Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Uli Hoeneß als Zeuge im Sommermärchen-Prozess: Was weiß er?

 „Aber sein Meisterstück hat er eigentlich gemacht, als er die WM zu uns nach Deutschland geholt hat. Er hat sich jahrelang den
»Aber sein Meisterstück hat er eigentlich gemacht, als er die WM zu uns nach Deutschland geholt hat. Er hat sich jahrelang den Hintern aufgerissen und ist in die hintersten Fleck der Welt gereist, um die Stimmen für ein Votum für Deutschland zu sammeln«, sagte Uli Hoeneß bei der Trauerfeier für Franz Beckenbauer. Was sagt der Ehrenpräsident des FC Bayern München nun vor Gericht?

Nun soll Uli Hoeneß das Geheimnis lüften, was sich hinter einer Millionenzahlung rund um die WM 2006 verbirgt. Der Sommermärchen-Prozess wird das, was er sein soll – und womit kaum zu rechnen war.

In aller Regel gilt: Wenn Uli Hoeneß etwas sagt, hat sein Wort Gewicht. Der Ehrenpräsident des FC Bayern München weiß zu polarisieren und gilt, ganz gleich seiner Vergangenheit, für manch einen als moralische Instanz in der Bundesrepublik. Wann immer der 72-Jährige sich äußert, ob zu politischen, gesellschaftlichen oder sportlichen Themen, wird darüber gesprochen. Doch vor dreieinhalb Jahren sagte Hoeneß etwas, das von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde.

Im September 2020 war er zu Gast in der TV-Sendung „Doppelpass“, einer Art Fußballstammtisch am Sonntagmorgen. Weil Franz Beckenbauer kurz zuvor seinen 75. Geburtstag feierte, ging es auch um die Fußball-WM 2006 in Deutschland – inklusive des Schattens, der sich durch eine dubiose und über viele Jahre nicht aufgeklärte Millionenzahlung über das „Sommermärchen“ legte. „Ich weiß sehr sicher, dass das Geld nicht zum Stimmenkauf verwendet wurde“, sagte Hoeneß damals im Fernsehen. Wozu dann? Auf Nachfrage entgegnete er: „Ich glaube, ich bin der falsche Mann, Ihnen das zu erklären.“

Möglicherweise ist Hoeneß nun aber doch genau der richtige Mann dafür. Zumindest erhoffen sich das Richterin und Staatsanwaltschaft am Frankfurter Landgericht. Dort ist Hoeneß am Montag, 10 Uhr, als Zeuge geladen, sein Auftritt beim Sommermärchen-Prozess wird mit Spannung erwartet. Allein: Selbst der Justiz waren die öffentlichen Aussagen von Hoeneß offenbar nicht geläufig. Erst nachdem die „Süddeutsche Zeitung“ über seinen Fernsehauftritt berichtete, wurde er als Zeuge geladen. „Wenn man sich so prominent auslässt, muss man das vor Gericht genauer erläutern“, sagte Richterin Eva-Marie Distler an einem der ersten Verhandlungstage. Mehr noch: Der Zeuge Hoeneß könnte von entscheidender Bedeutung sein.

Hoeneß: „Unsägliche Medienkampagne“

Im Verfahren gegen die drei ehemaligen Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt, geht es um den Vorwurf der Steuerhinterziehung. Im April 2005 kam es zu einer Überweisung des DFB an die Fifa von 6,7 Millionen Euro. Jene Summe sollen die drei Angeklagten zu Unrecht als Betriebsausgabe angesetzt haben – während die Zahlung in Wahrheit zur Tilgung eines Privatkredits genutzt worden sei, den Franz Beckenbauer einige Jahre zuvor beim französischen Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus aufgenommen hatte. Doch Dieses Darlehen setzte 2002 einen bemerkenswerten Geldkreislauf in Gang. Denn die zehn Millionen Schweizer Franken, die Beckenbauer sich lieh, umgerechnet just 6,7 Millionen Euro, landeten über Umwege beim katarischen Skandalfunktionär Mohammed bin Hammam. Nur: Wozu?

„Aber sein Meisterstück hat er eigentlich gemacht, als er die WM zu uns nach Deutschland geholt hat. Er hat sich jahrelang den Hintern aufgerissen und ist in die hintersten Fleck der Welt gereist, um die Stimmen für ein Votum für Deutschland zu sammeln“, sagte Hoeneß bei der Trauerfeier für Franz Beckenbauer Mitte Januar in der Münchener Allianz-Arena. Dass dieses Lebenswerk – und das 2006er-Sommermärchen generell – Schatten bekam, die Geldflüsse undurchsichtig sind und seit geraumer Zeit über den Skandal berichtet wird, erwähnte er in seinen Erinnerungen nicht. Vielmehr sprach Hoeneß von einer „unsäglichen Medienkampagne“ gegen Beckenbauer, „die der ein oder andere Kleingeistige bis zu seinem Tod fortgeführt hat“.

Das „auslösende Moment“

Nun stellt sich die Frage, wie er sich bei seiner Vernehmung vor Gericht über seinen Freund äußert – zumal Hoeneß seine Worte aus dem „Doppelpass“ ein Jahr später in einem Podcast erneuerte: Er wisse, wofür das Geld bestimmt war. Wissen es am Montag nun alle, könnte das Rätsel um das Sommermärchen vor der Aufklärung stehen. „Ich habe dem Franz zu Lebzeiten immer gewünscht, dass er noch mehr Anerkennung, noch mehr Respekt bekommt und nach seinem Tod keine Scheinheiligkeit. Das ist leider nicht hundertprozentig aufgegangen“, sagte Hoeneß in seiner Rede.

Lange stand zu befürchten, dass für immer ungeklärt bleiben würde, wie es damals war mit der WM 2006. Doch die ersten Verhandlungstage im März zeigten, dass es das Gericht durchaus ernst meint – und es genau wissen will. Gab es vor Verhandlungsbeginn noch Gespräche über eine mögliche Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage, erneuerte Staatsanwalt Jesco Kümmel dieses Angebot in der ersten Sitzung – seit Gründonnerstag ist diese Chance vorerst vom Tisch. Vor allem Theo Zwanziger, 78 Jahre alt, und Horst R. Schmidt, 82, sowie deren Anwälte wollen nur schwer akzeptieren, dass sich das Gericht nicht ausschließlich auf steuerrechtliche Aspekte konzentriert. Die Richterin wolle das „auslösende Moment“ ergründen, sagte sie – und das ist eben der Beckenbauer-Kredit. Wie gut, dass Hoeneß den Verwendungszweck kennt. Verrät er ihn auch?

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