Zweibrücken
Curvy Model Dina Wacker: Starke Frau in der Modewelt
Längst hat sich die Zweibrückerin auf den Laufstegen der Republik und in Fernsehsendungen einen Namen gemacht. Auch auf der Straße wird sie als Curvy Model wiedererkannt. Curvy Model? „Das ist jemand, der Mode ab Größe 40 präsentiert“, erklärt sie auf Nachfrage. Heute sitzt Dina Wacker bei diversen Curvy-Misswahlen selbst in der Jury. In der TV-Show des exzentrischen Modeschöpfers Harald Glööckler führte sie dessen Kreationen vor.
„2020 habe ich meine eigene Modekollektion für kurvige Frauen rausgebracht und ein Buch veröffentlicht“, erzählt die Zweibrückerin, die in ihrem Brötchenberuf als leitende Krankenschwester in einer gastroenterologischen Abteilung (Magen-Darm-Heilkunde) an den Homburger Unikliniken tätig ist. Ihr Buch „Sei wacker“ handelt von Selbstliebe, Selbstakzeptanz und davon, wie man seine eigenen Ziele erreichen und Träume verwirklichen kann.
„Jede Frau ist schön“
Diese Themen prägen Dina Wackers Modelkarriere und inzwischen ihr ganzes Leben. „Jede Frau ist schön“, lautet ihr Credo, „Wir müssen endlich vom Äußeren, von der ganzen Oberflächlichkeit wegkommen. Das habe ich auch in meinem Buch geschrieben. Dass man lernen muss, sich zu akzeptieren, so wie man ist. Ich muss niemandem gefallen, nur mir selbst. Oder wie soll einen die Gesellschaft akzeptieren, wenn man sich selbst hasst?“
Die Zweibrückerin weiß, wovon sie spricht. Denn auch sie selbst hatte nicht immer so ein entspanntes Verhältnis zu ihrer Person. „Seit der Pubertät hatte ich Probleme mit meinem Äußeren“, bekennt die Frau, die als Kind Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland gekommen ist. Hier wohnt sie nun seit 32 Jahren in Zweibrücken. „In meiner Jugend machte ich Diäten, und der Jojo-Effekt blieb nicht aus. Meinen Tag machte ich davon abhängig, was die Waage sagte. Doch spätestens seit der Misswahl 2015 verstand ich, dass ich die ganze Zeit ein komplett falsches Bild von mir selbst gehabt hatte.“
Die normalen Frauen nicht vergessen
„Eigentlich wollte ich ja schon als kleines Mädchen Model werden. Aber dafür war ich dann doch immer wieder zu kräftig“, schildert Dina Wacker. Zum Curvy-Wettbewerb der Miss Germany Corporation meldeten sich bundesweit 1700 Bewerberinnen. Wacker machte in der Vorausscheidung bei einem Live-Casting in einer Filiale der Modekette Ulla Popken mit. „Dann wurde im Internet über die Bewerberinnen abgestimmt; zum Schluss sind zehn Kandidatinnen fürs Finale in Hamburg übrig geblieben.“ Und dort gelang es der Zweibrückerin, die Jury zu überzeugen.
Was folgte, waren Auftritte wie neulich bei der Fashion Hall, der Eröffnungsshow der Berliner Modewoche im Radisson-Hotel in der Hauptstadt. „Dort war ich als einziges Curvy Model am Start. Ich bin für drei Designer gelaufen, unter anderem mit Hochzeitsmode.“ Immer mehr Designer, so hat sie beobachtet, „haben heute nicht mehr nur Mode in Größe 34, sondern auch 44 im Programm. Sie haben erkannt, dass die ganz normalen Frauen ja auch noch da sind.“ Und ihre spindeldürren Laufsteg-Kolleginnen bei den Modenschauen? „Von denen kriege ich viele positive Rückmeldungen. Ich fühle mich überhaupt nicht diskriminiert. Viele Frauen sehen mich heute als Vorbild.“
Nicht zu viel und nicht zu wenig
Gerade ist Dina Wacker aus Luxemburg zurückgekehrt, wo sie als VIP-Gast auf einem Kongress ihr Buch vorstellte und einen Vortrag über Selbstliebe und -akzeptanz hielt. Zunehmend wird das Curvy Model für Coaching-Veranstaltungen gebucht. „Dort gebe ich meine Erfahrungen weiter. Zum Beispiel, dass ich ein Stück Kuchen früher eher mit Frust und schlechtem Gewissen gegessen habe. Heute kann ich mit Lust und Freude genießen.“
„Es wurde höchste Zeit, dass das Thema Curvy auf die Tagesordnung gekommen ist“, ist Dina Wacker überzeugt. Sich selbst beschreibt sie als „normale Frau und Mutter, die sich auch mit Größe 44 sexy fühlt. Extreme mag ich nicht. Man soll sich wohlfühlen, Sport treiben und gesund essen. Von allem nicht zu viel und nicht zu wenig.“
Unterstützung von der Familie
Wenn sie keine Mode präsentiert und nicht an der Uniklinik in Homburg arbeitet, kann man Dina Wacker beim Joggen an der frischen Luft antreffen. „Ich lese auch viel. Und es ist mir wichtig, Ruhe zu genießen. Aber auch das Modeln selbst ist für mich ein guter Ausgleich zum Berufsalltag in der Klinik. Denn dort bekommt man ja nicht immer nur Schönes zu sehen.“
„Das alles kann man aber nur mit Unterstützung seiner Angehörigen leisten“, ist das Curvy Model überzeugt, in dessen Haushalt auch noch Wackers Mutter und die Großmutter leben. „Das ist einfach schön, in einer großen Familie.“
Ehemann Stefan Wacker ist Jugendtrainer beim FC Homburg. Sohn Tim, der bei dem Fußballclub in der Nachwuchsabteilung kickt, wird von seiner Mama tüchtig angefeuert. Beide Männer sind mächtig stolz auf das erfolgreiche Model in ihrer Familie. Tim, der in wenigen Tagen zwölf Jahre alt wird, „ist mein größter Fan, aber auch mein größter Kritiker“, lacht die Mutter. „Der guckt immer ganz genau hin, was ich anziehe.“