Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffenheim schlägt die Bayern: Ekstase im Kraichgau

Entscheidung: Die Hoffenheimer Spieler feiern das 4:2 des Torschützen Andrej Kramaric. Dem Kroaten gelang ein Hattrick.
Entscheidung: Die Hoffenheimer Spieler feiern das 4:2 des Torschützen Andrej Kramaric. Dem Kroaten gelang ein Hattrick.

Die TSG 1899 Hoffenheim dreht die Partie gegen den FC Bayern nach 0:2-Rückstand und gewinnt 4:2. Damit spielt der Klub nächste Saison international. Die Münchner verpassen die Vize-Meisterschaft.

„Dankeschön. Ciao.“ Um exakt 18 Uhr am frühen Samstagabend endete die Amtszeit von Thomas Tuchel beim FC Bayern München. Mit diesen Worten verabschiedete er sich nach der Pressekonferenz. Und die doch überschaubare Zeit beim entthronten Meister endete enttäuschend. Zum Abschluss gab es noch einmal eine Niederlage, eine Niederlage mit Folgen. Durch das 2:4 bei der TSG 1899 Hoffenheim verspielte der FC Bayern auch den zweiten Tabellenplatz, rutschte auf Rang drei ab und verpasst damit auch das Spiel um den Supercup zum Start der nächsten Saison. Der VfB jubelte derweil ...

Und so musste Thomas Tuchel wieder einmal versuchen zu erklären, warum es zu einer Niederlage kam. „Wir haben in der zweiten Halbzeit absolut ungenügend verteidigt. Wir haben eine hohe Anzahl an individuellen Fehlern aneinandergereiht und das Spiel aus der Hand gegeben“, betonte er. War der Verlauf der Partie ein Spiegelbild der Saison? Das wollte er so nicht bestätigen. „Aber es kam zu häufig vor. Wir hatten noch zehn Minuten in Stuttgart, um den VfB auf Distanz zu halten, wir kassieren zwei Tore, das Stadion feiert. Wir führen 2:0 in Heidenheim, können das 3:0, 4:0, 5:0 machen, wir verlieren 2:3, jetzt das Gleiche wieder“, führte Tuchel aus.

Ausstand: Thomas Tuchel mag gar nicht mehr hinschauen.
Ausstand: Thomas Tuchel mag gar nicht mehr hinschauen.

Die mögliche Rolle rückwärts der Bayern, doch mit dem Trainer Tuchel weiterzumachen, geriet zum Rohrkrepierer, die Parteien konnten sich nicht einigen und die Bayern suchen weiter einen neuen Coach. Sportvorstand Max Eberl flüchtete sich in Zweckoptimismus: „Ein Freund von mir sagt immer, das Beste kommt zum Schluss. Wir werden eine sehr gute Lösung finden.“ Roberto De Zerbi, der überraschend den englischen Klub Brighton and Hove Albion verlässt, wird es aber nicht. Das verriet Sportvorstand Max Eberl (50).

Kapitän Manuel Neuer war geknickt nach dem bitteren Ende. „Wir hatten gute Phasen und weniger gute Phasen in der Saison. Vielleicht passt dieser Ausgang, der auch nicht so gelungen war. Der letzte Schritt, dass wir im Champions-League-Finale stehen, der hat auch gefehlt.“ Manuel Neuer weiter: „Wir haben uns gewünscht, dass wir Zweiter werden. Wir haben das nicht erreicht, deshalb sind wir sehr enttäuscht.“

Ekstase im Kraichgau

Dagegen: Ekstase im Kraichgau. Die TSG 1899 Hoffenheim spielt erstmals wieder seit vier Jahren international, vermutlich in der Europa League, wenn Bayer Leverkusen das Pokal-Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern gewinnt. Das Team macht einen 0:2-Rückstand wett. Andrej Kramaric erzielte in der 85. und 87. Minute die beiden Treffer zum Sieg. Die Hoffenheimer ließen sich ausgiebig feiern. „Wir sind in der Halbzeit zusammen gekommen und haben gesagt. Jetzt gehen wir raus, wir haben nichts mehr zu verlieren“, berichtete Maximilian Beier, eine der Entdeckungen der Saison. 16 Tore verbuchte der junge Stürmer, er wurde von Julian Nagelsmann für den EM-Kader nominiert und qualifizierte sich mit seiner Mannschaft für den Europapokal – was für eine Woche.

Die ersten acht Minuten der Partie waren spektakulär. Nach 44 Sekunden lag bereits das 1:0 in der Luft. Ein feiner Hackentrick von Leon Goretzka, Mathys Tel hatte freie Fahrt, doch er scheiterte an Oliver Baumann. In der vierten Minute war es soweit, Mathys Tel drückte eine Vorlage von Thomas Müller über die Linie, 0:1. Die TSG haderte noch, da fiel bereits das 0:2 durch Alphonso Davis. Es war Manuel Neuer, der die Gastgeber wieder zurück in die Partie holte, seinen Pass landete bei Ihlas Bebou, Maximilian Beier kam an den Ball und verwertete trocken. Schlecht: EM-Starter Aleksandar Pavlovic musste wegen einer Sprunggelenk-Verletzung ausgewechselt werden.

Rosen vor Abschied?

Neuer machte seinen Fehler wieder wett, beispielsweise bei dem tückischen Flatterball Andrej Kramarics in der 65. Minute, dessen Ausgleich drei Minuten später vermochte er nicht zu verhindern. Und dann sah er noch einmal nicht gut aus. Die TSG belohnte sich für viel Aufwand – und legte einen fulminanten Endspurt hin. Am Ende stand ein Hattrick von Andrej Kramaric, dem besten Mann der Hoffenheimer.

„Das war ein besonderes Spiel, das war ein besonderer Tag für die TSG-Familie“, sagte TSG-Trainer Pellegrino Matarazzo. „Wir hatten viele Rückschläge, haben immer wieder den Reset-Knopf gedrückt, wir sind immer wieder aufgestanden.“ Matarazzo wurde von den Fans als „Zaunkönig“ gefordert, auch Sport-Geschäftsführer Alexander Rosen war nach dem Schlusspfiff auf dem Spielfeld. Wout Weghorst holte den 45-Jährigen. Seit Wochen gibt es unbestätigte Nachrichten, wonach Rosen bei der TSG 1899 auf der Kippe stehen soll. Die Fans bedankten sich mit einem Transparent bei Rosen, Sie „verneigten“ sich für seine lange Zeit bei dem Klub. Seit Samstag wird Rosen als Nachfolger von Marcel Schäfer beim VfL Wolfsburg gehandelt.

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