der frühere Torhüter und heutige Vorstandsvorsitzende am Samstagabend vor allem daran gedacht, als er meinte, es sei noch nicht vorbei nach der 1:3-Niederlage seiner Mannschaft gegen RB Leipzig. „Mein Glaube ist immer da. Ich werde den Teufel tun und hier irgendwas abschenken. Es ist vorbei, wenn der Schiedsrichter unser Spiel am kommenden Samstag in Köln abgepfiffen hat. Ich habe als Profi schon zu viele Meisterschaften erlebt, die wir am letzten Spieltag gewonnen haben“, sagte Kahn. Gleichwohl relativierte er: „Es ist bitter. Jetzt haben wir es nicht mehr in der eigenen Hand. Wir sind abhängig von Ergebnissen auf anderen Plätzen“, ahnte Kahn, den vor allem die Art und Weise, wie das Team nach der Pause auftrat, irritierte. „Es ist ja schon das eine oder andere Mal passiert in dieser Saison, wo man das Gefühl hat, alles bricht zusammen, wenn mal ein Gegentor fällt oder wenn die Situation mal schwierig wird, wenn Widerstand entsteht", monierte der Bayern-Boss.

Es fing gut an

Nach dem 1:0 durch Serge Gnabry kamen die Leipziger durch Konrad Laimer und die zwei Elfmetertore von Christopher Nkunku und Dominik Szoboszlai noch zu drei Treffern. Wieder einmal verloren die Bayern-Spieler die Kontrolle. Die von Thomas Müller angesprochene Stabilität nach den Siegen gegen Hertha BSC, Werder Bremen und Schalke 04 war urplötzlich weg. „Abgezockt sieht anders aus“, sagte Müller zum Konter vor dem 1:1 nach einem eigenen Eckball. „Wir haben RB mit eigenen Fehlern aufgebaut. Aber wir müssen jetzt den Nackenschlag wegstecken.“ RB! Mit dem Sieg löste Leipzig erneut das Ticket für die Champions League.

Joshua Kimmich sah ein „Spiegelbild unserer Saison“ und erklärte: „Das passiert uns viel zu oft in dieser Saison. Wir haben alles im Griff und brechen wieder mal weg. Wir stehen uns teilweise selbst im Weg. Wir machen viel zu viele Fehler.“ Auch Kimmich versuchte sich in Zweckoptimismus. „Wir gucken uns das an und werden unabhängig davon das letzte Spiel gewinnen“, sagte er.

Tuchel ratlos

Die Geschichte holte Trainer Thomas Tuchel ein. Er war ähnlich ratlos wie vor vier Wochen in Mainz nach der Niederlage bei den „Nullfünfern“. „Wenn du so weit unter deinem eigenen Level spielst und das Level konstant sinkt, dann ist es schwer, Spiele zu gewinnen. Dann reicht es nicht“, sagte er und er ärgert sich vor allem über den 1:1-Ausgleich und das zögerliche Verhalten seiner Schützlinge. „Du musst machen, was in der Situation nötig ist“, betonte er und stellte einen lustigen Vergleich an. Richtig reagieren, das war das Gebot der Stunde. „Wenn du in New York über die Straße gehst, gehst du anders über die Straße als hier in Bogenhausen. Wenn du ohne zu gucken gehst, wirst du überfahren. Es ist eine Anpassung an das, was nötig ist.“

Tuchel redete sich in Rage. „Dafür habe ich keine Erklärung, weil wir eigentlich aus einer guten Phase kommen. Ich sehe die Mannschaft trainieren, spüre die Energie und sehe den Spirit und ihre Qualitäten.“ Er verstand nicht, wie es nach vielen kleinen Schritten in die richtige Richtung nun mit Siebenmeilenstiefeln in die komplett andere Richtung ging.

Probleme sitzen tief

Ähnlich ratlos wie sein Trainer war Sportvorstand Hasan Salihamidzic. „Die Probleme sitzen tief, ich kann aber nicht sagen, was unsere Probleme sind. Wir haben Jungs, die viele Titel gewonnen und eine gute Mentalität haben“, meinte er.

Frust: Benjamin Pavard, Dayot Upamecan, Ryan Gravenberch, Yann Sommer und Matthijs de Ligt.
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