Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Trainer der Region erinnern sich an Trapattonis Wutrede vor 25 Jahren

Da war mehr Kalkül dahinter als die meisten dachtenBayern-„Maestro“ Trapattoni flippt 1998 aus.
Da war mehr Kalkül dahinter als die meisten dachtenBayern-»Maestro« Trapattoni flippt 1998 aus.

Am Freitag ist es genau 25 Jahre her, dass sich Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni in Rage redete über seine Münchner Profis. Einige Aussagen des „Maestros“ haben Eingang in den normalen Sprachgebrauch gefunden. Wir haben uns bei Trainern der Region umgehört, wer sich an die Rede des Italieners erinnert und wie es mit eigenen Wutanfällen aussieht.

Einer der – wie Giovanni Trapattoni am 10. März 1998 – schon viele Pressekonferenzen in seiner Trainerkarriere mitgemacht hat, ist Peter Rubeck. „Freude haben die mir nur gemacht, wenn wir ein Derby gewonnen oder einen größeren Verein geschlagen haben. Andernfalls hatte das wenig mit Spaß zu tun.“ Die Trapattoni-Geschichte kennt er natürlich. „Ich hab’ auch schon eine legendäre PK gegeben“, erzählt der 61-Jährige aus seiner Vergangenheit beim SVN Zweibrücken.

„Ich hab’ mich mal hinreißen lassen, unseren Klassenleiter – der kam damals aus Daun und war leider nicht so groß – als ,der kleine Gartenzwerg aus Daun’ zu bezeichnen. Weil ich nicht damit einverstanden war, dass wir ein Nachholspiel zu einer Unzeit spielen mussten.“ Böse habe er das nicht gemeint, es ist ihm nach dem hektischen Spiel aber so rausgerutscht – eine Geldstrafe gab es dennoch.

Rubeck gibt an, ehrlich und gradlinig im Fußballgeschäft zu sein, wenn er etwas sagt. „Mag sein, dass man über die Trapattoni-Sätze oder letztens bei Julian Nagelsmann (,weichgespült’) unterschiedlicher Meinung ist, aber authentisch ist das in jedem Fall.“ Spiele und Pressekonferenzen neben Thomas Tuchel, Christoph Daum und Christian Streich hat Rubeck schon mitgemacht. „Die fassen niemanden mit Samthandschuhen an. Nur, im Stadion hören es die wenigsten, weil die Fans so laut sind.“

Rubeck mag’s unverstellt

Rubeck kann verstehen, wenn einer mal aufbraust und nicht groß überlegt beim Interview. „Wenn man direkt nach dem Spiel schon Fragen gestellt bekommt, da müssen halt manchmal die Emotionen raus. Und bei den Trainern geht das nur verbal.“ Nicht übertrieben oder im Ton vergriffen, „aber wenn dann was Ungestelltes rauskommt, ist mir das lieber, als dauernd so vorgefertigte Sätze zu hören, die jeder mittlerweile nachredet.“

„Von Trapattonis Wutrede ist mir im Wesentlichen der Satz ,Ich habe fertig’ in Erinnerung geblieben“, sagt Robert Jung, Trainerikone aus Pirmasens. „Trapattoni war Fußballer und Trainer durch und durch und ist wohl vor seinem Auftritt gereizt worden“, sieht der 78-Jährige Gründe für die verbale „Trap“-Entgleisung.

Jung: Erfahrung als Lehrer kam zugute

„Ich ließ mir als Trainer überhaupt nichts gefallen und zog immer meine Sache durch“, blickt der pensionierte Mathematiklehrer zurück. Nur selten sei bei einer Pressekonferenz sein Blut in Wallung geraten. Er erinnert sich allerdings an eine PK als Trainer von Rot-Weiss Frankfurt. Da habe er einem Spieler bescheinigt, dass dieser „einen Radius wie ein Bierdeckel“ habe. Und auf eine Kritik nach einer 1:3-Niederlage in der Regionalliga mit dem FK Pirmasens gegen die von Ralf Rangnick trainierte TSG Hoffenheim sagte Jung mal: „Wir haben halt keine Düsenjäger, sondern nur Segelflieger.“

Ansonsten seien seine geschätzten rund 1400 Pressekonferenzen in 39 Trainerjahren eher ruhig verlaufen, auch wenn er während der Spiele Temperament entwickeln konnte. Da ergaben sich schon mal verbale Scharmützel mit Fans oder Spielern. Auch die Kritik („Jung hat den ewigen Rekord versaut“) an seiner Person, als er für den FSV Mainz 05 tätig war und nach 33 Spielen ohne Niederlage im die Saison abschließenden Match fünf Stammkräfte nicht aufstellte und verlor, ließ er ohne Ausraster an sich abprallen. Als Lehrer war es Jung ohnehin gewohnt, „vor Publikum“ zu sprechen, weshalb er bei seinen Statements kein bisschen nervös oder unsicher war. Nur selten sei ihm dabei ein Wort aus dem westpfälzischen Dialekt über die Lippen gekommen.

