Speyer „Erfolgserlebnis darf nicht zu kurz kommen“

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Sein Spitzname: Blacky. Christian Schwarzer (46) gehört zu den erfolg-reichsten deutschen Handballern. Der Weltmeister von 2007 kümmert sich mittlerweile um die Nachwuchsarbeit. Am 14. September trainiert er mit Schwegenheimer Grundschülern. Jochen Willner hat mit ihm telefoniert.

Deutschland ist Europameister und Olympia-Bronzemedaillengewinner. Hatten Sie das erwartet?

Im Prinzip ja, aber nicht so früh. Einen Teil der jungen Spieler hatte ich in der Jugend- und Juniorennationalmannschaft, und ich war stets vom Potential überzeugt. Die Jungs sind gut ausgebildet. Aber entscheidend war, dass sie in den Vereinen nicht auf der Bank sitzen, sondern dort auch spielen. Das hat man inzwischen verstanden, und das hat uns so schnell vorangebracht. Fabian Wiede, Paul Drux, Finn Lemke und Julius Kühn sind im Verein Leistungsträger und haben früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Wie lautet Ihre Philosophie? Wir dürfen nicht ergebnisorientiert, sondern müssen talentorientiert arbeiten. Hier gilt es, genau zu analysieren, was kann ein Spieler, wo sind seine Defizite, und woran müssen wir arbeiten. Der Spieler steht im Fokus. Die Kunst liegt darin, ihn mit jedem Training weiterzuentwickeln. Dies kommt leider in den Vereinen oftmals zu kurz. Sind Sie enttäuscht, dass der Deutsche Handball-Bund Ihren Vertrag als Jugendkoordinator nicht verlängerte? Ich hätte gerne weitergearbeitet, weil mir die Entwicklung junger Spieler sehr am Herzen liegt. Es gab aber im Verband andere Überlegungen. Warum lehnten Sie es bisher ab, in der Bundesliga zu arbeiten? Die Arbeit mit jungen Menschen macht mir immer noch sehr viel Spaß. Hier kann man noch sehr viel entwickeln und sieht die Fortschritte. Es ist schön zu sehen, wie Spieler, die man über Jahre begleitet hat, den Weg nach oben finden und in ihren Ligen nicht nur Mitläufer, sondern tragende Säulen sind. Welche Aufgaben haben Sie jetzt? Ich habe eine tolle Aufgabe als Jugendkoordinator im weiblichen und männlichen Bereich im Handballverband Saarland, wo ich zusammen mit Dirk Mathis auch alle männlichen Jugendmannschaften trainiere. Dazu bin ich in der Trainerfortbildung, dazu noch als Markenbotschafter und bei Star-Trainingstagen tätig. Letztgenannte Aufgabe ist für mich Herzensangelegenheit, weil in Kindergärten und Schulen die Grundlagen für Handball gelegt werden sollten. Was erwartet die Schwegenheimer? An der Schule gibt es einige Kinder, die Handball spielen. Ich werde einen Mix für die geübten und weniger geübten Kinder finden. Im Mittelpunkt steht der Ball. Deshalb werden wir viele Ballübungen machen. Das Erfolgserlebnis darf nicht zu kurz kommen. Ganz wichtig, das Ganze soll Spaß und Lust auf mehr machen. Mein Wunsch ist, dass die Kinder den Tag in Erinnerung behalten und so motiviert sind, dass sie auch danach den Weg zu den Vereinen finden. Darüber will ich anhand von Modulen auf dem Hof den Lehrkräften aufzeigen, wie schön und wertvoll Handball im Sportunterricht, in den Arbeitsgemeinschaften oder einfach auf dem Schulhof sein kann. Noch besser wäre, wenn die Betätigung mit dem Ball schon im Kindergartenalter beginnen würde. Handball wird Fußball als Sportart Nummer eins aber kaum ablösen. Das ist auch nicht nötig und wird auch nicht passieren. Aber Handball soll in der Breite stärker wahrgenommen werden. Dazu gehört, dass wir nach den Erfolgen der Nationalmannschaft noch stärker im TV präsent sind. Das wird den Nachwuchs zusätzlich begeistern, um den Jungs nachzueifern. Der Handball in Deutschland ist auf einem guten Wege. Wir dürfen aber nicht nachlassen. Maßnahmen wie das AOK-Star-Training oder die Grundschulaktionstage mit den Vereinen und Verbänden tragen wesentlich zur Nachhaltigkeit der Sportart bei. |wij

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