Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Die Trainer im Raum Zweibrücken kennen ihre Pappenheimer

kaderzusammenstellung

In Corona-Zeiten ist es mit der Planbarkeit so eine Sache. Sommerurlaub, Sporttreiben in Sporthallen oder Fitnesscentern, Treffen mit Freunden: Keiner weiß so recht, wann das wieder möglich ist. Ähnlich schwierig ist das Planen für die Vereinsverantwortlichen, die jetzt die Mannschaften für die neue Saison zusammenstellen wollen und müssen.

Spätestens die Jahreswende ist eigentlich der Zeitpunkt, an dem die Trainer und Klubchefs verschiedenster Sportarten anfangen, die Weichen zu stellen für die meist im darauffolgenden Sommer beginnende neue Spielzeit. Im Fußball sitzt den Verantwortlichen auch die Wechselfrist Ende Januar im Nacken. Wie sind die Trainer in dieser zweiten Corona-Saison nacheinander damit umgegangen, dass ein Sichten von potenziell neuen Spielern so gut wie gar nicht möglich war – weil eben bisher kaum gespielt wurde?! Und ein Einladen zum Probetraining ist gerade ebenfalls nicht drin – weil nicht trainiert werden darf. Wie stellt man unter solchen Umständen eine neue Mannschaft zusammen, die dann konkurrenzfähig ist? Man will ja nicht die Katze im Sack kaufen.

Handball: Es läuft viel über Videoportale

„Ich war tatsächlich schon lange nicht mehr in einer Halle, um mir einen Spieler vor Ort anzusehen“, sagt Stefan Bullacher, Trainer von Handball-Drittligist SV 64 Zweibrücken, „in unserem Bereich läuft das inzwischen alles über Videos“. Alle Drittligisten hätten ja trotz allem mindestens zwei, drei Partien gehabt, da habe man die interessanten Spieler schon sehen können. Ansonsten sei er gut vernetzt über die diversen Videoportale, alle zwölf Oberligen deutschlandweit hätten da ihre entsprechenden Datenbänke.

Daneben gebe es natürlich auch Spielerberater, die einem immer mal einen Namen für die Dritte Liga zurufen. „Vor allem bei Spielern, die bisher noch nicht in Deutschland gespielt haben, bekommt man auch da Videozusammenschnitte“, verdeutlicht der 52-Jährige. „Ich rufe dann Leute an, die ich kenne – und die den betreffenden Spieler kennen“, sagt Bullacher. Aber hauptsächlich zähle der persönliche Eindruck. Da habe der SV 64 Zweibrücken als Drittligist das Glück, selbst derzeit Spieler zu einem Probetraining einladen zu dürfen, „da haben wir keine Einschränkungen“. Natürlich nur mit vorhergehendem Corona-Test. Dass die Zweibrücker jetzt schon wissen, dass es keine Absteiger gibt und sie auch in der kommenden Saison in der dritthöchsten deutschen Spielklasse antreten dürfen, sei darüber hinaus „einen Riesenvorteil, eine super Verhandlungsbasis“, weiß Bullacher.

Zuerst spreche der Verein aber mit den eigenen Spielern. Allerdings sei das neue Jahr jetzt schon ein paar Tage alt, da müsse man bald Nägel mit Köpfen machen. „Wir hatten auch schon mehrere auswärtige Spieler bei uns im Training, weil sich einige von unseren Spielern nicht recht entscheiden können“, teilt der A-Lizenz-Inhaber mit. In der Saarlandliga, der höchsten saarländischen Spielklasse, schaue er aber nicht nach einem Drittliga-Spieler. „Und in der Oberliga Südwest kenne ich alle, die für uns in Frage kommen. Da müsste auch keiner ins Probetraining kommen“, versetzt Bullacher lachend.

Wiese: Zähe Verhandlungen derzeit

„Wir sind gerade mittendrin“, sagt Philip Wiese, Teil des Trainerduos von Handball-Oberligist VTZ Saarpfalz (mit Kai Schumann), zum Thema Kaderplanung.

Wie geht man als Coach damit um, wenn man die eigenen Spieler – außer vielleicht in Testspielen vor der Saison – gar nicht im Wettkampf hat beurteilen können? Die VTZ hatte bis zum Saisonabbruch der RPS-Oberliga Ende Januar ja kein einziges Spiel bestreiten können.

