Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Krise: Die Herausforderungen für Speyers Bestatter

Gesperrt: Trauerhalle auf dem Speyerer Friedhof.
Gesperrt: Trauerhalle auf dem Speyerer Friedhof.

Hilfe im Trauerfall ist immer ein emotionaler Job. Die Corona-Krise bringt für die Bestatter in Speyer und Umland zusätzliche Erschwernisse mit sich. Sie berichten von Ungewissheiten für ihre Mitarbeiter, aber auch für die Trauernden. Eine der Fragen: Wie ansteckend ist eine an dem neuartigen Virus verstorbene Person?

Große Trauergemeinden, die zeigen, wie viel Wertschätzung ein Verstorbener zeitlebens genoss? Ist derzeit nicht in Speyer. Erlaubt sind nur Ansprachen am Grab vor dem engsten Familienkreis. „Für Angehörige ist das extrem schlimm“, sagt Andreas Böhm, Inhaber von Pietät Böhm-Kramny in Speyer. Das gehe bis hin zu einem Fall wie am Montag: Nachdem in der Stadt zunächst kein Limit der Teilnehmeranzahl an Trauerfeiern gegolten hatte, ging es vorige Woche erst auf das Maximum 75, dann auf nur noch fünf Personen. Zuletzt habe er einer Familie eine Stunde vor dem Termin sagen müssen, dass diese Fünf nicht mal die Trauerhalle des Speyerer Friedhofs betreten dürften, so Böhm.

„Die größte Herausforderung ist wohl, dass wir die Wünsche der Angehörigen nach einem individuellen und nachhaltigen Abschied im Moment nicht erfüllen können“, sagt auch Janet Böhme, Prokuristin von Bestattungen Zerf (Speyer/Dudenhofen). Keine Umarmung, kein Händedruck – „dies empfinden wir etwas befremdlich, weil wir doch alle mit dem Herzen dabei sind“. Aber es gehe jetzt nicht anders als mit Abstand und Hygienevorschriften.

Überführen der Leiche

Abstand wird dann zum Problem, wenn es ums Überführen der Leiche geht. Hat Corona beim Tod eine Rolle gespielt? Diagnostiziert, undiagnostiziert? „Wenn jemand zu Hause verstirbt, kann man sich da nicht wie sonst auf die Einschätzung des Hausarzts verlassen“, sagt Andreas Böhm. „Die Mitarbeiter im Überführungsdienst sind einem enormen Risiko ausgesetzt“, so Janet Böhme.

„Die Verunsicherung ist groß“, sagt Tobias Göck, Inhaber der Speyerer Trauerhilfe Göck. Er habe zwar noch keine Corona-Opfer bestattet, kenne aber die Auflage, den Sarg zu desinfizieren und wie auch die Leiche selbst zu verhüllen. Dazu müsse eine Kennzeichnung als „Infektionsleiche“ kommen wie etwa im Fall einer offenen Tuberkulose als Todesursache. Nur: Das ordneten nicht alle Gesundheitsämter einheitlich an. Das Coronavirus übertrage sich per Tröpfcheninfektion, und das sei – wenn auch nicht so leicht wie beim lebenden Menschen – auch bei einer Leiche möglich, wenn diese etwa Luft verliere. Deshalb legten seine Mitarbeiter beim Umlagern desinfizierte Tücher über die Körper.

Hygienematerial kann knapp werden

Ein Wunsch aller drei Firmenbetreiber: dass Bestatter in Rheinland-Pfalz wie schon in anderen Bundesländern zum „systemrelevanten Beruf“ erklärt werden und damit etwa leichter an Hygienematerial kommen. Böhme: „Bereits jetzt ist es äußerst schwierig, Desinfektionsmittel, Einweghandschuhe und Mundschutze zu bestellen.“ Andreas Böhm bestätigt das. Er sagt: „Zum Glück hatten wir uns rechtzeitig eingedeckt.“

„Unseren Beruf kann leider niemand anderes für uns übernehmen, wenn wir krankheitsbedingt ausfallen würden“, sagt Janet Böhme. Sie macht damit die Bedeutung weiterer Vorkehrungen klar, die ihre Kollegen mit veränderten Schichtplänen erklären: Bei Göck und Böhm-Kramny ist jeweils nur die Hälfte der Mitarbeiter im Dienst. Göck geht davon aus, irgendwann um Kurzarbeit nicht umhinzukommen. Mehrarbeit könnte sich später einmal ergeben, wenn die Auflagen zurückgefahren sind: Nach Einäscherungen würden die Trauerfeiern derzeit oft verschoben. „Die Angehörigen warten ab, aber das geht nicht ewig.“

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