Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel EHC beklagt Zuschauerschwund

Sieht den EHC „absolut im Soll“: Thorsten Rehfeld.
Sieht den EHC »absolut im Soll«: Thorsten Rehfeld.

Die Zeit zwischen den Jahren ist auch die Zeit, um Bilanz zu ziehen. Der Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken liegt nach zwölf von 18 Hauptrundenspielen auf Platz drei der Liga und hält Kurs auf die Play-Offs. Die RHEINPFALZ sprach mit dem Sport-Verantwortlichen Thorsten Rehfeld über Aktuelles rund um den Viertligisten.

Herr Rehfeld, wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison? Sowohl sportlich als auch was das Umfeld betrifft?
Sportlich bin ich sehr zufrieden. Wir liegen von der Platzierung und von den Punkten absolut im Soll. Was mich am meisten überrascht hat, waren die zwei Siege gegen den selbst ernannten Aufstiegsfavoriten aus Stuttgart. Trotzdem haben wir das ein oder andere Spiel unglücklich verloren. Jeder kann sich ja ausrechnen, wo wir ohne diese teilweise unnötigen Niederlagen stehen würden. Was mich allerdings etwas enttäuscht ist der Zuschauerzuspruch. Als Beispiel nehme ich mal das Spiel gegen Bietigheim an einem Freitagabend, eigentlich einem klassischen Eishockey-Spieltag. Da hatten wir nur 307 Zuschauer. Und auch in den Spitzenspielen gegen Stuttgart, Heilbronn und Hügelsheim waren es nur zwischen 420 und 650 Zuschauern. Dabei zeigen wir gute Spiele. Man hört und liest zwar insgesamt von einem Rückgang, auch in den Profi-Ligen. Dass es aber anders geht, zeigt auch Hügelsheim. Die hatten gegen Stuttgart knapp 1000 Zuschauer. Wir fragen uns alle, woran das liegt. Nachwirkungen von Corona? Fußball-Weltmeisterschaft? Und dann fragen wir uns natürlich, was wir dagegen tun können.

Wie viele Zuschauer fehlen im Vergleich zu den Vorjahren?
So zwischen 150 und 200 pro Heimspiel im Vergleich zum Vorjahr.

Trotzdem konnten sie in der aktuellen Transferperiode im Dezember nochmals stark auf dem Transfermarkt nachlegen. Mit Justin Grillo kam ein zweiter Kontingentspieler, mit dem Tschechen Jaroslav Adolf – er fällt als EU-Ausländer nicht unter das Ausländerkontingent – und Rückkehrer Claudio Schreyer zwei weitere Leistungsträger. Kann jetzt nur die Meisterschaft das Ziel sein?
Das muss man relativieren. Claudio war mit seiner Ausbildungszeit an der Ostsee fertig und ist beruflich wieder hier in der Nähe eingesetzt. Es war klar, dass er wieder zu uns zurückkehrt, wenn er wieder in unsere Region zieht. Jaroslav arbeitet als Krankenpfleger in Kirkel und so kam der Kontakt zu ihm zustande. Und Justin Grillo bekamen wir nur über den Kontakt mit unserem anderen US-Amerikaner Michael Morrissey. Die beiden haben früher zusammengespielt, Grillo spielte bis zuletzt in Schweden und wurde nun frei. Er kann bei Michael wohnen, so ist das für uns eine preiswerte Lösung. Hinzu kommt, dass mit Marc Lingenfelser ein Stürmer aufgehört hat und wir kurzfristig Ersatz brauchten. Unsere Zielsetzung für die Hauptrunde hat sich nicht geändert: Wir wollen uns noch mindestens einen Platz verbessern und unter die ersten zwei der Tabelle, um einen Vorteil in den Play-Offs zu haben. Dort werden die Karten ohnehin neu gemischt. Aber ja, wir haben eine richtig gute Mannschaft wenn alle fit sind.

Fast alle Sportvereine klagen über die hohen Energiekosten. Gerade die Eishalle ist ja sehr energieintensiv. Wie kann der Verein das alles stemmen, auch für die Zukunft?
Wir sind ja nur Mieter der Eishalle. Hier können wir froh sein, mit Herrn Doll einen Vermieter zu haben, der uns immer schon finanziell entgegenkommt und unterstützt. Ohne ihn würde vieles nicht so funktionieren. Aber klar, insgesamt ist vieles teurer geworden: Steigende Benzinpreise für unsere Spieler, die ja teilweise über 100 Kilometer einfache Fahrt zum Training und den Spielen haben, rund 30 Prozent steigende Schiedsrichterkosten, welche großteils ebenfalls den gestiegenen Benzinpreisen geschuldet sind, steigende Buskosten für die Auswärtsfahrten, wobei uns das Busunternehmen hier auch sehr entgegenkommt. Das alles summiert sich, aber aktuell sind die Steigerungen noch moderat. Wie das in Zukunft aussieht, wird sich zeigen.

Das Heimspiel gegen Mannheim am 18. Dezember war schon das zweite Spiel, welches vom Gast abgesagt wurde. Dabei muss die Hauptrunde bis Anfang Februar abgeschlossen sein. Insgesamt fällt auf, dass in der Liga einige Spiele abgesagt werden, zudem spielen ja nur noch sieben Mannschaften mit. Wenn sie über die Saison hinaus denken, wie geht es hier weiter?
Zunächst mal sind wir froh, dass Bietigheim, welche das erste Spiel bei uns abgesagt hatte, auch mit einer Rumpfmannschaft zum Nachholtermin gekommen ist. Das war sehr sportlich. Die Absage von Mannheim hat weg getan, weil sie keine 24 Stunden vor dem Spiel kam. Wir wollten unsere Sponsoren einladen und hatten schon ein Buffet bestellt. Das konnten wir nicht mehr abbestellen. Insgesamt ist die Anzahl von nur sieben Mannschaften in der Liga sehr unbefriedigend. Unser Anliegen ist eine attraktive Liga. Vielleicht kommen ja nächstes Jahr Teams wie Schwenningen, Eppelheim oder Freiburg wieder dazu. Auf der anderen Seite droht natürlich auch der Aufstieg von Stuttgart oder der Rückzug von Bietigheim. Ich sag es mal so: Aus jetziger Sicht ist für uns eine Liga mit nur sechs Mannschaften nicht darstellbar. Auch hier müssen wir abwarten, was der Sommer so bringt.

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