Zweibrücken
A-8- Ausfahrt Ernstweiler: Nur halb sperren reicht nicht
„Seit Monaten sind wir hier komplett von unserer Laufkundschaft abgeschnitten“, klagt Thomas Eckerlein, dessen Bau- und Möbeltischlerei am Unteren Hornbachstaden ansässig ist. Seit 2021 wurde auf der A8 in Fahrtrichtung Pirmasens immer wieder die Abfahrt Zweibrücken-Ernstweiler gesperrt – zunächst, weil eine neue Hornbachbrücke errichtet wurde, und seit Mai 2023 noch bis voraussichtlich September wegen des Neubaus von Lärmschutzwänden. „Wir sind darauf angewiesen, dass Leute, die von der Autobahn kommen, an unserem Geschäft vorbeikommen und sehen, dass sie hier zum Beispiel ihre neue Haustür bekommen können“, gibt Eckerlein zu bedenken. „Die sehen unsere Glasfassade und sagen, halten wir mal an und gucken, was hier alles so geboten wird.“ Diese Laufkundschaft sei seit der Sperrung der Abfahrt weggebrochen. „Dabei sind wir darauf angewiesen, dass immer wieder neue Kunden kommen“, argumentiert der Handwerker, dass jemand, der seine neue Haustür schon erworben hat, bis auf Weiteres keine zweite mehr brauche. „Das ist etwas anderes als in anderen Branchen, wo Ersatzteile oder Verbrauchsmaterialien regelmäßig nachgekauft werden müssen.“
Thomas Eckerlein ärgert sich darüber, dass die A-8-Abfahrt seit Wochen als Lagerfläche für Baumaterial für die entstehende Lärmschutzwand herhalten muss. Dass die deutsche Autobahn GmbH den Zeitraum der Sperrung bei Bedarf „einfach so verlängern“ könne, mag er nicht klaglos hinnehmen. „Wenn ein Handwerksbetrieb wie wir nicht bis zu einem bestimmten ausgemachten Termin fertig wird, muss er Strafe zahlen. Bei Behörden ist das anders. Die können die Bauzeit einfach verlängern.“
Gesamte Anschlussstelle lahmgelegt
Auch die Firma Gölz-Paletten hat ihren Sitz nahe der Ausfahrt Ernstweiler. „Auch wir fänden es schön, wenn die Anschlussstelle bald wieder befahrbar wäre“, sagt ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage. „Wir sind mit 30 bis 35 Lastwagen unterwegs. Das macht übers Jahr schon was aus, wenn jedes dieser Fahrzeuge auf der Autobahn zwei Kilometer mehr fahren muss bis zur nächsten Ausfahrt“, spricht er das Thema LKW-Maut an. „Immerhin konnten wir bis Dezember 2023 noch mautfrei fahren, weil wir auf gasbetriebene LNG-Fahrzeuge umgestellt haben. Seit Jahresbeginn bezahlen aber auch wir Autobahnmaut – wenn im Moment auch noch zu einem reduzierten Tarif.“
Ebenfalls am Unteren Hornbachstaden ist die Spedition W. Mayer ansässig. Auch deren Großraum- und Schwertransporte müssen jetzt einige mautpflichtige Zusatzkilometer auf der Autobahn zurücklegen. „Vor allem haben sie aber an der nächsten Ausfahrt einen beschwerlichen Kreisverkehr zu bewältigen“, berichtet Geschäftsführer Arno Alt. „Während der langen Sperrzeit habe ich mich schon oft gefragt, warum auf der Baustelle an der A8 immer wieder Stillstand herrscht und keine Bauarbeiten zu sehen sind.“ Alt fragt sich, ob es wirklich nötig war, die gesamte Anschlussstelle lahmzulegen. „Vielleicht hätte es eine halbseitige Sperrung ja auch schon getan.“
„Fortdauernde Sperrung unumgänglich“
Hätte es nicht, betont Klaus Kosok, Sprecher der Neunkircher Außenstelle der deutschen Autobahn GmbH. „Eine Teilsperrung der Anschlussstelle Zweibrücken-Ernstweiler kam aufgrund der bestehenden Rahmenbedingungen leider nicht in Frage.“ Denn das Baufeld für die Lärmschutzwand liege direkt in der Anschlussstelle. „Hinzu kommt, dass die Arbeiten an der Hornbachbrücke im letzten Jahr witterungsbedingt nicht abgeschlossen werden konnten.“ Weil die Hornbachbrücke nur rund 250 Meter von der Anschlussstelle entfernt sei und die verfügbare Fahrbahnbreite nicht mehr hergebe, „gewährleistet nur die aktuell eingerichtete Verkehrsführung mit Überleitung auf die Richtungsfahrbahn Luxemburg eine sichere Abwicklung der Baustelle“, erklärt Kosok. Daher sei „die fortdauernde Sperrung aus Gründen der Arbeitssicherheit und der Verkehrssicherheit unumgänglich“.
Der Sprecher der Autobahn GmbH bestätigt, dass die Bauarbeiten an Lärmschutzwand und Hornbachbrücke manchmal ruhen. Denn sie seien „zum Teil nur bei günstigem, vor allem trockenem Wetter ausführbar“, verweist Klaus Kosok auf außergewöhnlich viel Regen in den vergangenen Monaten. „Daher konnten die Arbeiten auf der Baustelle nicht kontinuierlich, sondern nur mit Unterbrechungen laufen.“ Solche Ausfallzeiten habe man aber vorab bei der Planung schon einkalkuliert. „So liegen die Arbeiten trotz der ungünstigen Witterung insgesamt im Zeitplan“, nennt Kosok es hilfreich, dass bestimmte Module wie Lärmschutzwand-Elemente, Brückenteile und Stahlkonstruktionen aus „witterungsunabhängigen Fertigteilwerken“ bestünden. „Parallel wurden witterungsunempfindlichere Arbeiten, wie die Erstellung der Fundamente der Lärmschutzwände, mit Bohrpfählen ausgeführt.“
Man wird nicht früher fertig
Mayer-Geschäftsführer Arno Alt ist im europäischen Spitzenverband der Schwertransportunternehmer engagiert. „Ich habe schon den Eindruck, dass es in anderen Ländern in Europa mit Straßenbaustellen flotter vorangeht als bei uns“, findet der Spediteur. „Aber so ärgerlich die Sache ist – uns bleibt nichts anders übrig, als die Baustelle und die Sperrung zu dulden.“
Daran wird sich bis zum Herbst wohl nichts ändern. Beim Bau der Lärmschutzwände, sagt Klaus Kosok, liege man zwar im Zeitplan. Von einer vorzeitigen Fertigstellung könne aber „im Augenblick nicht ausgegangen werden. Daher kann auch die Sperrung der Anschlussstelle Zweibrücken-Ernstweiler in der Fahrtrichtung Pirmasens nicht vorzeitig aufgehoben werden.“