Schwegenheim, Westheim, Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Tod von Christiane Schmidt

Setzte vielfältige Zeichen als Musikerin: Christiane Schmidt.
Setzte vielfältige Zeichen als Musikerin: Christiane Schmidt.

Nachruf: Die Chorleiterin, Stimmbildnerin und Gesangsolistin Christiane Schmidt ist nach schwerer Krankheit mit 53 Jahren gestorben. Sie leitete unter anderem in Altrip, Schwegenheim und Westheim zahlreiche Chöre.

Sie hatte bis zuletzt gehofft, Programme entworfen, komponiert und arrangiert – nun waren nach langer, mit unendlicher Geduld und nie versiegendem Lebensmut ertragener Krankheit alle physischen Energien restlos erschöpft. Christiane Schmidt erlag im Alter von 53 Jahren ihrem schweren Krebsleiden. Friedlich, im Beisein ihrer Familie.

In Speyer und weit darüber hinaus setzten ihre zahlreichen musikalischen Aktivitäten als Chorleiterin, Stimmbildnerin und Gesangsolistin Zeichen und war Generationen übergreifend. So leitete sie seit Beginn der 2000er Jahre den Kirchenchor Westheim, später auch den in Schwegenheim, übernahm 2004 den Kinderchor „Altriper Rheinfinken“ und setzte sich mit großem Engagement für die Ausbildung der Chorkinder ein, was 2019 zur erfolgreichen Teilnahme am Jugendchorfestival Wien führte. Auch der Gesangverein Westheim gab sich gerne in ihre anregende Obhut. Die „Westheimer Waldkehlchen“ wurden 2005 von ihr gegründet. Große Konzerte leitete sie mit dem überregionalen Projektchor „Prochoro“, man denke nur an den großartige Debütauftritt 2010 mit Rossinis „Petite Messe solenelle“, die Liedprogramme mit Mendelssohn, Schumann und Brahms oder die gefeierte „Carmina Burana“ (Orff) von 2019.

Engagement in Brandenburg

Als erstes von drei Geschwistern 1970 in Ludwigshafen geboren, wuchs Christiane Schmidt in Frankenthal, später Altrip in einem überaus Musik affinen Elternhaus auf; lernte Gitarre, Blockflöte, Klavier und studierte nach dem Abitur am musisch orientierten Moll-Gymnasium Mannheim an der Hochschule des Saarlandes Musik. Da rückte auch die Singstimme immer stärker in den Fokus und nach dem Examen, unter anderem im Fach Operngesang, erhielt sie mit dem kraftvoll funkelnden Sopran 1994 ein Engagement am Theater Brandenburg. Als das Haus 1999 schließen und das gesamte Ensemble entlassen musste, kehrte Christiane Schmidt in die Pfälzer Heimat zurück.

Nach kurzer Kinderpause begann da ihre Aufbauarbeit, deren wesentliches Standbein der Gesang blieb. So war sie mehr als 15 Jahre aktives Mitglied der Evangelischen Jugendkantorei der Pfalz, gestaltete darüber hinaus regelmäßig Opernabende, sang neben Solopartien in Oratorien auch durchaus mal ein Operettenprogramm. Vielseitigkeit war so etwas wie ihr zweiter Vorname, Sorgfalt und Professionalität aber gleich die folgenden. Das galt auch für das fantastische Frauenensemble „Die Rheintöchter“, das sie mit drei weiteren Profisängerinnen und Robert Sattelberger am Klavier 2018 gründete und dessen Wirken bereits ein Jahr später mit einer viel beachteten CD-Einspielung zur Weihnachtszeit von sich reden machte.

Pädagogische Verdienste

Blieben die pädagogischen Meriten: all die jungen Stimmen, deren Lust und Leidenschaft fürs Singen Christiane Schmidt als Stimmbildnerin, unter anderem am Mannheimer Moll-Gymnasium, entzündete, was überdurchschnittlich oft durch Wettbewerbssiege, bei „Jugend musiziert“ etwa, gekrönt wurde. Wie bei all ihren Aktivitäten waren Ausdauer, didaktische Geschick und vor allem Fantasie, Leidenschaft fürs jeweilige Sujet und Herzblut für Werk und Ausführende entscheidende Triebfedern.

Als 2018 die erste Krebserkrankung überwunden schien, nahm Christiane Schmidt die Fäden umgehend wieder in die Hand, Chorproben, Unterricht, Konzertreisen, Solokonzerte, ein Sommerfestival in Schwegenheim – alles nahm rasant an Fahrt auf. Und als die niederschmetternde Diagnose zum zweiten Mal Stillstand gebot, hieß das noch lange nicht Aufgeben. Tochter Eliana, unterstützt von Mutter Helga, führten teilweise die Chorabeit weiter, Christianes Rat und Zuarbeit stets im Hintergrund. Sie kämpfte beispielhaft und bewundernswert klaglos gegen alle körperliche Pein, alle zermürbenden Rückschläge, war stets voller Hoffnung.

Noch für das Jubiläumskonzert des Jugendchors „Coro piccolo“ der Altriper Rheinfinken am 9. Juli arrangierte und komponierte sie Vogellieder, versorgte ihre Tochter Eliana mit Tipps zur Einstudierung und freute sich sehr über das gelungene Konzert. Nun aber ist es anders gekommen.

Info

Die Trauerfeier, gestaltet durch Mitglieder der Chöre, die Christiane Schmidt leitete, sowie der Evanglischen Jugendkantorei der Pfalz und des Oratorienchors der Pfalz ist am Samstag, 19. August, 15.30 Uhr, in der Evangelischen Kirche Westheim.

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