Tretter blieb in mehr als 300 PKs die Ruhe selbst

Nein, Peter Tretter ist kein Trapattoni. Weder als Trainer noch als Redner. Der langjährige Coach des FK Pirmasens weiß sich in einer Pressekonferenz zu benehmen, ist noch nie ausgeflippt. Mehr als 300 PKs hat der 56-Jährige schon hinter sich. Sich in Rage geredet oder eine Wutrede gehalten, hat er indes nie. Gleichwohl hegt er Verständnis für den Auftritt des Italieners vor 25 Jahren. „Die haben eh mehr Temperament als wir“, findet der aktuelle Berufstrainer des Regionalligisten Wormatia Worms. Noch nie habe er sich öffentlich negativ über einen seiner Spieler geäußert. – im Gegensatz zu Trapattonis „Was erlauben Strunz?“ damals. Das erledige er in persönlichen Gesprächen hinter den Kulissen.

Seine Pressekonferenzen laufen ruhig ab. Immer, bis auf eine Ausnahme, als er „von einigen angesehenen Leuten aus Pirmasens“ in einer Pressekonferenz angegangen worden war, als sein FKP mit 0:1 dem FCK II unterlegen war. Sie könnten dem FKP „bald nicht mehr zusehen“ hätten die Kritiker gesagt. Tretter hatte dies getroffen. Ruhig blieb er dennoch, kein Trapattoni-Ausraster. Und letztlich stellte Tretter mit seinem Team aus Freizeitkickern in einer Klasse mit vielen Profis und Semi-Profis den Verbleib in der vierten Liga sicher. Das war seine spätere Antwort.

Tretter: Rhetorik-Kurs hat was gebracht

„Der Druck, der auf einem Trapattoni lastete, war sicher ungleich höher, als ihn ein FKP-Trainer verspürt“, sieht Tretter auch ungleiche Voraussetzungen. Und: Es ist zwar nicht überliefert, ob Trapattoni einen Kurs in Rhetorik hinter sich gebracht hat, Tretter schon. „Der hat mir schon was gebracht“, befindet der Rodalber, der sich unter anderem bei Waldhof Mannheim, in Saarbrücken, Trier, Koblenz, Ulm oder Offenbach der Schar von Journalisten stellen musste. „Anfangs war ich nervös, mittlerweile ist es Routine“, sagt er.

Wo Daniel Preuß am 10. März 1998 war, daran erinnert sich nicht mehr. Dafür aber daran, was er zwei Monate später gemacht hat: Die FCK-Meisterschaft hat er trotz seines damals zarten Alters von 13 Jahren nach eigenen Angaben ordentlich gefeiert. „Aber die legendäre Pressekonferenz, auf die die Frage abzielt, die kenn’ ich natürlich.“ Eine findige Eingabe der FCK-Merchandising-Abteilung schießt dem mittlerweile 37-Jährigen ins Gedächtnis. „Es gab damals ein T-Shirt mit dem Trapattoni-Satz: Spielt wie Flasche leer.“

Preuß: Eher intern mal lauter

Wer den Sportkameraden Preuß schon mal live beim Fußball erlebt hat, der weiß, wie er das Ganze mitlebt: „Ich bin schon ein impulsiver Trainer.“ Über die Sprüche des italienischen Startrainers lachte er wie alle anderen auch. „Im Sprachgebrauch meines Fußballumfeldes waren die markanten Sätze aber nicht drin. Zu mir hat es auch nie jemand gesagt, und benutzt hab’ ich sie auch nie, weder gegen einen Spieler, einen Mitspieler noch als Trainer“, betont der Papa einer Tochter.

Authentisch wie auf dem Sportplatz gibt er zu: „Intern fallen ab und an auch mal härtere Worte in einem lauteren Ton. Da sind auch mal Sachen dabei, wo ich mir hinterher denke: War das so richtig, wie ich das gesagt habe? Aber ich lasse da keinen im Regen stehen und suche das Gespräch, um zu erklären, warum ich das gesagt oder wie ich es gemeint habe.“ Erfahrungen mit PKs hat Preuß selbst zwar noch nicht gesammelt, immerhin kursieren aber auf der Video-Plattform Youtube zwei Interviews von ihm aus seiner Zeit beim FK Pirmasens. Sport

Peter Rubeck
Peter Rubeck
Robert Jung (rechts), hier mit Liverpool-Coach Jürgen Klopp.
Robert Jung (rechts), hier mit Liverpool-Coach Jürgen Klopp.
Peter Tretter
Peter Tretter
Daniel Preuß
Daniel Preuß
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