Zweibrücken Streit und Flirt im Abendzug

Dreh im Regionalzug (von links): Boom-Operator Ksenia Cherkashina, Lukas Weishaar und Kameramann Tobias Bosseck ...
Dreh im Regionalzug (von links): Boom-Operator Ksenia Cherkashina, Lukas Weishaar und Kameramann Tobias Bosseck ...
... und das wird auch gedreht: Stefan (Niklas Kafitz) will seine Ruhe haben, da setzt sich Melissa (Kira Richter) ihm gegenüber.
... und das wird auch gedreht: Stefan (Niklas Kafitz) will seine Ruhe haben, da setzt sich Melissa (Kira Richter) ihm gegenüber.
... und das wird gedreht: Melissa kommt und lacht.
... und das wird gedreht: Melissa kommt und lacht.

Realisierbar, mit einem kleinen Budget und einer Produktionszeit bis Juni: Das sind die Vorgaben, die der 22-jährige Zweibrücker Student Lukas Weishaar für seinen ersten Film von der Hochschule Offenburg bekommen hat. Der Dreh fand in nur vier Tagen statt – mit den Hauptdarstellern Niklas Kafitz und Kira Richter, ebenfalls aus Zweibrücken. Auch der Filmmusik-Komponist Nicolas Groß ist aus Zweibrücken.

Gedreht wurde die Komödie „Feierabendentzug“, die Lukas Weishaar auch selbst geschrieben hat. Sie handelt von dem jungen Möchtegern-Bürohengst namens Stefan (gespielt von Niklas Kafitz), der nach einem langen Arbeitstag in der Bahn sitzt und einfach nur nach Hause will – was nicht so einfach ist. In Gedanken liefert sich Stefan beim Zeitunglesen einen heftigen Schlagabtausch mit seinem Chef. In Wirklichkeit ist er nicht so wortgewandt, wie er meint und macht immer stillschweigend alles, was sein Chef will. Der Zug ist leer, bis die tollpatschige Melissa (gespielt von Kira Richter) zusteigt und sich trotz des leeren Zugs Stefan gegenüber setzt. Es beginnt ein wildes Durcheinander mit zaghaften Flirts, wilden Streitereien und einer Konfrontation mit dem Schaffner (gespielt von Gerolf Albrecht-Kuhlmann). Mitten in diesem Durcheinander sitzt der zurückhaltende Stefan, der eigentlich nur in Ruhe seine Zeitung lesen will. Lukas Weishaar hat 2014 sein Abitur am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium gemacht. Auf seinen Studiengang ist er „über einen damaligen Filmdreh der Hochschule Offenburg im Saarland aufmerksam geworden“, erzählt Weishaar. Zuvor habe er sich schon über andere Studiengänge im Bereich Film erkundigt. „Die Crew besteht größtenteils aus Leuten meines Studiengangs“, sagt Weishaar. Gefilmt wurde mit einer 17-köpfigen Crew und drei Schauspielern. Die Darsteller von Stefan und Melissa sind Freunde aus Zweibrücken und Umgebung, der Darsteller des Schaffners ein Theaterpädagoge aus Flözlingen. An den Schauspieler des Schaffners werde er sich noch lange erinnern, da der aufgrund einer Verwechslung den „Regie-Assistent Benedikt spontan Bernhard getauft hat, und er für den ganzen Dreh von allen nur mit Bernhard angesprochen wurde“, erzählt Weishaar. Acht Minuten soll der fertige Film lang sein, er wird etwa 2500 Euro kosten. Auf die Frage nach der Finanzierung antwortet Weishaar: „Wir haben kein Budget von der Hochschule, aber bekommen von ihr alles, was wir an Technik brauchen, kostenlos zur Verfügung gestellt. Die restlichen Kosten müssen wir über Sponsoren decken – oder wir bleiben im schlimmsten Fall darauf sitzen.“ Gedreht wurde in einem stillstehenden Zug auf dem Gelände der Eisenbahnfreunde Zollerbahn in Rottweil, 90 Kilometer südlich von Stuttgart. „Gedreht wurde dort, weil es erstens nicht leicht ist, bei der Bahn eine Genehmigung zu bekommen, und zweitens auch nicht leicht ist, mit dem ganzen Technik-Arsenal in einem fahrenden Zug zu drehen“, erläutert Weishaar. Zudem standen am Drehort auch eine Küche und ein Aufenthaltsraum zur Verfügung. „Der Film muss im Juni, pünktlich zur Semester-Abgabe, fertig werden“, sagt Weishaar. „Die Postproduktion wird in den Studios und Labors der Hochschule stattfinden – oder die Verantwortlichen machen es zu Hause, je nach Vorliebe und Möglichkeiten.“ Die Tonnachbearbeitung muss zwangsläufig an der Hochschule gemacht werden, weil nach dem Dreh noch der innere Monolog von Stefan in der Sprecherkabine aufgenommen wird und in den Audio-Laboren große Datenmengen mit Foleys (Geräuschemachern) zugänglich sind. Schnitt und Colorgrading (Farbkorrektur) sind dagegen relativ unabhängig machbar. Die Premiere des Films ist bei der Werkschau der Hochschule zum Semesterende. Er wird bei möglichst vielen Filmfestivals eingereicht – die Entscheidung, ob er dort auch gezeigt wird, liegt jedoch bei den Festivals, erklärt der Regisseur: „Wir rackern uns aber ab, dass er so oft wie möglich gezeigt wird.“ In etwa einem Jahr, wenn die Festivalauswertungen vorbei sind, werde der Film im Internet auf Youtube oder Vimeo zu sehen sein. „Die Dreharbeiten an sich verliefen ziemlich gut, nur zum Schluss wurde die Zeit etwas knapp, weshalb wir montags noch mal um 6 Uhr morgens ein paar letzte Einstellungen drehen mussten“, zieht Lukas Weishaar die Bilanz seines ersten Drehs. Das Drehbuchschreiben und die Arbeit am Set machen ihm sehr viel Spaß. „Am Filmemachen gefällt mir vor allem das Erzählen einer Geschichte, bei der der Zuschauer hoffentlich das ein oder andere Lachen springen lässt. Und dass man ein Team bildet, in dem alle an einem Strang ziehen müssen, wenn es was werden soll“, erzählt Weishaar. Info facebook.com/feierabendentzug/

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