Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel 62 Kunstwerke in Schaufenstern: Genauer hinschauen!

Die Frau auf der Treppe: Digitales Bodypainting mit Camouflage-Charakter ist auf einem Foto von Jo Steinmetz im auf einem Foto i
Die Frau auf der Treppe: Digitales Bodypainting mit Camouflage-Charakter ist auf einem Foto von Jo Steinmetz im auf einem Foto im Schaufenster von Sanitär Speer zu sehen.

Eine Open-Air-Vernissage und Schaufensterpaten sind etwas Neues – und in Corona-Zeiten eine intelligente Lösung, um Kunst in die Stadt und zu den Menschen zu bringen. Kunstfreunde, aber auch Passanten, kamen bei milden Temperaturen am Freitag auf den Zweibrücker Schlossplatz und verfolgten die Eröffnung des Projektes, an der auch Rosenkönigin Annika Allgeier beteiligt war.

In rotem Festkleid stand die Rosenkönigin da. Mit einem orangefarbenen Rosenbouquet wirkte sie selbst wie eine wandelnde Rose. Mitglieder der Stadtkapelle, kamen aus verschiedenen Seitenstraßen auf den abgesperrten Platz . Mit Klängen aus Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ auf die ungewöhnliche Ausstellung ein. Werke von 62 Künstlern sind in Schaufenstern in der Innenstadt, aber auch im Outlet und bei Möbel Martin bis zum 29. August zu sehen.

Viele der beteiligten Künstler waren gekommnen und plauderten mit Gästen. Einige schlenderten auch bei dem anschließenden zwanglosen Rundgang durch die gut besuchte Innenstadt mit und beantworteten schon mal neugierige Fragen zu ihren Werken. Nur die meist blauen Mund-Nasenschutz-Masken und die Abstände zwischen den Flanierenden erinnerten an die Corona-Epidemie, ansonsten war die Stadt so belebt wie schon lange nicht mehr.

Einige Bilder passen wie die Faust aufs Auge in die Geschäfte, in denen sie stehen – wie zum Beispiel Ute Ringswalds „Struwwelpeter“, der im Spielwarenladen Cleemann frech und farbenfroh aus dem Schaufenster herausblickt.

In den Schaufenstern des Musikhauses Müller hat Gilbert Baier (Mitinhaber der Galerie Formart/Kuhof Mörsbach) Bilder von Musikinstrumenten neben echte Musikinstrumente gestellt. Im Vorübergehen muss man da schon zweimal hinschauen, um zu erkennen, was das Bild und was das Instrument ist, so täuschend ähneln manche Bilder ihren Vorbildern.

„Das da ist ein Foto von einem alten Scheunentor“, deutet Baier auf eine Gitarre vor einem warmen, dunkelroten Hintergrund. „Das habe ich in den Computer hineinkopiert und Ausschnitte daraus gewählt“, erläutert der Künstler, der im Hauptberuf als Werbegrafiker tätig ist. „Dann habe ich die Gitarrenform und den Hals am Computer konstruiert. Da schwingt das Reißbrett mit“, schmunzelte er gut gelaunt. „Dann habe ich das ausgedruckt und nachgezeichnet und von Hand mit Kreide, Filz- und Bleistift koloriert.“ Bei einer anderen Gitarre blickt den Betrachter aus dem Korpus statt der Saiten ein Frauengesicht entgegen.

In einer Installation in der Hallplatz-Galerie geht Baier auf das Thema Corona ein. Der Porträtkopf eines Mannes ist in Serie zu sehen, vier Mal in Farbe und vier Mal in Schwarz-weiß. „Das wollten wir unter dem Motto ,Activa und Passiva’ mal in einer Bank ausstellen“, erzählte Baier. „Aber es steckt noch mehr dahinter: Aufstieg, Abstieg, Reichtum, Armut, Wohlstand, Anstand – aber auch Abstand und Notstand.“

Corona ist auch ein tierisches Thema. So lässt die Zweibrückerin Ulrike Müller im Schaufenster von Fashion City Kuppens mit der orangefarbenen Rose auf dem Gehweg mit einem humorvollen Augenzwinkern zwei Vertreter der Vogelwelt zu Wort kommen. „Zwei Meter! Wie oft soll ich es dir noch sagen?!“, ruft da ein blaurot gefiederter Piepmatz mit aufgebracht vorgerecktem Hals einem eingeschüchtert zurückweichenden grüngelben Vogel entgegen. Dass er dabei selbst nicht das tut, was er predigt, ist ihm seiner selbstgerechten Pose nach zu schließen nicht ganz klar.

