Handball
Nach 27 Jahren wird in Contwig wieder Handball gespielt
Handball in Contwig – das war eng mit dem Namen Jörg Semar verbunden. In doppelter Form. Beide Semars haben die Zeit in Contwig in guter Erinnerung. Einige Jahre haben sie dort sogar gemeinsam in unterschiedlicher Funktion verbracht. „Ich wohne knapp zwei Minuten von der Contwiger Sporthalle entfernt. Vielleicht schaffe ich es, mir mal wieder ein Spiel dort anzuschauen“, sagt Jörg Semar. 57 Jahre ist er alt und aktuell Physiotherapeut beim Handball-Oberligisten SG SV 64/VT Zweibrücken. Manchmal, bekennt er, müsse er schon schmunzeln. „Physiotherapeut, das gab es zu unserer Handballzeit nicht“, sagt Semar, der auch als Sportlehrer bei der Heinrich-Kimmle-Stiftung in Pirmasens arbeitet. Er spielte selbst Handball und war Trainer: bei der VT Contwig.
Wo einst die Contwiger Handballer zu Hause waren, trägt nun Pfalz-Verbandsligist TV Thaleischweiler seine Heimspiele aus, weil die Halle in Thaleischweiler-Fröschen derzeit geschlossen ist. Nach einem Wasserschaden durch eine offenbar missglückte Dachsanierung ist die Halle der Integrierten Gesamtschule wohl noch bis Ostern gesperrt. Beim Debüt im Notquartier in Contwig, wo der TV Thaleischweiler die meisten Spiele der Rückserie austragen wird, steigt am Samstag ab 17 Uhr für die TVT-Herren gleich ein Gipfeltreffen: Spitzenreiter Thaleischweiler (ein Verlustpunkt) empfängt den Vierten TSV Kandel (fünf Verlustpunkte).
Jörg Semar, der Ältere: Mit der Jugend bis nach Schweden und Holland
Bis in die Verbandsliga führte damals auch der Weg der Contwiger Handballherren. Jörg Semar war zudem erfolgreich als Jugendtrainer, er trainierte die B- und die A-Junioren, die in der damals höchsten Jugendklasse, der Pfalzliga spielten und auch mal Vizemeister wurden. Auch international war der Contwiger Nachwuchs am Ball. „Wir waren bei Turnieren in Schweden und Holland“, erinnert sich Semar.
Ein Spieler, den Semar als Jugendverantwortlicher trainierte, hieß wie er selbst: Jörg Semar, heute 51 Jahre alt, und Berater bei der RHEINPFALZ. Auch der jüngere Semar – die beiden sind nicht verwandt oder verschwägert – wohnt in Contwig. „Handball erlebe ich heute nur noch als Zuschauer in Zweibrücken. Die Stadtderbys waren immer was Besonderes“, sagt der Jüngere. Über den älteren Jörg sagt er: „Das war ein Super-Trainer. Er war ja nicht viel älter als wir, da hat die Chemie gestimmt.“
Jörg Semar, der Jüngere: ein Super-Trainer, eine Superzeit
Der jüngere Semar verließ Contwig zunächst Richtung Neunkirchen, wechselte dann zu Regionalligist SG Waldfischbach, wo er unter anderem zusammen mit dem Zweibrücker Ex-Nationalspieler Hansi Müller spielte. Ein Unfall, bei dem das Kreuzband riss, ließ ihn früh mit dem Handball aufhören. Jahre später spielte er noch mal für die VT Zweibrücken II.
Die VTZ hat auch der ältere Semar in seiner Vereinslaufbahn stehen. In Contwig hatte er mit Turnen begonnen, war als 15-Jähriger zum Handball gewechselt und hatte bereits als 18-Jähriger seine B-Trainerlizenz gemacht. Die Contwiger Handballer waren damals bekannt für gute Jugendarbeit. Mit dem jüngeren Semar war beispielsweise Michael Stein Vize-Pfalzmeister geworden, der später für Friesenheim spielte. „Das war schon eine Superzeit“, erinnert sich der jüngere Jörg Semar gerne. Sein Jugendjahrgang, „aber auch die A-Jugend vor uns war schon stark gewesen“, sagt er über die gute Jugendarbeit.
Contwiger Niedergang Mitte der 1990er
Sein älterer Namensvetter fühlte sich als Spieler auf der Mittelposition, als Spielgestalter sehr wohl und war bereits als 20-Jähriger erstmals Spielertrainer bei den VTC-Männern. Dass die Handballwelt klein ist, „betätigt sich immer wieder“, sagt Jörg Semar, der als Physiotherapeut beim SV 64 Zweibrücken wieder zum Handball fand. Denn: „Ein SVler hatte großen Anteil daran, dass in Contwig Handball gespielt wurde. Peter Ehrmanntraut vom SV 64 war damals an der Schule in Contwig Lehrer und brachte die Kinder zum Handball“, erinnert er sich.
In der ein oder anderen Saison konnte er sich aufs Spielen konzentrieren. Zum Beispiel, als Michael Schäfer aus Kirkel die Contwiger Handballer trainierte und sie als Meister in die Verbandsliga führte. Als Schäfer ging, übernahm erneut Semar. Aber langsam neigte sich das Contwiger Handballkapitel dem Ende zu. „Das war Mitte der 1990er-Jahre“, erinnert er sich. Beruflich, familiär und studienbedingt wurden es weniger Spieler. 1996 wurde kein Herrenteam mehr gemeldet.
Später auf Klettern umgesattelt
So kam es zum VTZ-Engagement von Semar. Zweibrücken hatte ihn gefragt, ob er nicht Spielertrainer der VTZ-Zweiten werden wolle. „Das war eine gute Truppe. Da klar war, dass in Contwig nicht mehr gespielt werden würde, habe ich ja gesagt“, erinnert sich Semar. Die Überraschung im ersten Training: Es waren nur wenige Spieler da. Auch in Zweibrücken hatten einige aufgehört. Und bei der VTZ war man davon ausgegangen, „dass ich ein paar Spieler aus Contwig mitbringe“, erinnert sich Semar lachend.
Mit 32 Jahren hängte er die Handballschuhe an den Nagel. „Ich habe lange keine Handballhalle betreten“, sagt er. Er wollte nicht wieder „rückfällig werden in Sachen Handball“, verrät er. Zumal er längst im Klettern erfolgreich war. Semar betreibt heute die Kletterschule 6 Plus in Contwig, hat sich auf das Klettern im Pfälzerwald spezialisiert, „das herausfordernd ist“, sagt er. Viele Jahre trainierte er auch die Zweibrücker Kletterer in der Halle, war Landestrainer und feierte mit den Kletterern Erfolge auf Nationalmannschaftsebene. Auch da war er, wie beim Handball in Contwig: „ein Super-Trainer“.