Steinweiler
Ein Bett im Maisfeld – wie unter freiem Himmel übernachten
Auf den ersten Blick sieht das Maisfeld auf dem Seehof in Steinweiler (Kreis Germersheim) erst einmal ganz normal aus. Wer genauer hinsieht, kann jedoch schon aus einigen Hundert Metern Entfernung eine merkwürdige, durchsichtige Kuppel entdecken, die aus den hochgewachsenen Pflanzen herauslugt. Sie verrät, dass es sich bei dem Acker doch nicht um ein gewöhnliches Maisfeld handelt. In seinem Inneren verbirgt sich nämlich eine besondere Übernachtungsmöglichkeit.
Wer einmal den Eingang gefunden hat, den führt ein kleiner in die Pflanzen geschlagener Weg ungefähr 300 Meter ins Innere des Maisfeldes. Dort steht ein Bett, das von einem durchsichtigen Kuppelzelt umrahmt ist und von abenteuerlustigen Gästen während der Saison von Juni bis November für 119 Euro pro Nacht als außergewöhnliche Herberge gebucht werden kann.
Gäste aus Thailand kommen nach Steinweiler
Inspiriert zum „Bett im Maisfeld“ wurden die Gastgeber nicht etwa von Udo Jürgens, sondern von einem Fernsehbeitrag. „Ich habe gesehen, wie solche Zelte in Australien zum Übernachten angeboten wurden, und dachte mir, das geht doch auch hier in Steinweiler“, erzählt Christian Scheid. Er ist der Sohn von Lothar Scheid, dem der Seehof und das Maisfeld gehört. Gemeinsam haben sie 2020 begonnen, die „Bubble“ (deutsch: Blase), wie sie das Zelt wegen seiner runden Form nennen, aufzubauen und als Unterkunft anzubieten. Bis alles fertig war, habe das Projekt „einen niedrigen fünfstelligen Betrag“ gekostet, verraten die beiden.
Seither haben schon viele Menschen den Weg ins südpfälzische Steinweiler gefunden. „Das beste Jahr war 2021, da waren wir fast komplett ausgebucht“, berichtet Lothar Scheid. Auch mit diesem Jahr sind die Gastgeber zufrieden. „Gestern hat ein junges Paar aus Stuttgart hier übernachtet, nächste Woche kommen zwei aus Thailand“, erzählt Christian Scheid. So unterschiedlich die Gäste auch seien, die meisten kämen vor allem aus einem Grund: „Weil sie mal eine außergewöhnliche Nacht unter freiem Himmel verbringen wollen.“ Demnach buche die Mehrheit auch nur für eine Nacht, oft als Zwischenstopp auf einer längeren Rundreise.
Zelt wird ständig mit Luft befüllt
Auf der Buchungsplattform „Airbnb“ sprechen ehemalige Gäste von einem „einmaligen Erlebnis“. Besonders hervorgehoben wird der uneingeschränkte Blick in den Himmel – egal ob bei sternenklarer Nacht, Regen oder Gewitter. Für die kälteren Monate wird empfohlen, sich trotz der Heizdecke im Zelt warm anzuziehen, denn: Die Temperatur in der Bubble ist fast identisch mit der Außentemperatur. Das liegt daran, dass dem Zelt permanent über ein Gebläse Luft zugeführt wird. Das macht ein Kompressor, der am Tag ungefähr fünf Euro an Stromkosten verursacht.
Ohne die ständige Luftzufuhr würde das Zelt einfach in sich zusammen fallen. Damit das nicht passiert, befindet sich vor dem eigentlichen Zelt eine kleine Luftschleuse, durch die die Gäste hindurch gehen müssen, um zu ihrem Schlafplatz zu gelangen.
Von der Außenwelt abgeschottet
Im Inneren der Bubble ist von dem Kompressor dann kaum noch etwas zu hören, alle Geräusche sind gedämpft. Trotz der transparenten Wände fühlt es sich dadurch ein bisschen so an, als sei man von der Außenwelt abgeschottet. Diesen Eindruck bestätigt Scheid: „Die meisten Leute denken, dass man draußen jedes Wort versteht, da dringt aber nichts durch.“
Um die Privatsphäre der Gäste weiter zu schützen, ist der Eingang des Maisfeldes gut versteckt. Das verhindert, dass sich versehentlich Besucher aus dem angrenzenden Maislabyrinth dorthin verirren. Das Labyrinth gehört gemeinsam mit dem zu einer Bar umgebauten Futtersilo ebenfalls zum Seehof, der darüber hinaus als Hochzeitslocation genutzt wird. Neben dem dafür aufgebauten Veranstaltungszelt befindet sich auch das Gebäude, in dem die Gäste der Bubble Duschen und zur Toilette gehen können.
Saison von Juni bis November
Frühstück wird ihnen zurzeit noch vom Chef persönlich ans Zelt gebracht. Das können sie dann an dem kleinen Holztisch oder den beiden Gartenliegen zu sich nehmen, die sich direkt neben der Bubble befinden. „Das ist aktuell noch unsere Schwachstelle, da wir in dem Punkt sehr vom Wetter abhängig sind. Wenn es regnet, ist es für die Gäste doof, draußen zu frühstücken“, sagt der 44-Jährige. Aus diesem Grund sei für die Zukunft noch ein zusätzliches Gebäude mit Küche geplant, in dem dann auch gekocht und bei schlechtem Wetter gegessen werden kann.
Wenn es nach Christian Scheid geht, könnte künftig auch noch eine zweite Kuppel aus dem Maisfeld herausragen. Dafür muss er aber noch etwas Überzeugungsarbeit bei seinem Vater leisten, der aktuell mit einem Zelt zufrieden ist. Für dieses Jahr ist die Saison ohnehin aber bald beendet. „In ein paar Wochen wird es spätestens zu kalt sein, dann ernten wir den Mais ab und packen das Zelt ein“, sagt Scheid. Ungefähr ab Juni könne es dann wieder gebucht werden. Das geht direkt über die Webseite www.maislabyrinth-steinweiler.de oder über Airbnb.