Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Von Indien nach Saarbrücken: Studentin Shivaani Anitha Sivakumar hat noch viel vor

Shivaani Anitha Sivakumar hat den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bekommen. In Deutschland will sie sogar ihr
Shivaani Anitha Sivakumar hat den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bekommen. In Deutschland will sie sogar ihren Doktor machen.

Vor fünf Jahren ist Shivaani Anitha Sivakumar von Indien nach Deutschland gezogen – zum Studieren an der Saarbrücker Uni. Mittlerweile ist sie Präsidentin eines Netzwerks und wurde ausgezeichnet. Sie erzählt von Herausforderungen – und warum sie ihre alte Heimat nicht vermisst.

„Das erste Semester war für mich das intensivste“, erzählt Sivakumar im RHEINPFALZ-Interview. Neben den studentischen Herausforderungen an der Saar-Universität war auch der kulturelle Wechsel von Indien nach Deutschland anfangs mit viel Arbeit verknüpft. Eines ist Sivakumar gleich positiv aufgefallen: „Die Saar-Universität hat ein wirklich gutes Willkommensprogramm.“

Bevor die heute 26-Jährige nach Deutschland zog, absolvierte sie ihren Bachelor in Mechatronik mit Auszeichnung an der Anna-Universität in Chennai im Südosten Indiens. Diese Hochschule gilt als eine der führenden technischen Hochschulen des Landes. Die Weiterbildungsmöglichkeiten in Sivakumars Fachgebiet „Robotics“ waren in ihrem Heimatland jedoch beschränkt. So kam es dazu, dass sie sich entschied, 7000 Kilometer von ihrem indischen Heimatort entfernt im Saarland den Master in ihrem Fachgebiet abzulegen.

In der Corona-Zeit „war alles sehr deprimierend“

So positiv herausfordernd Sivakumars Studienstart im Saarland begann, so abrupt traf die Studentin der Corona-Lockdown. Sie spricht im Interview von Problemen hinsichtlich der eigenen Motivation, „alles war sehr deprimierend“. Mit anderen Studenten weitere Kontakte knüpfen – im Studium schon fast essenziell – wurde auf die digitale Welt beschränkt. „Dann habe ich vom Erasmus-Student-Network (kurz: ESN) erfahren. Die Gruppe organisierte viele Online-Treffen und Abend-Events, über die ich andere Leute kennenlernen konnte. Davon habe ich total profitiert“, erzählt Sivakumar.

Das ESN ist ein großes Netzwerk internationaler Studenten in Europa und versteht sich als Plattform, auf der Studierende aus unterschiedlichen Kulturen zusammenkommen. Zum einen geht es darum, Freundschaften zu schließen, aber auch das Entwickeln von interkulturellen Kompetenzen und das voneinander Lernen steht im Mittelpunkt. „Die Hauptarbeit ist interkulturelles Engagement mit dem gemeinsamen Ziel, anderen zu helfen“, sagt Sivakumar. Im Juni 2022 wurde die Studentin dann aktives Mitglied in der Saarbrücker Gruppe.

Jetzt ist sie Präsidenten eines Studenten-Netzwerks

Mit der Zeit festigte sich Sivakumars Arbeit in der Saarbrücker ESN-Gruppe. Anfangs ging es nur darum, dass sie für die internationalen Studenten-Events organisiert. Nachdem sie aber an einem Treffen aller 44 ESN-Gruppen in Deutschland mitgemacht hat und einen Arbeitskreis über Führungsarbeit in einem internationalen Team belegt hatte, wurde Sivakumar im November 2022 dann zur Präsidentin der Saarbrücker Gruppe gewählt. Das Amt werde Sivakumar voraussichtlich bis Oktober 2024 begleiten. Diese Arbeit bringt jede Menge Verwaltungs- und Organisationsarbeit mit sich.

„Wir stellen unsere Organisation auf dem Campus vor, beispielsweise beim Tag des Auslandsstudiums oder beim Tag der offenen Tür“. Hinzu kommen wöchentliche Netzwerktreffen. Die ersten beiden Wochen im Semester seien immer besonders intensiv, denn dann finde jeden Abend eine andere Veranstaltung statt. Die Aktivitäten, die Shivaani Anitha Sivakumar und ihre Mitstreiter auf die Beine stellen, reichen vom gemeinsamen Sport über Wanderausflüge oder künstlerisches Arbeiten bis hin zu Partys und einem regelmäßigen Stammtisch. Darüber hinaus organisiert die Gruppe Salsa- oder Bachata-Tanzworkshops. Aber auch die berufliche Qualifizierung ist eines der Ziele ihrer Organisation, daher versucht sie, ESN-Alumni und internationale Experten, die sich aus beruflichen Gründen vorübergehend in Saarbrücken aufhalten, für Vorträge zu gewinnen.

Die Weltenbummlerin hat kein Heimweh

Nicht nur durch ihre Position in der Saarbrücker ESN-Gruppe, sondern auch durch ihr Engagement im internationalen und interkulturellen Ehrenamt wurde Sivakumar Anfang des Jahres zur Siegerin des Preises des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ernannt. Die 26-Jährige macht diese Auszeichnung besonders stolz. Zudem weiß sie, dass die Auszeichnung hinsichtlich ihrer weiteren akademischen Karriere von Vorteil ist. So plant sie für die kommenden Jahre, im Saarland ihren Doktortitel zu absolvieren.

Heimweh nach Indien hatte Sivakumar übrigens noch nie. Selbst als sie noch in Indien studierte, betrug die Entfernung zu ihrem Heimatort mehrere Tausend Kilometer. Die Saar-Universität ist zudem Sivakumars Wunsch-Hochschule in Deutschland. „Ich habe oft in sehr großen Städten gewohnt, da wollte ich mal wohin, wo etwas weniger Leute leben.“ Sivakumar plant, noch die nächsten fünf bis zehn Jahre in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Wie es danach weitergeht, lässt die 26-Jährige offen.

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