Speyer Hamster sind zurück im Bösfeld

Mannheim. Das Medieninteresse ist groß an diesem Mittwochmorgen mitten auf einem Acker im Mannheimer Bösfeld – ein paar hundert Meter entfernt von der Arena, die längst keinem Naturschützer und keiner Bürgerinitiative mehr ein Dorn im Auge ist. Denn den Feldhamstern, für die die Naturschützer und Bürgerinitiativen seinerzeit den Bau der Multifunktionshalle verhindern wollten, geht es gut. Am Mittwoch – deshalb das große Interesse der Öffentlichkeit – wurden sechs weitere Nager ins Bösfeld umgesiedelt, die im Heidelberger Zoo gezüchtet worden sind. Seit 2007 sind von dort, anfangs auch aus Straßburg und Stuttgart, 670 Hamster nach Mannheim gebracht und hier ausgewildert worden. Zunächst im neu geschaffenen Landschaftsschutzgebiet Straßenheimer Hof im Nordosten der Stadt, seit 2009 auch im Bösfeld, dort wo Naturschützer vor dem Bau der SAP-Arena einen der letzten Rückzugsorte der vom Aussterben bedrohten Nager wähnten. Ulrich Weinhold, Hamsterexperte und Leiter der Zuchtstation im Heidelberger Zoo, ist an diesem Morgen mit zwei Mitarbeitern und sechs Käfigen angereist, in denen jeweils ein Nager sitzt. Weinhold war von Anfang an dabei, seit es um die Frage ging, wie man die Arena hochziehen kann, ohne den Feldhamstern den Garaus zu machen. Der Fachmann erstellte damals die erste Expertise über die Hamsterpopulation im Bösfeld, im Sommer 2001 zählten er und seine studentischen Helfer in dem landwirtschaftlich geprägten Gebiet zwischen dem Rangierbahnhof und der Bundesstraße 38a insgesamt 92 Hamsterbaue. Als es 2003 schließlich um die Umsiedlung der Baubewohner ging, konnte allerdings kein einziger Hamster gefunden werden. Die Baue, die für die sechs Neuankömmlinge zur neuen Heimat in freier Wildbahn werden sollen, haben die Heidelberger Züchter in den vergangenen Tagen neu gegraben. Damit die Nager sich im Bösfeld auch darüber hinaus wohlfühlen, hat die Stadt vor den ersten Auswilderungen mit den Landwirten Verträge abgeschlossen. Diese haben sich dazu verpflichtet, hier und da Luzerne anzubauen, eine Nutzpflanze, die bei Hamstern beliebt ist, und mancherorts Getreidestreifen an den Ackerrändern stehen zu lassen, in denen die Nager Schutz und weiteres Futter finden. Die Stadt zahlt den Landwirten im Gegenzug die dadurch bedingten Ernteausfälle. Das Zuchtprogramm und die Auswilderung bezeichnen die Experten als erfolgreich. Zwischen 50 und 60 Prozent der Hamster im Bösfeld schafften es, längere Zeit zu überleben und teils mehrfach Nachwuchs in die Welt zu setzen. Mit ein Grund dafür sei, dass das Gebiet ein alter Hamsterstandort sei, also sehr gute Bedingungen für die Tiere bereithalte. Im Sommer vorigen Jahres wurden nach Angaben der Heidelberger Züchter rund 100 Hamsterbaue im Bösfeld gezählt. Deshalb sind die sechs Neuankömmlinge auch nicht mehr ursächlich dafür zuständig, die Population im Bösfeld mit aufzubauen, sondern bereits dafür, deren genetischer Verarmung entgegenzuwirken, sprich, sie zu sichern. „Blutauffrischung“, nennt Hamsterfachmann Weinhold das kurz und knapp. Und lässt dann einen der Hamster durch eine bunte Plastikröhre in den angelegten Bau rutschen.

x