Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Konzert in der Gotischen Kapelle

Simone Pepping singt.
Simone Pepping singt.

Launige Musik für Gesang, Geige und Cembalo erfreute in der Gotischen Kapelle in Speyer. Die Gedächtnis-Kirchengemeinde richtet zweiten Abend der Sommerkonzerte mit barocken Klängen aus.

Der Zuspruch zum zweiten Sommerkonzert in der Gotischen Kapelle des Adenauerparks am Sonntagabend war so stark, dass auf der Stufe des Altarraums sogar Notsitze eingerichtet werden mussten. Das von der Gedächtnis-Kirchengemeinde präsentierte barocke Programm „Music for a while“ (Musik für eine Zeit) für Sologesang, Violine und Cembalo hatte diese Resonanz mit seiner stimmungsvollen und sprühenden Ausführung aber auch hoch verdient. Altistin Simone Pepping, Geigerin Juliane Sauerbeck und Cembalist Robert Sattelberger waren in bester Musizierlaune, gingen flüssig, oftmals rasant zu Werk und geizten nicht mit spritzigen Vorträgen. Sprudelnde Clavecinisten-Kunst, geläufige Gurgel und ausgefeiltes Geigenspiel rissen mit.

Glitzernde Beleuchtung

Darüber hinaus stellte Kirchenmusikdirektor Sattelberger sein neues einmanualiges Cembalo, einen Nachbau eines originalen italienischen Instruments aus der Barockzeit, vor. Dieses leicht ansprechende, perlend klingende Tasteninstrument vermittelte den affektenreichen Barock-Gesängen und Violinsätzen nicht nur die klangvolle Grundierung. Es rückte auch die Solo-Kompositionen mit seinem prickelnden Klang in glitzernde Beleuchtung.

Das galt einmal für die kunstvoll gearbeitete Naturkomposition des frühbarocken Martin Peerson von Blüten und Blättern. Sattelberger zog hier mit rasanten Läufen, feinen Vorschlägen, quirligen Umspielungen, volltönenden Sequenzen und packenden Oktavsprüngen alle naturalistischen Register. Wie belebender Sekt sprudelte auch die Toccata des Giovanni Picchi auf. Im zweiten, Bach gewidmeten Teil holte der aufgekratzt spielende Cembalist aus der sechsten Französischen Suite die Tanzmuster profiliert heraus und charakterisierte die Metren trefflich: Flüssig die Courante, mit verträumtem Lauten-Zug die Sarabande, markant die Gavotte.

Ariose stimmliche Fülle

Mit untadeliger Intonation und substanzreicher Stimmfülle sang Simone Pepping ihre ariosen Beiträge. Zwei Gesänge John Dowlands blätterte sie aus deren liedhafter Anlage natürlich auf: Voll Ruhe und Sensitivität steigerte sie „Flow my tears“ von Strophe zu Strophe dynamisch und erzielte damit hohe, schon balladeske Durchschlagskraft und am Ende eine dramatische Aufwallung. Henry Purcells Liedern von Blumen und Trompetenklang mit ihren Intervallsprüngen und Koloraturen gab die Sängerin klare Zeichnung und hohe Beweglichkeit mit und trat mit Sattelbergers Cembalo in lebendige Dialoge. So ward mit geringen Mitteln Blütenpracht und Bläserschall suggeriert – gemäß dem Motto „Musik für eine Zeit“.

Zu Peppings Gesang und Sattelbergers Cembalo trat im Bach-Teil noch Sauerbecks Barock-Violine hinzu. Die Himmelfahrts-Oratoriums-Arie „Ach bleibe doch, mein liebstes Leben“ geriet im herb flehenden Gestus von Altistin und Geigerin so ergreifend, wie gemeinhin das analoge „Agnus Dei“ in der H-Moll-Messe wirkt. Bewegungsreich und erregt wurde danach das Erzittern der Heuchler in „Es kommt ein Tag, so das Verborg’ne richtet“ (aus der Kantate „Erforsche mich, Gott“) ausgemalt. Frohgemut, flüssig und lebendig begeisterte zum Ende des offiziellen Programms Bachs Lobpreis „Gelobet sei der Herr“ aus Bachs gleichnamiger Kantate.

Passionierte Klangrede

Geigerin Sauerbeck hatte zuvor schöne Proben ihrer Beschäftigung mit originalem Barockspiel abgegeben: Mit flüssigen Tempi, charaktervoller metrischer Belebung und vibrato-armer Tonbildung. Stabil, aber exakt ausziseliert trug sie eingangs schmuckvolle Abschnitte aus Palestrinas „Vestiva i colli“ vor. Klanglich weittragend, metrisch lebendig und die schnellen Sätze energisch ausformulierend spielte sie später Corellis fünfte Sonate. Mit passionierter Klangrede wurde die Geigerin Francesco Antonio Bonportis „Lamento-Invenzione“ gerecht. Auch Bachs Violinsonate G-Dur erfuhr eine wohlformulierte und gut ausartikulierte Interpretation; im Largo schwebte die Geigerin in edler Klangbildung über Sattelbergers Cembalo – hier wieder mit dem intimen Lautenzug. Das anschließende Presto geriet sprühend.

Gefahr: Ausgang ohne Licht

Am Ende summierte sich viel spontaner Zwischenbeifall zu einer Begeisterung, die das musizierende Trio der Gedächtniskirche zu zwei lustigen Zugaben von Purcell und Vivaldi animierte. Beim Ausgang aus dem zwischenzeitlich der Dunkelheit wegen zugeschlossenen Adenauerpark wäre eine Gefahren meidende Beleuchtung angebracht.

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