Speyer Freistoss:

91-95131301.jpg

Der Speyerer Ruderer Harald Schwager (56) ist noch nicht am Steg angekommen. Ab 1. September sitzt er mit anderen als bisher im selben Boot. Dann reißt er sich nochmals am Riemen und gib nach seiner am 12. Mai zu Ende gehenden Zeit im Vorstand der BASF beim Essener Spezialchemie-Konzern Evonik als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands, sozusagen an Position zwei im Achter, mit die Schlagzahl vor. Hat bei Schwagers Entscheidung die Nähe zum romantischen Baldeneysee die Bugspitze nach vorne gebracht? Schließlich ist das künstliche Gewässer im Süden der Ruhrmetropole Austragungsstätte der berühmten Hügelregatta. Auch Nachwuchssportler der RG Speyer tauchten ihre Ruderblätter vor gar nicht allzu langer Zeit bei der deutschen Meisterschaft in die Fluten des Baldeney. Ist der Termin von Schwagers Abschied in Ludwigshafen extra auf den 12. Mai gelegt, dass er direkt zur Hügelregatta (12. bis 14. Mai) aufbrechen kann? Plant er, der nach wie vor aktive und erfolgreiche Sportler und immer noch in den Bestenlisten seines Vereins weit vorne auftauchende Schwager etwa, fernöstlichen Arbeitspausensport in Essen einzuführen? Aber selbst wenn Schwager in seiner sicherlich wohlverdienten Mittagspause seine Kilometer auf dem See macht, die allsonntäglichen Ausfahren mit den alten Kameraden im Reffenthal lässt er sich sicherlich nicht nehmen. Komisch sowieso, dass er ausgerechnet jetzt, da das schicke neue Bootshaus vor der Einweihung steht, gen Ruhrpott weiterzieht. Harald Schwager, der im Umgang mit der Lokalredaktion Speyer der RHEINPFALZ immer bodenständig geblieben ist, bleibt zu wünschen, dass er an seiner neuen Wirkungsstätte gut aus dem Startschuh kommt, nicht baden geht und keinen Krebs fängt, sondern alle Attacken abwehrt, erfolgreich zum Zwischen- und Endspurt ansetzt und sich so manche Radaddel ans Revers hängt. Zwei Speyerer brechen zum gediegenen Umtrunk in einer Kultkneipe in Innenstadtnähe auf, dessen Besitzer nicht gerade in den Ruf gerät, der rechten politischen Szenerie anzugehören, sondern eher in die andere Richtung tendiert. Sie öffnen die Tür, schieben den schweren Vorgang beiseite und besetzen zwei Barhocker am Fenster. „Wie immer?“, fragt die freundliche Bedienung. „Du bist wohl nicht das erste Mal hier“, scherzt der eine Speyerer in Richtung des anderen. Die beiden entscheiden sich wie immer: einmal Weizenbier, einmal alkoholfreies Weizen. Das Tor zur noch spärlich besuchten Kneipe öffnet sich einmal mehr. Richtig voll wird“s hier für gewöhnlich nach dem Ende des Pub Quiz“ am Holzmarkt, wenn die Dauersieger weiterziehen und ihren neuerlichen Triumph begießen, dabei gar manch knifflige Frage genüsslich Revue passieren lassen. Der Vorhang geht also neuerdings auf. Zwei etwa halb so alte Männer gesellen sich zu unserem Duo, platzieren sich direkt an der Bar, hinterlassen den Eindruck, dass ihnen der Gerstensaft an diesem Abend schon gemundet hat. Einer hat einen Verband am Arm, ein Arbeitsunfall, wie er wissen lässt. Einer der beiden Jungspunde schaut auffallend oft Richtung des Senioren-Duos. Dann kann er nicht mehr anders: „Habt ihr Lust, eine Runde zu kickern?“, fragt er mit Blick auf das Tischfußballspiel. Noch ehe Senior I Bereitschaft erklären kann, winkt Senior II schon ab. Die Minuten vergehen. Der Jüngling lässt nicht locker, wird richtig höflich: „Bitte, nur eine Runde Wir mischen die Mannschaften auch.“ Die Älteren lassen sich erweichen. Die Jugend zahlt das Spiel. Alle stellen die Biergläser in der Nähe auf. 1:0 für die Jungen, dann 2:1 für die Alten. Am Ende hat der Nachwuchs die Nase vorn, weil er sich zwar ein Eigentor leistet, aber die zittrigen Hände der Alten unter manch hämischem Kommentar ausnutzt. Die Jugend bietet Revanche an. Doch die Alten sehen ein, dass sie nix mehr drauf haben. Dennoch hegen sie den verruchten Plan, zwei Wochen später erneut die Gaststätte ihrer Niederlage heimzusuchen. Aber der unwesentlich Ältere der Älteren sagt kurzfristig ab, schiebt eine eigene anstrengende Trainingseinheit vor. Viel Erfolg zu Wasser und zu Land wünscht Martin Erbacher

Ihre News direkt zur Hand
Greifen Sie auf all unsere Artikel direkt über unsere neue App zu.
Via WhatsApp aktuell bleiben
x