Rheinland-Pfalz
Genderverbot an Schulen? Das sagen Lehrer und das Land dazu
Im Frühjahr hing ein Schreiben in Pfälzer Lehrerzimmern aus, dessen Inhalt in Talkshow-Runden für rote Köpfe und erhitzte Gemüter sorgen würde. Es ging ums Thema Gendern. An der Frage, ob und wie man Menschen jeglichen Geschlechts sprachlich einschließt, scheiden sich bekanntlich die Geister. Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium hat mit jenem Schreiben nun festgelegt, dass Lehrern das Gendern etwa in Schulaufgaben nicht erlaubt ist. Demnach dürfen Lehrer in ihren Texten für Schüler keine Genderzeichen verwenden. Dazu gehören etwa das große „I“, das Gendersternchen oder Doppelpunktkonstruktionen. Außerdem soll Schülern, die in ihren Hausaufgaben oder Prüfungen Genderzeichen verwenden, diese als „nicht normgerechte Schreibweise“ markiert jedoch nicht als Fehler gewertet werden. So steht es in dem Schreiben, das der RHEINPFALZ vorliegt.
Das Ministerium bezieht sich dabei auf einen Beschluss des Rates für deutsche Rechtschreibung aus dem Dezember 2023, der Genderzeichen weiterhin als orthografisch falsch einordnet. Von einem Genderverbot möchte das Bildungsministerium auf Anfrage jedoch nicht sprechen. Es gebe schließlich andere Möglichkeiten, die verwendet werden können und der Rechtschreibung entsprechen. Beispielsweise neutrale Begriffe wie „Lernende“ oder Paarformen wie „Schülerinnen und Schüler“, so eine Ministeriumssprecherin. So werde es auch laut Verwaltungsvorschrift in der Landesregierung gehandhabt.
Lehrerin: Spielt bei Schülern keine große Rolle
Ob man es nun Verbot nennen mag oder auch nicht. Das Thema betreffe ohnehin die wenigsten Schüler, sagt Cornelia Schwartz, Vorsitzende des Philologenverbandes in Rheinland-Pfalz. Schwartz ist selbst Lehrerin am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim. An ihrer Schule würde das Gendern nach ihrer Einschätzung eine untergeordnete Rolle spielen. „Vielmehr lehnen die meisten meiner Schüler das Gendern ab. In unserem Schulalltag verwenden wir häufig einfach eine Paarform, in der die männliche und die weibliche Form genannt wird.“
Für Schwartz habe die Gender-Debatte ohnehin wenig mit der Realität an vielen Schulen zu tun. „Wir sollten uns nicht damit aufhalten, wenn aktuell viele Kinder und Jugendliche überhaupt nicht ausreichend gut Deutsch sprechen können“, sagt Schwartz. Die Gymnasiallehrerin verweist dabei auf die großen Defizite, mit denen etwa Kinder mit Migrationshintergrund sowie die vielen ukrainischen Flüchtlingskinder in die Schule kämen. Diese Kinder müssten zuerst einmal geordnet die deutsche Sprache lernen. Und das ohne eine Gender-Sprache, die das Lernen unnötig komplizierter mache, so Schwartz weiter. Das Bildungsministerium habe mit seinem Schreiben lediglich für klare Verhältnisse gesorgt, sagt Schwartz, die den Beschluss für richtig hält: „Ein gerechter Umgang mit beiden Geschlechtern ist für mich ohnehin viel mehr mit einer persönlichen Haltung denn irgendwelchen Genderzeichen verbunden.“