Zweibrücken
Tausende Megabites Daten pro Sekunde - UGG baut Glasfaser-Netz in der Stadt
Nach Gemeinden im Landkreis Südwestpfalz, etwa Contwig, macht sich das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) nun auch daran, ein Glasfasernetz in Zweibrücken zu legen und etwa 25.000 Haushalten und Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich an superschnelle Digitalangebote anschließen zu lassen – für sichere Video-Calls, Projektpräsentationen etwa von Start-ups über Telemedizin bis TV-Streaming. Der Stadtrat gab am Donnerstag in einer Sondersitzung einstimmig grünes Licht für eine Vereinbarung mit der UGG, ein Memorandum of Understanding. Planung und Bau des Netzes betreibt die UGG eigenwirtschaftlich, das heißt: auf eigene Kosten und Risiken, der Stadthaushalt wird laut Oberbürgermeister Marold Wosnitza nicht durch eine finanzielle Beteiligung belastet. „Es gibt auch keine Markterkundung. Das heißt: Die UGG sucht sich nicht erst Kunden und entscheidet dann, ob sich ein Ausbau lohnt. Sondern sie baut ohne Rosinenpickerei. Ein großer Unterschied zu einigen Wettbewerbern“, sagte Wosnitza nach der nichtöffentlichen Sondersitzung.
Die Bürger sollen im November bei einer Veranstaltung in der Festhalle und dann fortlaufend informiert werden. Die Stadt bereitet eine Informationsplattform vor, über die die Zweibrücker etwa den Baufortschritt abschätzen können und sehen, wann ihr Straßenzug an der Reihe ist. Die in Abschnitte sich über zweieinhalb bis drei Jahre über die Stadt ziehende „Wanderbaustelle“ soll im April/Mai kommenden Jahres beginnen. UGG arbeitet mit einem Generalunternehmer zusammen, auf jeden Fall werde es deutschsprachige Ansprechpartner in der Projektbetreuung und auf der Baustelle geben, versicherte etwa der Expansionsmanager Ralf Stratmann. Die UGG ist ein 2020 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen der spanischen Telefónica und des deutschen Versicherers Allianz.
Wosnitza: Eröffnet „Wohnstadt“ Zweibrücken große Chancen
Es sei ein „Quantensprung“ für die digitale Infrastruktur der Stadt, stärke auch Zweibrücken als Wirtschaftsstandort, so OB Wosnitza. Viele Anwendungen, ob beruflich oder privat, hingen von schnellen Netzen ab. Auch die zunehmend digitalisierte Kommunalverwaltung. „Wenn die Menschen nicht mehr auf die Infrastruktur von Metropolen angewiesen sind, ergeben sich für den ländlichen Raum ganz neue Perspektiven. Gerade für Zweibrücken mit seinem anerkannt hohen Wohnwert“, sagte der Oberbürgermeister.
UGG schätzt, 500 Kilometer Gräben überwiegend auf Gehwegen ziehen zu müssen. Es seien Leerrohre 45 Zentimeter unter der Erde zu verlegen, in die die Glasfaser-Bündel dann eingezogen würden. „Im Idealfall sieht ein Zweibrücker, der tagsüber auswärts arbeitet, unsere Mitarbeiter nicht. Denn wir öffnen und schließen die Baustelle vor seinem Haus innerhalb eines Tages“, sagt Matthias Nass, Beauftragter der UGG. Man ziehe nur etwa 15 Zentimeter breite Gräben für die Rohrverlegung. Das Glasfaser-Netz werde die komplette Stadt erschließen.
OB: Prinzip der Freiwilligkeit ganz wichtig
Den Grundstückseigentümern stehe es aber vollkommen frei, einen Hausanschluss zu beantragen. Wer nicht will, müsse nicht. Das Prinzip ist, dass der Glasfaser-Datentransfers wünschende Kunde – als Mieter nach Zustimmung des Wohnungs- beziehungsweise Hauseigentümers – einen Vertrag mit einem Internetanbieter abschließt und dieser dann den Hausanschluss bei UGG beantragt. Oder der Hauseigentümer direkt. Das UGG-Netz sei anbieteroffen. Internetdienste könnten sich einmieten. Zurzeit gebe es mit O2 zwar nur einen Provider-Partner, in Kürze werde man aber einen weiteren präsentieren. Viele andere sollen hinzukommen, erklärten die UGG-Vertreter am Donnerstag.
Oberbürgermeister Marold Wosnitza betont die Freiwilligkeit eines Netzanschlusses und erklärte das Prinzip mit einem historischen Bild: „Als vor über 100 Jahren flächendeckend Wasserleitungen gelegt wurden, konnten die Bürger ihre Häuser anschließen lassen oder darauf verzichten. Wie beim Strom, bezahlen die Bürger heute beim Wasser einen Grundpreis für den Anschluss und die Dienstleistung. Hinzu kommt der mengenabhängige Wasserpreis.“ Ähnlich sei es bei den Datennetzen. Der Internetprovider, Vertragspartner des Kunden, kalkuliere seinen Preis unter Einschluss der Kosten, die er an den Netzbauer und -betreiber UGG zu entrichten habe.
Keine Konkurrenz zu Förderprojekten „Weiße Flecken“
Die UGG sei bereit, Glasfaser-Leitungen im gesamten Stadtgebiet auszulegen. Einzige Ausnahme seien laut Wosnitza aktuelle Fördergebiete, die sogenannten „Weißen Flecke“, etwa abgelegenere Höfe, für die staatliche Förderprogramme laufen. Sollten die dortigen Netzausbauer abspringen, sei UGG auch bereit, Leitungen dorthin zu verlegen, nannte der OB ein Detail aus der Verabredung. UGG selbst sagt: Man werde kein Netz „überbauen“, für das schon einmal Steuergeld ausgegeben wurde.
Das Unternehmen will die Monate bis zum Baubeginn im kommenden April/Mai nutzen, um in die Feinplanung einzusteigen. Unter anderem geht es um die langfristige Anmietung oder den Kauf von Grundstücken für die Einrichtung von Netzübergabepunkten, den sogenannten POPs. Zurzeit seien neun dieser Technikeinheiten für Zweibrücken geplant. Die Stadt werde bei der Suche geeigneter Standorte helfen, sagte Wosnitza.
„Unsere Grüne Glasfaser“ will selbst über unterschiedliche Kommunikationsweg über ihr Vorhaben informieren – bei Veranstaltungen, über Plakate, interaktiv. Bis zum Baubeginn im April/Mai sei man bereit, auf Grundlage eines Vertrags mit dem Immobilieneigentümer die Hausanschlüsse, also von der Straße bis ins Gebäude, auf eigene Rechnung zu verlegen. „Wer das erst mal nicht will und sich später für einen Hausanschluss aus unserem Netz entscheidet, muss aber die dann noch einmal erforderlichen Bauarbeiten bezahlen“, erklärt UGG-Expansionsmanager Stratmann.