Fußball
Trainer der Region erinnern sich an Trapattonis Wutrede vor 25 Jahren
Einer der – wie Giovanni Trapattoni am 10. März 1998 – schon viele Pressekonferenzen in seiner Trainerkarriere mitgemacht hat, ist
„Ich hab’ mich mal hinreißen lassen, unseren Klassenleiter – der kam damals aus Daun und war leider nicht so groß – als ,der kleine Gartenzwerg aus Daun’ zu bezeichnen. Weil ich nicht damit einverstanden war, dass wir ein Nachholspiel zu einer Unzeit spielen mussten.“ Böse habe er das nicht gemeint, es ist ihm nach dem hektischen Spiel aber so rausgerutscht – eine Geldstrafe gab es dennoch.
Rubeck gibt an, ehrlich und gradlinig im Fußballgeschäft zu sein, wenn er etwas sagt. „Mag sein, dass man über die Trapattoni-Sätze oder letztens bei Julian Nagelsmann (,weichgespült’) unterschiedlicher Meinung ist, aber authentisch ist das in jedem Fall.“ Spiele und Pressekonferenzen neben Thomas Tuchel, Christoph Daum und Christian Streich hat Rubeck schon mitgemacht. „Die fassen niemanden mit Samthandschuhen an. Nur, im Stadion hören es die wenigsten, weil die Fans so laut sind.“
Rubeck mag’s unverstellt
Rubeck kann verstehen, wenn einer mal aufbraust und nicht groß überlegt beim Interview. „Wenn man direkt nach dem Spiel schon Fragen gestellt bekommt, da müssen halt manchmal die Emotionen raus. Und bei den Trainern geht das nur verbal.“ Nicht übertrieben oder im Ton vergriffen, „aber wenn dann was Ungestelltes rauskommt, ist mir das lieber, als dauernd so vorgefertigte Sätze zu hören, die jeder mittlerweile nachredet.“
„Von Trapattonis Wutrede ist mir im Wesentlichen der Satz ,Ich habe fertig’ in Erinnerung geblieben“, sagt
Jung: Erfahrung als Lehrer kam zugute
„Ich ließ mir als Trainer überhaupt nichts gefallen und zog immer meine Sache durch“, blickt der pensionierte Mathematiklehrer zurück. Nur selten sei bei einer Pressekonferenz sein Blut in Wallung geraten. Er erinnert sich allerdings an eine PK als Trainer von Rot-Weiss Frankfurt. Da habe er einem Spieler bescheinigt, dass dieser „einen Radius wie ein Bierdeckel“ habe. Und auf eine Kritik nach einer 1:3-Niederlage in der Regionalliga mit dem FK Pirmasens gegen die von Ralf Rangnick trainierte TSG Hoffenheim sagte Jung mal: „Wir haben halt keine Düsenjäger, sondern nur Segelflieger.“
Ansonsten seien seine geschätzten rund 1400 Pressekonferenzen in 39 Trainerjahren eher ruhig verlaufen, auch wenn er während der Spiele Temperament entwickeln konnte. Da ergaben sich schon mal verbale Scharmützel mit Fans oder Spielern. Auch die Kritik („Jung hat den ewigen Rekord versaut“) an seiner Person, als er für den FSV Mainz 05 tätig war und nach 33 Spielen ohne Niederlage im die Saison abschließenden Match fünf Stammkräfte nicht aufstellte und verlor, ließ er ohne Ausraster an sich abprallen. Als Lehrer war es Jung ohnehin gewohnt, „vor Publikum“ zu sprechen, weshalb er bei seinen Statements kein bisschen nervös oder unsicher war. Nur selten sei ihm dabei ein Wort aus dem westpfälzischen Dialekt über die Lippen gekommen.
Tretter blieb in mehr als 300 PKs die Ruhe selbst
Nein,
Seine Pressekonferenzen laufen ruhig ab. Immer, bis auf eine Ausnahme, als er „von einigen angesehenen Leuten aus Pirmasens“ in einer Pressekonferenz angegangen worden war, als sein FKP mit 0:1 dem FCK II unterlegen war. Sie könnten dem FKP „bald nicht mehr zusehen“ hätten die Kritiker gesagt. Tretter hatte dies getroffen. Ruhig blieb er dennoch, kein Trapattoni-Ausraster. Und letztlich stellte Tretter mit seinem Team aus Freizeitkickern in einer Klasse mit vielen Profis und Semi-Profis den Verbleib in der vierten Liga sicher. Das war seine spätere Antwort.
Tretter: Rhetorik-Kurs hat was gebracht
„Der Druck, der auf einem Trapattoni lastete, war sicher ungleich höher, als ihn ein FKP-Trainer verspürt“, sieht Tretter auch ungleiche Voraussetzungen. Und: Es ist zwar nicht überliefert, ob Trapattoni einen Kurs in Rhetorik hinter sich gebracht hat, Tretter schon. „Der hat mir schon was gebracht“, befindet der Rodalber, der sich unter anderem bei Waldhof Mannheim, in Saarbrücken, Trier, Koblenz, Ulm oder Offenbach der Schar von Journalisten stellen musste. „Anfangs war ich nervös, mittlerweile ist es Routine“, sagt er.
Wo
Preuß: Eher intern mal lauter
Wer den Sportkameraden Preuß schon mal live beim Fußball erlebt hat, der weiß, wie er das Ganze mitlebt: „Ich bin schon ein impulsiver Trainer.“ Über die Sprüche des italienischen Startrainers lachte er wie alle anderen auch. „Im Sprachgebrauch meines Fußballumfeldes waren die markanten Sätze aber nicht drin. Zu mir hat es auch nie jemand gesagt, und benutzt hab’ ich sie auch nie, weder gegen einen Spieler, einen Mitspieler noch als Trainer“, betont der Papa einer Tochter.
Authentisch wie auf dem Sportplatz gibt er zu: „Intern fallen ab und an auch mal härtere Worte in einem lauteren Ton. Da sind auch mal Sachen dabei, wo ich mir hinterher denke: War das so richtig, wie ich das gesagt habe? Aber ich lasse da keinen im Regen stehen und suche das Gespräch, um zu erklären, warum ich das gesagt oder wie ich es gemeint habe.“ Erfahrungen mit PKs hat Preuß selbst zwar noch nicht gesammelt, immerhin kursieren aber auf der Video-Plattform Youtube zwei Interviews von ihm aus seiner Zeit beim FK Pirmasens.