Saisonbilanz
Zweibrücker Coach Wolf: „In den Play-offs hilft kein Zaubern“
Der Terminkalender von EHC-Trainer Ralf Wolf ist trotz Saisonende bei den Herren immer noch voll: viele Jugendturniere. So nimmt der „Hornets“-Nachwuchs an diesem Wochenende ganz kurzfristig an einem Turnier im französischen Mulhouse teil. Auch nach Luxemburg hat der EHC inzwischen Kontakte, „da wird der grenzüberschreitende Verkehr und Austausch sogar von der EU gefördert“, unterstreicht Wolf. Und in den Pfingstferien fahren die kleinen Kufen-Cracks wie im Vorjahr ins Trainingscamp ins slowakische Trencin – die Heimatstadt der früheren EHC-Spieler Miroslav Hantak, Lukas Srnka, Tomas Vodicka und Radovan Pastorek. Zweimal Training am Tag steht dort an, immer auf kurzem Weg vom angeschlossenen Hotel direkt in die Eishalle – und ein toller Abstecher.
„Hornets“-Abstecher zur WM nach Tschechien
„Wir machen am Dienstag, 21. Mai, einen Ausflug ins rund 150 Kilometer entfernte tschechische Ostrava, um uns das WM-Spiel Frankreich gegen Deutschland anzuschauen“, sagt Ralf Wolf, der die Geschicke des EHC-Teams seit Januar 2020 leitet. „Der Deutsche Eishockey Bund hat uns die Karten für die Kinder kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir haben auch einen Ansprechpartner vor Ort und können vielleicht noch die Stars der deutschen Nationalmannschaft treffen“, berichtet der 44-Jährige. „Rund 120 Zweibrücker – Kinder, Trainer, Eltern – grüßen dann via Fernseher in die Heimat“ , erwartet Wolf eine Bombenstimmung bei der WM, die am Freitag mit dem Spiel des Vize-Weltmeisters Deutschland gegen die Slowakei beginnt (ab 15.45 Uhr auf ProSieben).
Wolfs Verteidiger Jaroslav Adolf, der gerade auf Heimaturlaub ist, schaut ebenfalls in Trencin vorbei und fährt auch mit zum Match nach Ostrava. Ob die beiden dann noch mal die Play-off-Serie der „Hornets“ diskutieren? Gut möglich. Denn auch Wochen später saß der Stachel der 1:3-Niederlage in der Finalserie gegen Heilbronn noch tief beim Coach des Titelverteidigers. „Die Enttäuschung war groß. Wir haben so eine tolle Hauptrunde gespielt. Aber in fünf Jahren interessiert das keinen mehr, wenn das Happy End ausbleibt“, sagt Wolf. Eigentlich müsse man es mit einer Mannschaft dieser Qualität auch durchziehen, findet er mit Blick auf die Spielzeit mit 26 Liga- und Pokalspielen plus neun Play-off-Matches.
EHC Zweibrücken war als Meister das gejagte Team
Wolf, der mit seiner Frau Sandra und Sohn Jona in Winterbach lebt, musste das Play-off-Aus ohne Titel erst mal verarbeiten und analysieren. Erste Einschätzungen zur Erklärung hat er inzwischen. „Wir waren als Meister die Gejagten, die Gegner haben ihr Spiel adaptiert. Viele haben sich in der neutralen Zone aufgestellt und mal abgewartet“, stellt er fest. Im Rheinland-Pfalz-Pokal in Diez habe sein Team das vor 1700 Zuschauern auch mal so gemacht und ein gutes Spiel gezeigt. „Sonst waren wir aber vorne oft schon zu aktiv. Es war manchmal nur eine Frage der Zeit, wann wir das Gegentor kassieren“, unterstreicht er.
„Nach der Hauptrunde haben wir aufgehört, besser zu werden; die Rechnung dafür gab’s in den Play-offs“, betont Wolf, der mit den Heilbronnern als Tabellendritter durchaus gerechnet hatte. „Wir hatten eine sehr schwere Serie gegen Mannheim. In den Play-offs nimmt man Schmerzen in Kauf, wirft sich in die Schüsse. Die Maddogs haben das gemacht – und auch ein Rezept gegen Albert Washco gefunden “, sagt er mit Blick auf seinen US-Boy, den besten Scorer der Hauptrunde mit 32 Toren und 36 Vorlagen. Nach der ersten, eher unerwarteten Niederlage gegen Mannheim sei schon eine Angespanntheit da gewesen. „Natürlich haben wir versucht, die Lockerheit beizubehalten und Spaß zu haben. Aber das ist nicht so einfach. Wir waren oft zu verkopft und verkrampft“, weiß Wolf.
In den Play-offs zu viele Strafzeiten kassiert
In beiden Serien habe sein Team zudem zu viele Strafzeiten kassiert, „wir hatten da Impulskontrollverluste, auch im Verhalten gegen die Schiris“, findet er. Ein gutes Beispiel sei dagegen Claudio Schreyer gewesen, der kaum Strafen trotz intensiver Zweikämpfe erhalte. „Das Unterzahlspiel kostet Kraft – und die fehlt dann auch bei eigener Überzahl“, sagt er. „Wir haben versucht, die Tore zu machen und haben dabei aber ein bisschen die Geduld verloren.“ In den Play-offs helfe eben kein Zaubern, man müsse produktiv und effektiv spielen.
Für den Mitarbeiter der Zweibrücker Baumaschinen-Firma Kubota geht’s schon früher nach Tschechien. Erst feiert er mit seinem früheren Trainer einen runden Geburtstag, sieht dann noch vor Ankunft des EHC-Trosses die WM-Spiele Polen gegen Lettland und USA gegen Deutschland – ein bisschen Anschauungsunterricht, bevor im August die Vorbereitung auf die neue EHC-Saison startet.
EHC-Saison in Zahlen
Hauptrunde: 1. Platz EHC Zweibrücken; 53 Punkte; 16 Siege, zwei Siege und eine Niederlage in der Verlängerung, eine Niederlage, 129:67 Tore
Play-offs (Best of Five), Halbfinal-Serie: EHC Zweibrücken - EKU Mannheim 3:2 (7:3, 2:3 in Overtime, 4:3, 2:5, 5:2) - Finalserie: EHC Zweibrücken - Heilbronner EC 1:3 (3:4, 3:2 in Overtime, 4:8, 2:5)
Scorer Hauptrunde: 1. Albert Washco 68 Punkte, 2. Simon Klemmer 45, 3. Claudio Schreyer 39, 4. Erik Betzold 37 (alle EHC) – Scorer Play-offs: 1. Schreyer 17, 2. Stefano Rupp 15 (Heilbronn), 3. Washco (15), 4. Klemmer 12 – Torleute Hauptrunde: 1. Michael Seitz 2,03 Tor im Schnitt pro Spiel (EHC), 2. Louis Busch 2,98 (Heilbronn), 3. Mathias Stefanka 3,61 (Heilbronn), 4. Viktor Lust 4,00 (EH) – Torleute Play-offs: 1. Stefanka 2,13; 2. Seitz 3,43; 3. Lust 3,44; 4. Tim Uhrig 3,96 (Mannheim).