Rückblick 2021 RHEINPFALZ Plus Artikel Was Zweibrückens Sport trotz Corona bewegte

Fliegen ist schön: Der Deutsche Meister im Stabhochsprung, der Landauer Oleg Zernikel, gewann am 19. Juni den Wettbewerb „Sky’s
Fliegen ist schön: Der Deutsche Meister im Stabhochsprung, der Landauer Oleg Zernikel, gewann am 19. Juni den Wettbewerb »Sky’s the Limit« des LAZ Zweibrücken vor 200 Zuschauern im Westpfalzstadion.

Das Zweibrücker Sportjahr 2021 hat sich kontinuierlich gesteigert. Durch den Lockdown im November 2020 war es zunächst stark geprägt von der Corona-Krise: In der ersten Jahreshälfte herrschte fast in allen Sporthallen und Sportstätten gähnende Leere. Ab dem Frühsommer bewegte sich dann langsam allerorten wieder was, etliche Höhepunkte inklusive. Und ab dem Spätherbst lief der Sportbetrieb dann wieder normal – aber eben doch nur fast.

„Alles ist offen“ – so überschrieb die Sportredaktion der RHEINPFALZ Anfang Januar die Terminseite für das Jahr 2021. Es sei eine Übersicht unter Vorbehalt, hieß es weiter im Text. Letztlich kam es dann auch so, mit deutlichen Unterschieden zwischen internationalen und lokalen Sportereignissen. Wie sang schon vor 20 Jahren Bap, eine meiner Lieblingsbands seit Jugendtagen, als sich Leadsänger Wolfgang Niedecken 2001 nach großer Umbesetzung mit seiner Combo neu erfand:

„Wat ’e Johr! Wat ’e unfassbar Johr dat woor! Wat ’e unnormal Johr, wat ’e wunderbar Johr dat wohr!“

Auf der örtlichen Ebene in und um Zweibrücken wirkte nämlich erst mal der im November 2020 angeordnete Lockdown bis fast in die Frühsommer nach. Es gab kein Training, keine Wettkämpfe – und nach und nach brachen auch die Verbände ihren Spielbetrieb wieder ab. Dazu die Stadtmeisterschaft im Hallenfußball, die Turniere der VG Zweibrücken-Land, die RHEINPFALZ-Sportlerwahl, der Frühjahrsrenntag der Rennreiter, die 50. Schulskifahrt des Helmholtz-Gymnasiums nach St. Valentin in Südtirol – das alles fiel aus. Einzig die erste Mannschaft des SV 64 Zweibrücken konnte weiter ihrem Sport nachgehen, weil sie als Drittliga-Handballer als Profis eingestuft waren. Sie durften trainieren und in einer abgeänderten Pokalrunde – letztlich sehr erfolgreich, aber ohne Fans – weiterspielen.

Ganz viel Sport online

In dieser schwierigen Situation war erneut die Kreativität der Sporttreibenden in der Region gefragt. Online und virtuell waren die Schlagworte, viele hatten da aus dem Vorjahr schon Erfahrung. Hoch im Kurs standen Lauf-Challenges der Mannschaften, zum Teil auch für einen guten Zweck. So erlief der SV Battweiler 1000 Euro für die Elterninitiative krebskranker Kinder. Die Kanuten der Wassersportfreunde Zweibrücken, Ulf und Holger Jung, stürzten sich Anfang des Jahres mit ihren Booten den kleinen Leukbach-Wasserfall in Saarburg hinunter und stellen davon ein spektakuläres Video auf dem Youtube-Kanal ein.

Beim TV Rieschweiler dachten sich Lena Hettrich, Jasmin Knapp und Chantal Franz was Tolles aus: Die drei Trainerinnen für Kinder- und Jugendturnen initiierten unter dem Motto „Fit durch die Corona-Zeit – Gemeinsam gegen die Langeweile“ einen Fitness-Pfad im Ort mit 18 Stationen – und riefen ebenfalls eine Online-Challenge aus. Die Tänzer des TuS Rimschweiler betrieben ihren Sport derweil gemeinsam online im heimischen Wohnzimmer, das Homburger Bergrennen nach Käshofen kam erneut virtuell daher, selbst die Voltigierer lockten mit einem ersten vereins- und länderübergreifenden Online-Training 170 Teilnehmer vor die Webcams. Und die VTZ-Turnerinnen räumten bei gutem Wetter einfach ihre Geräte aus der Festhalle ins Freie – und trainierten draußen, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor inklusive.

Hussongs Knallerwurf Ende Mai

Im Frühjahr lockerten sich bei sinkenden Inzidenzzahlen die Maßnahmen, so war das Westpfalzstadion ab 8. März wieder geöffnet. Die Kletterin Lucie Molitor des DAV Zweibrücken wurde Landesmeisterin im Bouldern (ohne Seilsicherung), Handball-Nationalspielerin Amelie Berger wurde im Mai mit ihrem Klub SG BBM Bietigheim deutsche Pokalsiegerin, bevor sie zu Borussia Dortmund wechselte.

