Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Amelie Berger: Comeback nach unglaublich aufreibender Zeit

Die aus Zweibrücken stammende Amelie Berger steht erstmals für ihren neuen Klub HSG Bensheim/Auerbach auf dem Parkett.
Die aus Zweibrücken stammende Amelie Berger steht erstmals für ihren neuen Klub HSG Bensheim/Auerbach auf dem Parkett.

Am Sonntag steht Amelie Berger erstmals für HSG Bensheim/Auerbach wieder in einem Bundesliga-Punktspiel auf dem Parkett – nach langer Verletzungspause und einer unschönen Trennung von Borussia Dortmund.

25 Minuten hatte Amelie Berger gegen Bundesligist HSG Bad Wildungen Vipers gespielt, in ihrem einzigen Test, bevor es jetzt wieder richtig losgeht. Am 11. Februar hatte sich die heute 23-Jährige im Borussia-Training das Kreuzband im linken Knie gerissen. „Ich habe mir versucht einzureden, dass es ein normales Testspiel ist, aber so einfach ist es nicht“, sagt die 45-malige Nationalspielerin, die ihre ersten Handballer-Schritte im westpfälzischen Zweibrücken gemacht hat.

Seit sechs Wochen ist sie in Bensheim an der Bergstraße wieder im Mannschaftstraining ihrer neuen Trainerin Heike Ahlgrimm. „Ich bin sehr fit, die Reha war sehr anstrengend“, sagt Berger. Bis die richtige Spielausdauer wieder da sei, dauere es aber sicher noch ein wenig. „Ich werde auch in den nächsten Monaten noch zwei-, dreimal pro Woche Reha machen, um mein Knie zu stabilisieren“, sagt sie.

Nur kurz an Krücken

Rehabilitationseinheiten hat sie in den letzten Monaten mehr hinter sich gebracht, als ihr lieb ist. Glück im Unglück: Ihre Verletzung heilte nach der Operation in Köln sehr gut. „Ich hab’ nur zwei Wochen Krücken gebraucht und konnte nach acht Wochen wieder mit ganz leichtem Laufen beginnen. Normalerweise dauert das zwölf Wochen, bei mir ging’s stetig bergauf“, erläutert Berger die erste Phase. Die meiste Reha-Zeit hat sie in der Pirmasenser Bodylounge-Physiotherapie von Christian Frank verbracht, einem früheren Handballer, der auch die Kicker des FK Pirmasens betreut.

Am Sonntag, nach dem Spiel (16 Uhr) ihrer HSG Bensheim/Auerbach gegen den viertplatzierten Buxtehuder SV, übernimmt sie noch ihre neue Wohnung in Bensheim, in die sie im Dezember mit ihrem Freund Luis Strohecker und Hund „Balu“, einem Australian Shepherd, endlich einziehen will. Bisher hatte sie bei einer Teamkollegin Unterschlupf gefunden. „Fußläufig zur Halle, schnell an Seen und an den Weinbergen“, sagt sie zufrieden. Und es sei näher an der alten Heimat Zweibrücken.

BvB-Skandal wird untersucht

Der Wechsel zum derzeitigen Bundesliga-Achten Bensheim/Auerbach (Vertrag bis Saisonende) hat ihr gut getan – nach der unglaublich großen medialen Aufregung ihrer Kündigung im September bei Borussia Dortmund. Berger hatte sich mit Teamkollegin Mia Zschocke an die Beratungsstelle Anlauf gegen Gewalt von „Athleten Deutschland“ gewandt und Fehlverhalten ihres BvB-Trainers André Fuhr angeprangert. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte das Thema des Coaches, der seine Spielerinnen jahrelang systematisch drangsaliert haben soll, im Oktober dann in einem großen Artikel aufgegriffen. Derzeit liegt das weitere Vorgehen laut Berger in den Händen der Missbrauchstelle, „ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich das in dieser Zeit nicht so gut durchgehalten“.

Gefreut hat sie sich, dass sich am Dienstag Bundestrainer Markus Gaugisch telefonisch nach ihrem Gesundheitszustand erkundigt und gefragt hat, wann sie wieder voll durchstarten kann. Das ist ihr Ziel, spätestens bei WM-Qualifikationsspielen im Februar möchte sie wieder fürs Nationalteam auflaufen und ihren bisher 87 Toren weitere hinzufügen. Jetzt brennt die Psychologie-Studentin im siebten Semester, die im Sommer ihre Bachelor-Arbeit schreiben will, aber erst mal für ihren ersten Einsatz im neuen Trikot. Das passt gut zu den „Flames“ der HSG. „Ich glaube, die Erleichterung wird groß sein, wenn das erste Tor mal gefallen ist“, wünscht sich Berger jetzt einfach Normalität.

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