Zweibrücken Die Spider Murphy Gang kommt

Seit drei Jahren trommelt Andreas Keller (links) bei der „Spider Murphy Gang“.
Seit drei Jahren trommelt Andreas Keller (links) bei der »Spider Murphy Gang«.

Nach der Zweibrücker Definition von klassischer Musik stammt die nicht nur von Beethoven, Mozart, Bach oder Brahms und wird nicht nur mit Geige, Cello oder Klavier gespielt. Klassiker sind auch Musiker wie Marianne Faithfull, Al Di Meola oder aktuell die Spider Murphy Gang – Klassiker der Moderne. Und die spielen dann auch mal mit E-Gitarren und anderen elektrisch verstärkten Instrumenten, von denen Beethoven oder Mozart noch nichts wussten. Unterhalter waren und sind sie aber alle, weshalb die Einteilung und damit oft einhergehende Abstufung in U- für unterhaltende und E- für ernste Musik oft eine falsche Prämisse zugrunde legt. Diese Einteilung hat nämlich nichts mit Qualität zu tun, sondern wurde von den musikalischen Verwertungsgesellschaften in Deutschland eingeführt, um Vergütungshöhen zu regeln. Die Unterscheidung ist letztlich ebenso umstritten wie die uneinheitliche Vergütung. Und so findet dann auch die Spider Murphy Gang als moderner Klassiker Eingang ins Festival Euroclassic. Immerhin besteht die Band seit 42 Jahren – eine echte Rarität in dem immer schnelllebiger gewordenen Musikgeschäft, in dem sich Künstler, Bands und mit ihnen auch Musikstile oft nur noch wenige Jahre halten. Spielfreudiger Rock’n’Roll mit Rodalber Drummer „I ziag’s net aus mei Rock’n’Roll Schua!“ („Ich ziehe meine Rock’n’Roll-Schuhe nicht aus!“). Diese Zeile aus dem gleichnamigen Song der Spider Murphy Gang sagt eigentlich alles: Die Band ist noch da. Die Veröffentlichung von Hits wie „Skandal im Sperrbezirk“ liegt schon Jahrzehnte zurück – aber die Konzerte sind immer noch packende Erlebnisse. Da rocken die Gitarren, das Piano rollt in bester Boogie-Manier. Und die ganze Band versprüht Spielfreude und gute Laune, dass niemand auf die Idee käme, hier Veteranen aus den Achtzigern vor sich zu haben. Bei denen trommelt seit 2016 Andreas Keller, der Rodalber Schlagzeuger, den es vor vielen Jahren nach München, in die Geburtsstadt der Spider Murphy Gang gezogen hat. Keller, der auch immer wieder in seiner alten Heimat auftritt – unvergessen sind die Konzerte mit Sigi Schwab –, gehört von Weltmusik über Jazz bis Rock zu den vielseitigsten Vertretern seines Fachs. Ein echter Ausnahmemusiker am Schlagzeug. Auch die anderen aktuellen Mitglieder sind erst im Laufe der Jahre zur Spider Murphy Gang gestoßen. Nur die beiden Gründer, Sänger und Bassist Günther Sigl und Gitarrist Barny Murphy, halten der Band seit 1977 die Treue. Sie sind ihr Gesicht und ohne Sigls Stimme wäre sie nicht die Spider Murphy Gang. Von der NDW-Speerspitze zurück zu den härteren Wurzeln Für nicht wenige zählt die Spider Murphy Gang seit ihrer großen Zeit Anfang der 80er Jahre zur Speerspitze der Neuen Deutschen Welle (NDW). Synthierock und Wave-Anklänge wie bei „Wo bist Du“, „Ich schau Dich an“ oder ihrem größten Hit „Skandal im Sperrbezirk“ haben für dieses Image gesorgt. 1982 wurde der „Gang“ sogar das „Goldene Bambi“ als beste NDW-Band des Jahres verliehen. Dass die Schwabinger Jungs eigentlich als traditionelle, fast puristische Rock’n’Roll-Kapelle begonnen hatten, vergaßen viele, als alles, was Deutsch sang und frech klang, mit dem Label „NDW“ behaftet wurde. Auch nach dem Ende der wohl bedeutsamsten nationalen Pop-Revolution galten die „Spiders“ landläufig als NDW-Altstars, zumindest aber und zunehmend als Mundart-Popband. Radiokompatible Arrangements, die niemandem wehtun, oft süßliche Melodien und weiche Rhythmen auf ihren Alben im Anschluss an die große Hitphase taten das übrige dazu, diese Einschätzung aufrechtzuerhalten. Die Album-Zeiten aber sind vorbei. Vorbei die Zeit, als „Dolce Vita“, das dritte Album, 1981 in Deutschland und Österreich auf Platz eins der Charts stand. Die Top-100 waren seit 1985 „Spider“-frei. Nur 2018 stand das Album „40 Jahre Rock’n’Roll“ für eine Woche auf Platz 99. Pop, Hochglanzarrangements, NDW-Spielereien und Synthieharmonien gehören der Vergangenheit an. Die Band ist zurück zu ihren Wurzeln gegangen. Rock’n’Roll – oder wie Günther Sigl es „boarisch“ formuliert – „Rax’n’Roi“ pur ist wieder angesagt. Natürlich mit bayrischer Note, denn, so die Spider Murphy Gang in einem Lied: „Mir san a bayerische Band“. Und da sich die Gruppe ihrer Historie bewusst ist, weiß, welchen Liedern sie letztlich den großen Erfolg zu verdanken hat, wird beim Konzert in Zweibrücken auch „Skandal im Sperrbezirk“ gespielt – nur eben etwas rockiger als im Jahr 1981. Karten für das Konzert sind übrigens noch nicht erhältlich.

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