Für Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken fing die Olympia-Saison klasse an. An Pfingsten in Rehlingen legte sie mit 66,96 Meter schon den drittbesten Wurf ihrer Karriere hin. Ende Mai pulverisierte sie dann bei der Team-EM im polnischen Chorzów ihre bisherige persönliche Bestleistung vom EM-Sieg in Berlin 2018 (67,90 m) und warf den Speer auf 69,19 Meter. Plötzlich stand die Herschbergerin ganz oben in der Welt, war nun eine der großen Mitfavoritinnen für Olympia in Tokio. Dort schaffte sie es ins Finale, kam aber – wie ihr favorisierter deutscher Teamkollege Johannes Vetter – nicht zurecht und verpasste die anvisierte Medaille.

Erst ab Juni wieder Sportveranstaltungen mit Fans

In Zweibrücken war das LAZ-Meeting „Sky’s the Limit“ am 19. Juni im Westpfalzstadion die erste größere Sportveranstaltung des Jahres wieder mit Zuschauern. 500 waren erlaubt, rund 200 kamen, die anderen trauten dem Braten wohl noch nicht so recht. Der Landauer Stabhochspringer Oleg Zernikel gewann die Konkurrenz mit 5,80 Meter, die Schwedin Michaela Meijer (4,60 m) die der Frauen.

Nach und nach fanden wieder Sportveranstaltungen statt, immer unter Beachtung strenger Hygienevorschriften: die Pfalzmeisterschaft der Vielseitigkeitsreiter beim RSC Walshausen, der erste Renntag des Pfälzischen Rennvereins auf der Rennwiese, eine Kurzrunde in der Squash-Bundesliga mit der Squash-Factory Saar-Pfalz, das erste Voltigierturnier im Landgestüt nach 630 Tagen Pause, die Zweite Liga der Golf-Damen des EG Westpfalz samt Titel, die Framas-Open in Rieschweiler (ein Weltcup-Turnier für Jugendliche), das Vier-Tages-Radrennen LVM Saarland-Trofeo für A-Jugendliche durch den Bliesgau.

Blick in die Glaskugel: Auch 2022 bleibt es sportlich schwierig

Höhepunkte (mit Zuschauern) des Spätjahres, in dem alle Ligen wieder nacheinander starteten, waren das DHB-Pokal-Spiel des SV 64 Zweibrücken gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke und der zweite Tag mit Pferderennen im September – 200 Jahre nach dem ersten Pferderennen in Zweibrücken. Und Michael Rajes Dreifach-Gold bei der Altersklassen-DM der Schwimmer in Berlin.

Und nun? Inzwischen greifen wegen der Omikron-Virusvariante schon wieder schärfere Corona-Maßnahmen. Die Glaskugel zeigt uns, dass auch das Sportjahr 2022 noch schwierig wird. Freuen wir uns trotzdem auf die Olympischen Winterspiele, die Welt- und Europa-Meisterschaften der Leichtathleten, die Fußball-WM Ende des Jahres – und auf jedes noch so kleine Sportereignis in der Region. Bleiben Sie gesund, kreativ und bewegt!

Ein Handball-Fest: Drittligist SV 64 Zweibrücken (in Grau) empfing am 28. August in der ersten Runde des DHB-Pokals den Erstliga
Ein Handball-Fest: Drittligist SV 64 Zweibrücken (in Grau) empfing am 28. August in der ersten Runde des DHB-Pokals den Erstliga-Aufsteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke. 350 Fans sahen die 23:30-Niederlage des SV 64.
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Schade: Für LAZ-Speerwerferin Christin Hussong klappte es in Tokio nicht mit der ersehnten Olympia-Medaille.
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Die beiden Fußball-Landesligisten TSC und VB Zweibrücken (hier von links Jonathan Kauf, TSC, und Janik Gerlinger, VBZ, beim Kopfball) teilten sich die städtische Vorherrschaft schiedlich: Erst gewann der TSC am Wattweiler Berg mit 3:1, die VB-Kicker dann ihr Heimspiel im November mit 4:0.
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Jubiläum: Seit nunmehr 200 Jahren gibt es bereits Pferderennen in Zweibrücken, hier ein historisches Werbeplakat aus dem Jahr 1913.
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Trotz Corona brachte der Pfälzische Rennverein Zweibrücken zwei Renntage auf der Rennwiese über die Bühne: Den im Juni ohne Zuschauer, den mit über 56.000 Euro so hoch noch nie dotierten Renntag im September durften Pferdesportfans dann wieder hautnah an der Bahn miterleben.
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Lohn der Mühen: Jasmin Grabowski (links) und Martyna Trajdos, Judoka des JC Zweibrücken, trugen sich im September für ihre Bronzemedaillen mit dem deutschen Olympia-Team ins Goldene Buch der Stadt ein.
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