Speyer „Auch in der Musik ist der Weg das Ziel“

Zum Abschluss der Speyerer Konzertreihe „Kontrapunkte“ präsentiert das Trio Sài Gòn am 18. Mai um 18 Uhr im Historischen Ratssaal ein breites musikalisches Spektrum von der klassischen Moderne bis hin zu Uraufführungen. Neben der Flötistin Carin Levine und dem Pianisten Stephan Rahn steht auch die 28-jährige Geigerin Anna-Theresa Steckel auf der Bühne, mit der Anne Kirchberg vorab gesprochen hat.

Wann stand für Sie fest, dass die Musik mehr als ein Hobby ist?

Dieses Gefühl entwickelte sich schleichend. In meiner Kindheit spielte ich bereits viel Geige und Klavier, denn ich komme aus einer sehr musikalischen Familie. Meine älteren Brüder hatten den Weg als Musiker damals schon eingeschlagen, und mir wurde nach und nach bewusst, dass ich dieses Hobby auch gerne zum Beruf machen möchte. Wann das genau war, weiß ich gar nicht, im Alter von 17 Jahren stand es jedenfalls fest. Half Ihnen dabei, dass Ihre Brüder zuvor dieselbe Entscheidung getroffen hatten? Natürlich, das hilft sehr. Gerade Julian hat sehr viele Kontakte und kennt sich extrem gut in der Szene aus. Es ist toll, wenn da jemand Vertrautes ist, der einen bei allem beraten kann, zum Beispiel bei der Wahl der Lehrer. Aber wahrscheinlich hätte ich mich auch ohne meine Brüder für diesen Weg entschieden. Wie wichtig sind unterschiedliche Lehrer während der Ausbildung? In jungen Jahren ist es gut, wenn man nicht so schnell wechselt, sondern bei einem ausgezeichneten Lehrer bleibt. Dort können Musiker eine tolle Grundlage legen, das ist am Anfang sehr wichtig. Da man durch sie in eine gewisse Schule reinkommt, ist es hilfreich, später auch mit anderen Lehrern Kontakt zu haben. Schließlich hat jeder seine eigene Meinung, seinen eigenen Geschmack und seine spezielle Richtung. Es ist ratsam, möglichst viele Impulse mitzunehmen und unterschiedliche Meinungen kennenzulernen. Nur so kann jeder für sich das Beste herausnehmen. Ist es nicht schwer, sich auf einen anderen Lehrer einzustellen? Mir fällt das leicht, weil ich weiß, was ich machen möchte und wo meine Stärken liegen. Es gab allerdings eine Phase am Anfang des Studiums, in der ich diverse Kurse besuchte, und da ist man schon ein wenig verwirrt. Das ist nicht einfach, im Endeffekt aber trotzdem gut, weil es zum Nachdenken angeregt. Lernen Musiker also nie aus? Genauso ist es! Ich bin im letzten Semester meines Studiums und kann mir nicht vorstellen, im Anschluss keinen Unterricht mehr zu nehmen oder die Stücke nicht mehr anderen vorzuspielen. Heute trage ich vor wichtigen Konzerten stets anderen Menschen meines Vertrauens alles vor und nicht ausschließlich meiner Lehrerin. Der Gedanke, nicht ausgelernt zu haben, schreckt mich jedoch nicht. Es ist schön, weil man sich immer weiter entwickeln kann und nie wirklich ans Ziel gelangt. Auch in der Musik ist der Weg das Ziel, weshalb es nie langweilig wird. Warum sind Sie in jungen Jahren schon weltweit mit Ihrer Musik unterwegs gewesen? Mich reizt es, in andere Länder zu fahren, die Menschen dort kennenzulernen und zu erleben, wie sie auf unsere Musik reagieren. Ich finde das sehr spannend, obwohl es manchmal neben dem Studium ziemlich anstrengend ist. Aber man bekommt so viel mit, sammelt viele Erfahrungen, und es bereitet mir viel Freude. Wie fanden Sie mit Carin Levine und Stephan Rahn als Trio zusammen? Stephan Rahn kenne ich seit meiner Kindheit, da er mit meinem Bruder zusammen musizierte. Er hatte bereits Kontakt zu Carin, und im November 2013 sind wir zu dritt auf Konzertreise nach Vietnam und Kambodscha gegangen. Während dieser Zeit lernten wir uns gut kennen und haben uns bestens verstanden. Musikalisch merkten wir ebenfalls, dass alle drei Lust hatten, weiter gemeinsam Musik zu machen. Welche Art von Musik wollten Sie zusammen spielen? Da für die Besetzung von Flöte, Violine und Klavier kein großes Repertoire vorliegt und Carin überwiegend in der modernen Musikbranche tätig ist, sind wir auf die Schiene der Neuen Musik gekommen. Carin kennt sich diesbezüglich sehr gut aus, und wir treten mit Stücken auf, die nicht häufig gespielt werden oder spielen Uraufführungen. Was wird in Speyer zu hören sein? Ganz unterschiedliche Stücke – beispielsweise des italienischen Komponisten Nino Rota, den man durch seine Filmmusik zu „Der Pate“ kennt, und von Bohuslav Martinu, der für seine nicht allzu neue, eher eingängige Musik bekannt ist. Zudem präsentieren wir unter anderem zwei Uraufführungen von Peter Heeren und Violeta Dinescu. Sie komponierte ein sehr interessantes Stück mit vielen Effekten. Insgesamt ist es ein abwechslungsreiches Programm, das sicher auch all denjenigen gefällt, die nicht nur Neue Musik hören. Wie sehen Ihre Pläne im Anschluss an das Konzert in Speyer aus? Ich studiere momentan im letzten Semester im Masterstudiengang an der Hanns Eisler Hochschule für Musik in Berlin. Ab September habe ich eine halbe Stelle im Orchester des Gewandhauses in Leipzig angenommen und möchte nebenher noch andere Projekte verfolgen. Halb freiberuflich zu sein, gibt mir die Möglichkeit, daneben solistisch aufzutreten und Kammermusik zu spielen.

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