Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Nachtcafé beim „Kulturbeutel“

Beim „Kulturbeutel“: Nachtcafe am Freitagabend mit the „Beat Men“ featuring Catalina Olea.
Beim »Kulturbeutel«: Nachtcafe am Freitagabend mit the »Beat Men« featuring Catalina Olea.

Wegen Absage der vorherigen Programms beim Speyerer Festivals „Kulturbeutel“ wurde das Nachtcafé vorverlegt. „The Beat Men“ mit Sängerin Catalina Olea und Geburtstagskind Christoph Stadtler waren weit mehr als ein Trostpflaster.

„MGV Walhalla“ musste mangels Interesse aus dem Programm des Speyerer Festivals „Kulturbeutel“ gestrichen werden. Die Veranstalter verschoben das angekündigte traditionelle Nachtcafé kurzerhand um zweieinhalb Stunden nach vorne.

Christoph Stadtler ist Gitarrist, fester Bestandteil der Beat-Men-Sessions und leidenschaftlicher Musiker. Wie hätte er seinen 60. Geburtstag also schöner feiern können als auf der Bühne? Zugegeben, die ist im kleinen Saal des Alten Stadtsaals improvisiert. Aber auf ihr bieten vier Männer und eine Frau an diesem Abend musikalisch ganz großes Kino.

Illustre Gesellschaft

Eine illustre Gesellschaft aus Freunden und Kulturbeutel-Mitarbeitern gibt sich Klängen hin, die – ob bekannt oder nicht – den Raum ganz und gar erfüllen. Olea, gebürtige New Yorkerin mit ecuadorianischen Wurzeln, trägt zum ersten Mal in diesem Jahr ein Kleid zu warmen Stiefeln. An allen anderen Tagen habe sie gefroren, erklärt sie. Satt ist sie auch, hat sie doch mit den Kollegen vor dem Konzert in Speyer thailändisch gegessen. Die Sängerin rückt den Hut zurecht, greift zu Rumbakugeln und singt, swingt und jazzt kraftvoll emotional. Zum Nie-wieder-weghören schön. Sades „Smooth Operator“ entwickeln The Beat Men und Olea präzise, professionell und überaus gefühlvoll zum eigenen Sound. Sie überraschen mit ungewöhnlichen Arrangements, genialen Schlussakkorden und bravourösen musikalischen Variationen.

Freude an jedem Ton

Der Raum ist für die Session perfekt gewählt. Ganz nah bei den Zuhörern, nicht weit voneinander entfernt spielen die Instrumentalisten ihre Soli grandios. Sie freuen sich hör- und sichtbar an jedem Ton, an jedem Akkord.

Ben E. Kings „Stand By Me“ ist seit 60 Jahren ein Welthit. Die Version der Speyerer Formation trägt ihn grandios ins 21. Jahrhundert. Jon Diven (Bass), Michael Rentschler (Keyboard) und Daniel Fleischmann (Drums) spielen ihn für Stadtler, der mit allen sechs Saiten entschlossen in die Geschichte um Liebe und Vertrauen in schwierigen Zeiten eingreift. Lou Reeds „Walk On The Wild Side“ sagt Olea in der Tonart „Anton Moll“ an, geht es doch um das ernste Thema Homosexualität und den gesellschaftlichen Umgang mit ihr. Die Sängerin präsentiert fast ein Liebeslied mit offenem Ende aus ihrer Heimat, singt auf Französisch, Englisch, tanzt, moderiert, flirtet mit dem Publikum. Den roten Konzertfaden lässt sie zu keinem Zeitpunkt fallen. Umgeben von vier „Beat Men“ kann sie sich in Sicherheit wiegen. Diese Session ist musikalisch perfekt, die Stimmung im Saal wunderbar, der Rhythmus wechselt wie die Tonarten, Harmonie bleibt. Schade, dass nicht mehr Speyerer zu diesem zeitlich verschobenen Nachtcafé gekommen sind. Sie haben wirklich viel versäumt.

Termin

Nächstes Nachtcafé im Alten Stadtsaal ist am Freitag, 8. Oktober, ab 22.30 Uhr mit dem Frauen-Duo „Alan“. Alexandra Altpeter und Trost. Der Eintritt ist frei.

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