Zweibrücken
Mittelbacher Bürger kritisieren Windrad-Firma heftig
Die Firma, die mit sechs eigenen Fachleuten und einem Technik-Experten des Anlagenherstellers Enercon angereist war, hatte am Dienstagabend, 29. März, ursprünglich an fünf Stationen Einzelthemen erörtern wollen, jeweils in Kleingruppen. Doch dies lehnte der Großteil der eingeladenen Mittel- und Hengstbacher ab. Die Bürger wollten alle Antworten der BayWa-re-Verantwortlichen hören und gemeinsam diskutieren. „Kommen Sie in vier Wochen wieder und bringen Sie Mikrofone und Lautsprecher mit“, rief ein Besucher der BayWa-Projektleiterin Nicole Roth zu. Die bat, lieber bei ihr Dampf abzulassen und nicht bei ihren Kollegen, die auf Kritik nicht vorbereitet seien.
Vorbereitet waren hingegen die Windrad-Gegner. Allen voran die Mitglieder der Bürgerinitiative Pro Dörrenbachwald. Diese will die beiden riesigen Windräder am Südzipfel der Zweibrücker Gemarkung verhindern. Die Anlagen sollen 200 Meter von der Landesstraße 465 entstehen – eine auf einer Anhöhe an der Zufahrt zum Wahlerhof, die andere auf einem Hügel nördlich der Bickenaschbachermühle. Heftig kritisiert wurde die angekündigte Höhe von 240 Metern. Manfred Dörner vom Verein Pro Dörrenbachwald zog Vergleiche zu bereits bestehenden Anlagen in der Region. So seien die Rotoren auf dem Webenheimer Renkersberg rund 100 Meter hoch, die auf der Weißen Trisch 140 Meter. Mehrere Diskutanten bezeichneten die beiden geplanten Windräder schlicht als „Monster“.
Dettweiler: Nicht gegen Windkraft, aber gegen Windkraft im Wald
Neben der Höhe, von der viele Bürger Schattenwurf und weitreichende Lärmbelästigung fürchten, wurde auf Erosion und Bodenverdichtung sowie auf die Zerstörung des Lebensraums der Wildkatze hingewiesen, die an beiden Standorten vorkomme. Kurt Dettweiler, Ortsvorsteher von Mittelbach-Hengstbach: „Ich bin nicht gegen Windkraft, aber ich bin gegen Windkraft im Wald.“ Der Hengstbacher Immobilienkaufmann Klaus Baumann konfrontierte die Projektleiterin Nicole Roth mit einer Untersuchung, laut der Immobilien im Umkreis von Windkraftanlagen bis zu 23 Prozent an Wert verlören. Seine Frage an BayWa, wer diesen Nachteil ausgleiche, blieb unbeantwortet. Ebenso die Fragen vieler weitere Bürger.
Erika Watson, Vorsitzende von Pro Dörrenbachwald, wollte von BayWa wissen, wie ein Gebiet, das 2018 als ungeeignet eingestuft wurde, jetzt plötzlich für Windräder geeignet sei. Zumal bereits damals der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) als Untere Naturschutzbehörde die Verwendung bestehender Waldwege als nicht möglich bezeichnet habe. Watson zitierte aus einer Eingabe des UBZ vom damaligen Flächennutzungsplan für dieses Gebiet, der nie beschlossen wurde.
Starkes Misstrauen wird deutlich
Nach Nicole Roths Worten ergibt sich das Interesse ihrer Firma aus genau diesen Untersuchungen von damals. Ein Kampfmittel- sowie Bodengutachten seien bereits erledigt, der Bauantrag für die beiden Windräder liege schon beim Zweibrücker Ordnungsamt, das zusammen mit dem Bauamt entscheide. „Kann die Genehmigung noch versagt werden?“ fragte eine Frau. Roth: „Schwer zu sagen.“
Unterm Strich bleiben von diesem Dienstagabend ein chaotischer Schlagabtausch, eine Windkraftfirma in der Defensive und die Ablehnung der Rotor-Standorte bei der überwältigenden Mehrheit der Anwesenden, die ihre Argumente nicht gewürdigt sah. Ein, zwei Besucher versuchten streng sachlich mit Ertrag und der potenziellen Einsparung von Co2, Öl, Gas und Strom zu argumentieren. Der Großteil der Diskutanten traute aber weder den Grenzwerten bei Lärm oder Abstand zur Wohnbebauung noch den Vertretern von BayWa und Enercon. „Sie machen den Gewinn, und wir tragen die Last in Form von Umweltzerstörung und Lärm“, klagte ein Hengstbacher.
Charme-Offensive bleibt chancenlos
Mehrere Anwohner sahen die geplante Stromtrassenführung bis zum Einspeisepunkt im Wolfsloch als zu lang an. Zudem, so Mitglieder von Pro Dörrenbachwald, durchschneide der Trassengraben die Lehmschicht, was dort den Wald austrockne. Harald Bohl vom Zweibrücker Ordnungsamt stellte klar: „Zweibrücken hat keine Vorrangflächen für Windkraft ausgewiesen, und ab diesem Moment dürfen Interessenten überall eine Anlage beantragen.“ Und dies ist die Krux der Diskussion, die am Dienstagabend lang und zuweilen laut geführt wurde. Dabei machte die Projektgesellschaft nicht immer die beste Figur. Antworten schuldig blieb sie etwa zum genauen Frequenzband der Infraschall-Emissionen. „Das müssen wir den Schallgutachter fragen bei der Offenlage“ sagte Nicole Roth.
Dabei hatten sich BayWa und Enercon große Mühe gegeben, zu einem netten Abend einzuladen. Sogar Malbücher und Spielzeugautos für Kinder lagen bereit, Blühwiesensamen fürs grüne Image und Broschüren von BayWa. Doch gegenüber dem elf Themen starken Fragenkatalog der kritischen Bürgerinitiative und der Wut diverser Anwohner blieb die geplante Charme-Offensive chancenlos.