Speyer Speyer: Eklat beim Dichterwettstreit

Poetry Slam in der Postgalerie: Um die Preisverleihung gab es Aufregung.
Poetry Slam in der Postgalerie: Um die Preisverleihung gab es Aufregung.

Was als Beitrag zur Interkulturellen Woche geplant war, hat am Mittwochabend in der Postgalerie zu Protesten und Empörung geführt. Auslöser waren fremdenfeindliche Texte einer jungen Teilnehmerin bei einem Poetry Slam. Die Stadtverwaltung spricht auf Anfrage von einer „öffentlichen Provokation durch die AfD“.

Unter dem Motto „Zivilcourage“ veranstalteten Jugendstadtrat und Initiative „Speyer ohne Rassismus – Speyer mit Courage“ einen Poetry Slam. Bei diesem Wettbewerb der Bühnendichter hat jeder Teilnehmer fünf Minuten Zeit, um das Publikum von sich und seinen Texten zu überzeugen. Die Lautstärke des Applauses entscheidet über den Sieger. Als erste Dichterin kam Jugendstadtrats-Mitglied Ida-Marie Müller in einem T-Shirt mit Deutschlandfahne auf die Bühne. Die Tochter des Speyerer AfD-Bundestagsmitglieds Nicole Höchst trug Texte in Gebetform vor, die neben lateinischen Passagen Formulierungen enthielten wie „Multikulti tralala, hurra, die ganze Welt ist da“ und „Seht im Spiegel die Heuchler und liebt euren Nächsten, den Meuchler“.

"Der Neger ist kein Neger mehr"

Aus den Reihen der rund 100 Zuschauer gab es daraufhin lauten Jubel. Die vier übrigen Teilnehmer erhielten danach für ihre Beiträge dagegen weit weniger Applaus: Laura Wolber mit der Geschichte einer 14-jährigen Geflüchteten aus dem Sudan, Teodora Talpeanu mit einer Abgrenzung von rassistischen Handlungen, Tom Kupferschmidt mit der Aufforderung, sich eine Meinung zu bilden und sie zu vertreten, sowie Yvonne Wittmann mit einem Vortrag über ihre Zeit in einer Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Über die Applaus-Lautstärke qualifizierten sich Müller, Wolber und Wittmann fürs Finale. Dort skizzierte Laura Wolber zunächst mit dem Beitrag „Unsere liberale Welt“ Mechanismen der Ausgrenzung. Ida-Marie Müller (14) eröffnete anschließend ihren zweiten Text mit den Worten „Der Neger ist kein Neger mehr, Zigeuner kann man auch nicht sagen. Rassistisch ist das beides sehr, so hört man’s an allen Tagen. Wer es trotzdem wagt, wird ausgebuht“. Als sie erklärte, die von den anderen Rednern vertretene Zivilcourage sei „für’n Arsch“, erklangen aus den hinteren Zuschauerreihen Buhrufe und Trillerpfeifen. Die Veranstalter reagierten darauf mit dem Abschalten der Lautsprecher – allerdings nur für wenige Sekunden. Danach fuhr Müller in unverändertem Ton und ohne vom Blatt abzulesen fort: „Aus fernen Ländern kam der Mann an Menschenhändler ran, mit Handy und ohne Pass in unserem gelobten deutschen Land. Weil er kein Fräulein haben kann, hilft er schnell nach mit einem Messer.“
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