Scherbenkunst unterm Permanent-Make-up zeigt Die Saarbrückerin Christina Witte bei Cosmetic Fuchs. Im Schaufenster der Buchhandlung Thalia fällt eine fragmentarisch wirkende Holzskulptur von Kurt Reinhard ins Auge. Die abgebrochene Spitze eines Stammes ragt fragend gen Himmel. Rita Reinhard zeigt daneben intuitive Malerei mit natürlichen Materialien wie Marmormehl, Sumpfkalk, Erde, Sand und Pigmenten. Sie verleihen einem in hellen und dunklen Pastell-Erdtönen gehaltenen Bild mit schemenhaften Fantasiefiguren eine nostalgische Patina.

Stoff zum Schmunzeln gibt es im Schaufenster der Apotheke am Hallplatz. Hier bleiben immer wieder Besucher stehen, um sich über die humorvollen Zeichnungen von Thomas Brunner auszutauschen. Schräge Typen kann man hier bewundern, aber auch tierische Zuneigung zwischen Katzen.

„Und das hier ist was für Katzenliebhaber“, meinte eine Besucherin spontan, „aber nicht mein Ding.“ Neben zwei in Schwarz-weiß gehaltenen Köpfen, die an unvergessene Komiker wie Stan und Olli, aber auch an Charlie Chaplin erinnern, tauchen auch in bunten, hellen Gelb- und Rottönen zwei richtige Gaunervisagen in vertrauter Zweisamkeit auf.

„Ich finde die Idee toll“, meinte Bernd Lohrum spontan. „Die Hälfte der Leute ist bestimmt wegen der Bilder hier – die Bandbreite, die Vielfalt, die unterschiedlichen Techniken. Manches spricht einen an, anderes weniger.

„Mir gefallen vor allem die Bilder der vielen einheimischen Vögel, die hier zu sehen sind“, freute sich seine Begleiterin. Und dabei ist die Entdeckungsreise mit dem Rundgang durch die Innenstadt noch lange nicht zu Ende – bei Möbel Martin und im Outlet geht es weiter. Aber nicht mehr heute.

  • Die Künstler
Zweibrücken: Gilbert Baier, Ulli Bothner, Thomas Brunner, Susanne Burkhardt, Iris Conrad, Monika Corona, Raymond David, Margit Franke, Alina Fromm, Dagmar Grieve, Bärbel Hafner-Neu, Willi Hofer, Silke Kuppens, Monika Mohr, Ulrike Müller, Birgit Neuhardt, Rita Rebmann-Holzdeppe, Erika Rehlaender, Natascha Reitler, Peter Schaumburger, Maria Schlachter, Michael Wachs, Ralf Wagner, Heike Wilhelm.

Bad Vilbel: Ute Ringwald – Bexbach: Jürgen Ecker, Herbert Kluding, Frank Scheidhauer, Eugen Waßmann – Blieskastel: Sonja Denzer, Günter Denzer, Marion Kaufmann, Dorothea Weigenand – Bruchmühlbach: Gerda Grunder – Contwig: Iris Weiß – Dietzenbach: Uschi Heusel – Großbundenbach: Elisabeth Schael – Heusweiler: Ludmilla Ukrow – – Homburg: Kurt W. Becker, Inge Faralisch-Schäfer, Doris Gander, Peter Hilzensauer, Natalia Jelankina, Christa Maurer, Katharina Zenker – Hornbach: Jo Steinmetz – Kaiserslautern: Carmen Wagner – Kleinblittersdorf: Sabine Jung – Kleinsteinhausen: Betina Knerr – Kirkel: Theodor Fischer – Maßweiler: Volkhard Gabriel, Jutta Simon – Neunkirchen: Anne Rose Burgard – Saarbrücken: Christa Witte – St. Ingbert: Margit Daut – Schweyen: Nadia Cutaia-Bunn, Herman Weis – Trulben (Hochstellerhof): Kurt Reinhard, Rita Reinhard – Waldmohr: Norbert Weber – Walshausen: Marina Beyer.

OB Marold Wosnitza (links) und die Rosenkönigin (Zweite von links) eröffneten die Stadtgalerie auf dem Schlossplatz vor den Küns
OB Marold Wosnitza (links) und die Rosenkönigin (Zweite von links) eröffneten die Stadtgalerie auf dem Schlossplatz vor den Künstlern.
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