Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Lebensmittelrettung: Geht „Too Good To Go“ zu Lasten der Tafeln?

Über einen stetigen Rückgang an Lebensmittelspenden klagen manche Tafeln – im Bild die in Ludwigshafen – schon lange. Die Konkur
Über einen stetigen Rückgang an Lebensmittelspenden klagen manche Tafeln – im Bild die in Ludwigshafen – schon lange. Die Konkurrenz von Geschäftsmodellen wie das der App »Too Good To Go« spüren die Tafeln dabei wenig – bislang. Das könnte sich ändern: Der gewerbliche Anbieter will stärker mit den großen Handelsketten kooperieren.

Das Retten von Lebensmitteln, die sonst unter Umständen weggeworfen würden, ist inzwischen auch Geschäftsmodell – zum Beispiel mit Apps wie „Too Good To Go“. Was bedeutet das für andere Lebensmittelretter – und für Bedürftige in der Pfalz?

Eindrucksvoller Warenkorb, den die junge Kollegin da zusammengetragen hat. Wahlweise unter dem Motto „Lebensmittelrettung“ oder „Vertriebsoptimierung“ oder zum ganz großen Thema „Wie richte ich ein Frühstück für eine etwa achtköpfige Kernfamilie für 3,50 Euro?“ Frühstückstüte aus einem Bed & Breakfest-Hotel in Ludwigshafen: Drei gekochte Eier, ein knappes Kilo Wurst und Käse, keine vier Euro. Obst- und Gemüsepaket aus einem Wasgau-Markt in Annweiler: Mandarinen, Orangen, Gurken, diverse Blattsalate, vier Euro. Tankstelle in Landau: Powerriegel, Süßigkeiten, vier Brötchen, zwei davon belegt: vier Euro. Wesentlich günstiger lässt sich wohl kaum speisen. Und als Nachtisch gibt’s dann noch ein gutes Gewissen, sättigt sicher nachhaltig.

Alles mit Hilfe des Mobiltelefons: „Too Good To Go“, frei übersetzt „Zu gut zum Wegwerfen“, heißt die Smartphone-App, über die Lebensmittelrettung lokal und zeitnah organisiert werden soll. Die Idee kommt aus Dänemark: Die Partnerbetriebe, in Deutschland nach Unternehmensangaben im Jahr 2023 etwa 19.000 – Hotels, Gaststätten, Supermärkte oder Bäckereien – stellen tagesaktuell Pakete mit überschüssigen Lebensmitteln zusammen, die die Nutzer in der App vorbuchen können. In einem jeweils angegeben Zeitfenster können die Pakete dann vor Ort abgeholt werden, vorzugsweise in direkter Nähe des Wohn- oder Arbeitsorts, genauer Inhalt vorher unbekannt.

In 17 Ländern aktiv

Knapp 122 Millionen Mahlzeiten will „Too Good To Go“ auf diese Weise im abgelaufenen Jahr weltweit vor der Tonne gerettet haben. In 17 Ländern ist das Unternehmen nach eigenen Angaben aktiv, als den „international größten Marktplatz für überschüssige Lebensmittel“ bezeichnet man sich selbst. 10 Millionen Nutzer hatte die App 2023 in Deutschland.

Pro verkaufter Tüte behält „Too Good To Go“ von den teilnehmenden Betrieben 1,19 Euro an Provision ein, dazu kommt eine Jahresgebühr. Ein Geschäftsmodell ist die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung inzwischen nämlich auch.

Folgerichtig haben die Dänen im abgelaufenen Jahr ein Warenwirtschaftsmodul auf den Markt gebracht, das dem Einzelhandel unter anderem den Vertrieb von Produkten mit Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) erleichtern soll – und mit dem Online-Marktplatz vernetzt ist. Mutmaßlicher Mehrwert für den Handel: Der bessere Verkauf von Waren, die sich auf herkömmlichem Weg kaum absetzen lassen. Die digitale Vertriebsplattform habe den Partnerläden 2023 weltweit „zu einem Umsatz von 980 Millionen US-Dollar verholfen, indem diese überschüssige Ware drastisch abgebaut haben“, schreibt das Unternehmen in seinem „Impact Report“.

Die App „To Good To Go“ und ihre Angebote.
Die App »To Good To Go« und ihre Angebote.

Es handelt die App zunächst mit Waren, die gar nicht mehr im regulären Durchlauf angeboten werden dürften, und dort ist „Too Good To Go“ wohl einigermaßen konkurrenzlos: Das massive Wurst- und Käsepaket vom Frühstücksbüffet, das die junge Kollegin im B&B-Hotel in Ludwigshafen abgeholt hat, wäre ansonsten an Hotel-Mitarbeiter verteilt worden – oder in der Tonne gelandet. „Wir dürfen das wegen HACCP“, also dem verpflichtenden Qualitätsmanagement im Umgang mit Lebensmitteln, „nicht ein zweites Mal“ aufs Büffet legen, sagt eine Mitarbeiterin des Ludwigshafener B&B auf Anfrage. Ein oder zwei Pakete pro Tag bietet man in der Ludwigstraße an – wohl eher aus sozialen Gründen als zur Optimierung der Wertschöpfungskette. „Es gibt ja genug Bedürftige“, sagt die Mitarbeiterin.

Weniger Lebensmittelspenden für Tafeln?

Zum Konzept von „Too Good To Go“ gehört nun allerdings auch das Schließen der Wertschöpfungskette bei Waren, die durchaus noch auf anderem Wege vertrieben werden könnten – bei den „Tafeln“ beispielsweise. Und da stellt sich die Frage, ob die seit 2016 laufende App zu einem Rückgang der Lebensmittelspenden eben dort geführt hat.

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