Auch bei der VTZ stehen naturgemäß erst Gespräche mit den eigenen Spielern an. „Das läuft positiv, bei dem ein oder anderen gibt es noch kleine Fragezeichen wegen der beruflichen Situation“, sagt der 35-Jährige. Punktuell wolle die VTZ den Kader noch etwas breiter aufstellen, mit jungen Spielern aus der Region. Dafür seien Schumann und er gut vernetzt. Natürlich laufe inzwischen viel über Videos, aber in der Saarlandliga schaue er sich schon auch Spiele selbst an. Oder er kenne Spieler noch aus Vorbereitungspartien.

„Rekrutierungsgespräche“ laufen laut Wiese dann online, anders gehe das derzeit nicht. Auch weil die VTZ nicht trainiert, ein Probetraining ist daher nicht möglich. Beim Oberligisten hält man noch für verschiedene Positionen Ausschau nach Verstärkungen, unter anderem nach einem gelernten Kreisläufer. „Da hatten wir den Abgang von Erik Zilincik nicht sofort ersetzt, Robin Schweitzer und Dominik Rifel hatten da ja ausgeholfen“, sagt Wiese. Insgesamt gestalten sich Gespräche mit möglichen Neuzugängen aber relativ zäh. „Viele finden es wohl blöd, etwas halbgar zu beenden“, meint er dazu, dass in der jetzigen Spielzeit so gut wie noch gar nicht gespielt wurde.

Rubeck: Gutes Netzwerk ist wichtig

Peter Rubeck, ein erfahrener Fußballtrainer in der Region, jahrelang in Ober- und Regionalliga beim SVN Zweibrücken tätig und künftig Coach von Landesligist TSC Zweibrücken, verlässt sich vor allem auf seine Kontakte aus der Vergangenheit und sein über die Jahre aufgebautes gutes Netzwerk. „Früher, für die oberen Klassen, sind mir Spieler von Spielerberatern angeboten worden. Da konnte ich ja nicht gut nach Ulm oder so fahren, nur um mir einen Spieler anzusehen“, sagt der 59-Jährige. Die drei TSC-Neuen Jan-Patrick Buchheit, Jan Tüllner und Erik Bischof kenne er allerdings noch von früher, „die habe ich alle schon mal gesehen“. Er kennt also seine Pappenheimer. Grundsätzlich sehe er sich im regionalen Raum schon immer viele Spiele an, nehme mal Spieler in Augenschein, die ihm empfohlen wurden. Als künftiger Coach des TSC Zweibrücken schaue er da demnächst auch genauer auf den FC Homburg oder auf die A-Jugend des FK Pirmasens.

Rehfeld: Personalplanung liegt auf Eis

Bei Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken, der die Spielzeit noch vor Weihnachten – ohne Eis in der Eishalle am Flugplatz – für sich selbst für beendet erklärt hatte, liegt laut Pressesprecher Thorsten Rehfeld in Sachen Kaderplanung dagegen „alles auf Eis“. Gespräche mit anderen Spielern fänden derzeit nicht statt. Die Runde sei ja offiziell noch gar nicht beendet, da denke bei den „Hornets“ noch keiner an eine Neuspieler-Akquise.

Glück im Unglück für die „Hornissen“: „80 Prozent unserer Spieler hatten sowieso Zweijahresverträge, die sind noch ein Jahr gültig“, erläutert Rehfeld. Mit Sponsoren habe man allerdings schon gesprochen. Viele seien wohl bereit, sich auch in der kommenden Spielzeit weiter zu engagieren. „Aber wie sehr die das machen, in wirtschaftlich für sie schwierigen Zeiten, muss man sehen.“ Wie es in der laufenden Regionalliga-Saison mit den anderen acht Mannschaften weitergehe, wisse er nicht. „Still ruht der See“, sagt er zur Informationspolitik des zuständigen Eissportverbandes Baden-Württemberg. Rehfeld kann sich allerdings nicht vorstellen, dass noch gespielt wird. „Ich glaube, außer Heilbronn und Ravensburg hat keiner mehr Eis in der Halle.“

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