Handball RHEINPFALZ Plus Artikel SV 64 Zweibrücken schlägt Saarlouis und qualifiziert sich für den DHB-Pokal

Ausgelassen tanzt die SV 64-Truppe und besingt gemeinsam den Derbysieg gegen Saarlouis sowie den Einzug in den DHB-Pokal.
Ausgelassen tanzt die SV 64-Truppe und besingt gemeinsam den Derbysieg gegen Saarlouis sowie den Einzug in den DHB-Pokal.

Was als willkommene Gelegenheit begann, um wieder Spielpraxis unter Wettkampfbedingungen zu sammeln, endet mit einer großen Überraschung: Drittligist SV 64 Zweibrücken spielt kommende Runde im DHB-Pokal. Die Zweibrücker müssen aber bis kurz vor Spielende zittern, bis der Erfolg in der Corona-Saison feststeht.

Die Kirsche auf der Torte im Ligapokal, in dessen Gruppe Mitte die Zweibrücker nur eine Niederlage quittieren mussten und punktgleich mit Tabellenführer HSG Rodgau Nieder-Roden (9:3) die Runde abschlossen, war am Samstag der 26:24 (11:14)-Derby-Sieg gegen die HG Saarlouis. Ein ausgelassener Tanz im Siegerkreisel, ein lautstark angestimmtes „Derbysieger, Derbysieger“ waren sicht- und hörbarer Beweis dafür, dass den Zweibrückern was Großartiges gelungen war. „Fühlt sich richtig gut an“, bestätigte denn auch SV-Kapitän Philipp Hammann.

Viel Vorabarbeit für die Mediziner

Den Grundstein zum Heimerfolg hatte die medizinische Abteilung des SV 64 gelegt: Sie hatte Spielmacher Tim Götz und Abwehrchef Tom Grieser fit bekommen. Vom Anpfiff weg machten beide Teams klar, dass im ersten Pflichtspiel-Aufeinandertreffen der beiden Vereine keine Geschenke verteilt werden. SV-Torwart Alexander Dörr startete stark, entschärfte unter anderem einen Siebenmeter von Philipp Leist. 6:6 stand es, den Ausgleich hatte Tom Ihl für den SV geworfen, als der bärenstark haltende Darius Jonczyk zum Top-Rückhalt der HG avancierte. Er verhinderte mehrfach, auch bei doppelter Unterzahl seines Teams, ein SV-Tor.

Der junge Marko Grgic, der seine Klasse gerade im ersten Durchgang mehrfach aufblitzen ließ, und der Franzose Loic Laurent hatten Anteil daran, dass Saarlouis auf 10:7 wegzog. SV-Coach Stefan Bullacher nahm eine Auszeit. Tim Götz verkürzte danach auf 8:10, und der gut aufgelegte Benny Zellmer glich mit zwei erfolgreichen Gegenstößen zum 10:10 aus. HG-Trainer Philipp Kessler bat nun seinerseits seine Truppe zur kurzen Besprechung, holte Laurent, der durch Fehler die Gegenstöße begünstigt hatte, vom Feld. Saarlouis ging bis zur Halbzeit verdient mit 14:11 in Führung.

Ivankovics Top-Paraden

Als die Zweibrücker mit zwei Fehlwürfen in den zweiten Durchgang starteten, Grgic auf 15:11 erhöhte, sah alles nach einem Sieg des langjährigen Zweitligisten aus. Jetzt aber avancierte SV-Torwart Marko Ivankovic zum Top-Rückhalt. „Und du wolltest nicht spielen“, gratulierte SV-Trainer Bullacher seinem Torwart hernach scherzend zur guten Leistung. Tags zuvor war Ivankovic nämlich in einen Autounfall verwickelt gewesen. Mit sechs klasse Paraden setzte er entscheidende Akzente. Vorne zeigte nun Tim Götz, warum ihn HG-Trainer Philipp Kessler an diesem Abend zu Recht als „den Unterschiedsspieler“ heraushob. Auch für Bullacher war klar: „Spieler des Abends“. Götz hatte sichtlich keine Lust mehr, dass Jonczyk viele Duell gewann. „Der war schon gut“, lobte Götz ihn, begann nun aber seinerseits, den gegnerischen Torwart zu zermürben. Sensationell sein Treffer zum 12:15, als er am eigenen Sechsmeterraum den Ball bekam, über das gesamte Spielfeld lief, sich nicht stoppen ließ und mit aller Wucht aus zwölf Metern ins untere Eck abschloss. „Wir haben ihn nicht in den Griff gekriegt“, bestätigte Kessler.

Sebastian Meister nach Götz-Zuspiel zum 13:16, Tim Schaller, der zur HG Oftersheim/Schwetzingen – unter dem Trainer und Ex-Nationalmannschafts-Rechtsaußen Holger Löhr Letzter der Ligapokal-Gruppe Süd – wechseln wird, zum 14:16 und 15:16: Der SV war wieder da und glich beim 17:17 durch Kockler erstmals wieder aus. Ex-VTZ-Spieler Tom Paetow hielt in der Folge seine Mannschaft im Spiel. Jonczyk gab sich im Duell mit Götz nach 52 Minuten geschlagen, machte Platz für Patrick Schulz.

Es blieb spannend bis zum Schluss. 25:24 führte der SV 64. Technischer Fehler Zweibrücken, die Chance für Saarlouis. Fehlabspiel Saarlouis, wieder Ballbesitz Zweibrücken. Und zwölf Sekunden vor dem Abpfiff ließ Kockler mit seinem Tor zum 26:24 alle Zweibrücker Jubeldämme brechen. Glücklich, meinte Bullacher zum Sieg, aber verdient; da war er sich mit Kessler einig.

So spielten sie

SV 64 Zweibrücken: Dörr, Ivankovic (ab 31.) - Ihl (1), Götz (10/2), Kockler (5) - Hammann (2), Grieser - Meister (1) – Zellmer (4), Schaller (3), Gohl, Huber, Schwarzer, Eisel, Naumann

HG Saarlouis: Jonczyk, Schulz (ab 52.) - Becker (1), Paetow (6), Grgic (6/1) - Leist (3), Walz (2) - Kurotschkin (1) – Thierry (3), Laurent (2), Wagner, Reinshagen

Spielfilm: 6:6 (16.), 7:10 (21.), 10:10 (24.), 11:14 (Halbzeit), 11:15 (32.), 15:16 (38.), 17:17 (42.), 20:20 (48.), 25:24 (58.), 26:24 (Ende) - Zeitstrafen: 2:3 - Siebenmeter: 3/2 - 3/1 - Beste Spieler: Götz, Ivankovic, Zellmer - Jonczyk, Grgic, Paetow - Schiedsrichter: Kijowsky/Strüder (HV Rheinhessen).

x