Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Stadtleben: Schreiben, reden, radeln

Klare Aufforderung: Nur Liebesbriefe in diesen Briefkasten in der Maximilianstraße!
Klare Aufforderung: Nur Liebesbriefe in diesen Briefkasten in der Maximilianstraße!

In Zeiten von Corona und Klimawandel sind der Austausch per analoger oder digitaler Post ebenso wie umweltfreundliche Fortbewegung gefragt. Für das alles gibt es in der besten aller Städte gute Voraussetzungen.

Briefkasten: Nur für Liebesbriefe

Der analoge Liebesbrief ist mit zunehmender Digitalisierung auch privater Angelegenheiten etwas in Vergessenheit geraten. In Speyer rückt er erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. „Nur für Liebesbriefe“ lautet die handschriftliche Nutzungsbedingung an einem Postkasten in der Maximilianstraße, unweit von Standesamt und Trausaal an der Wand hängend. Also kein Behältnis für Hass und Hetze, Zahlungsaufforderungen oder gar schriftliche Zurechtweisungen. Geleert wird der Gefühls-Behälter werktags mehrmals täglich, an Samstagen einmal. Wohl dem, der sich in Zeiten, in denen sich Hass und Hetze in Internet-Foren breit machen, auf eine seit Jahrhunderten erfolgreiche Methode besinnt, Liebe in Worte zu fassen. In Lyrik und Prosa sind Zeilen überliefert, die die Möglichkeiten eines Twitter-Dienstes zeichenmäßig um ein Vielfaches überfordern, für die Whatsapp nicht die richtigen Worte anbietet und die per E-Mail allzu geschäftsmäßig klingen. Wer dem Speyerer Kasten sein Liebes-Geständnis überlässt, hat sich zuvor (hoffentlich) der eigenen Gefühle versichert, sie nicht in eine Instagram-Momentaufnahme verpackt und auch nicht mit Facebook-Freunden geteilt. Auf dem besten Weg zur Digitalisierung bleibt die Liebe in Speyer eben doch eine analoge Angelegenheit.

Nochmals: Biden-Freund in Speyer

Natürlich hat auch die Kommunikation per E-Mail Vorteile – unter anderem die Schnelligkeit. So haben sich in den vergangenen zwei Wochen zwei ältere Herren ausgetauscht, und einer davon, der frühere Limburgerhofer Bürgermeister Peter Kern, kann deshalb Aufklärung zu einem RHEINPFALZ-Artikel geben. Am Samstag haben wir berichtet, dass Leo O’Donovan, der Jesuit, der heute zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden in Washington sprechen soll, 2017 zu Helmut Kohls Trauerfeier in Speyer war. Selbst Witwe Maike Kohl-Richter konnte zu diesem O’Donovan-Besuch aber keine Details beitragen. Kern weiß es ganz sicher: O’Donovan persönlich habe ihm per E-Mail alles berichtet, er selbst habe den Kohl-Freund auch auf Fotos erkannt – am Domplatz direkt hinter der Bundeskanzlerin. Die Verbindung zu O’Donovan kam dabei über Kerns Forschung zu den bekannten Jesuiten Alfred Delp und Karl Rahner zustande. Gerade diese Woche habe er sich mit ihm noch ausgetauscht, berichtet der Limburgerhofer: „Er hat mir sogar wortwörtlich die Rede geschickt, die er am Mittwoch halten wird.“

Design: Fahrradständer, ausnahmsweise mal hübsch

Es gibt zu wenige Fahrradständer in Speyer. Und die, die es gibt, sind entweder unzweckmäßig, weil als „Felgenkiller“ verschrien, oder sie stehen im Weg wie in der Maximilianstraße oder sie sind schlicht hässlich. Nicht so in der Speyerer Altstadt: Da hat sich offensichtlich ein Hausbesitzer ein maßgefertigtes Exemplar an der Gebäudewand befestigt, das in eleganten Linien die Form eines Fahrrads aufnimmt und an dem man den Drahtesel gleich doppelt so gerne anschließt. Ob der Antrag, mit diesem Modell künftig alle öffentlichen Abstellanlagen in der Stadt auszustatten, eine Chance hätte, darf freilich bezweifelt werden: zu platzaufwendig und wohl auch zu teuer ...

Klare Linien: Fahrradständer in der Altstadt.
Klare Linien: Fahrradständer in der Altstadt.
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